[Vorgelesen] Gebrüder Grimm – Der Gevatter Tod

Der Tod ist im Märchen immer präsent, sei es als Prozess, Zustand oder Personifikation. Er gilt als unausweichlich aber in der Regel fair und konsequent, was auch im Märchen Der Gevatter Tod deutlich wird.

Am Freitag wird ein ausführlicherer Artikel zum Thema Tod und Sterben im Märchen veröffentlicht, heute muss das Märchen genügen.

„Wenn ich doch einmal den Tod überlisten könnte…“

Ein Mann hatte bereits 12 Kinder als das 13. kam. Um das Unglück des Kindes abzumildern suchte er einen passenden Gevatter, also einen Taufpaten, und stieß nach einiger Suche auf den Tod. Dieser versprach, das Kind später reich und berühmt zu machen.
Jahre später, als der Junge herangewachsen war, holte der Tod ihn ab und machte ihn zum Arzt. Wurde der Junge zu einem Kranken gerufen, und der Tod stand am Kopfende des Bettes, so konnte der Arzt ihn heilen. Stand der Tod zu Füßen des Kranken, gab es keine Hoffnung mehr. Als der Arzt zum kranken König gerufen wird, versucht der Arzt, seinen Gevatter zu überlisten…

„Opaaaa, liest du mir vooor?“

Ich stand ständig, das Märchenbuch schon in der Hand, vor meinem Opa, der in seinem großen Sessel saß und meistens selbst ein Buch vor der Nase hatte. Und natürlich las er mir vor. Ich möchte diese Tradition des Vorlesens wieder aufleben lassen, und selbst Märchen vorlesen…
Ich kann mich nicht erinnern, dass mein Opa mir Gevatter Tod vorgelesen hat, sehr wohl aber daran, dass ich dieses Märchen gelesen habe. Ich kann nicht sagen worin meine Faszination für es herkam, vielleicht, weil der Tod fair aber konsequent war. Außerdem fand ich es ziemlich gemein, dass der Arzt ein Kind geopfert hätte um sich selbst zu retten.
In einer Märchenverfilmung aus den 1980ern wird dieses Ende ein wenig umgesponnen. Im Laufe des Film lernt der Arzt einen Jungen kennen, für den er sorgt und den er mehr oder weniger wie einen Bruder oder sogar Sohn liebt. Als er nun für die Überlistung des Todes bestraft werden soll, und um ein neues Lebenslicht bittet, soll er die Kerze selbst aussuchen. Der Tod setzt das Lebenslicht des Arztes darauf. Als der Arzt nach Hause kommt, sieht er den Jungen, der ihm so viel bedeutete, tot auf der Treppe liegen. Er hat seinen Tod zu verantworten und läuft von Schuldgefühlen geplagt davon. So ist er zwar am Leben, kann aber nicht mehr glücklich werden.

Die Fassung des Märchens, die ich vorlese, stammt aus dem Märchenschuber von Reclam.
Online lesen kann man Gevatter Tod hier.

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4 Gedanken zu “[Vorgelesen] Gebrüder Grimm – Der Gevatter Tod

  1. Ich kenne das Märchen zwar nicht, aber ich mag es. Ich finde es sehr faszinierend wenn der Tod Gestalt annimmt und mitmischt in einer Geschichte.
    Du hast das Märchen wieder wundervoll vorgelesen, deine Stimmt ist super angenehm zun zuhören und du sprichst im richtigen Tempo. Ganz grosse klasse ❤
    Liebe Grüsse
    Julia

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    • Hach, danke :*
      Ich mag dieses Märchen auch, vor allem, weil er für sein Patenkind wirklich kein Ausnahme macht, ein anderes Leben ist nicht weniger wert als das des Arztes.

      Ich muss mal gucken welches Märchen ich am Sonntag vorlese, da bin ich noch etwas ratlos…

      Cheerio,
      Mareike

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  2. Pingback: [Federlesen] Der Tod im Märchen | Die Bücherkrähe

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