[Rezension] François Durpaire – Die Präsidentin

Titel: Die Präsidentin | Autor: François Durpaire | Illustrator: Farid Boudjellal | Verlag: Jacoby Stuart | ISBN: 978-3946593126

Worum geht’s?

Frankreich 2017: Marine le Pen gewinnt die Wahl und wird französische Präsidentin. Sie fängt sofort an, ihre Wahlkampfversprechen umzusetzen: Ausweisung aller „illegalen“ Ausländer, keine Neuaufnahme von Flüchtlingen und Einwanderern, Ausstieg aus der Nato, Rückkehr zum Franc…Außerdem entzieht sie den öffentlich rechtlichen Medien die finanziellen Grundlagen und setzt ihnen damit ein Ende. Kritische Berichterstattung wird erschwert, zumal der Innenminister erlässt, dass „Landesverrat“ bereits im Kopf anfängt und Kritik am Kurs der Regierung dadurch ebenfalls strafbar wird.
Wie sich die neuen Gesetze, Regelungen und Veränderungen auf die Gesellschaft auswirken, wird zum einen an einem Freundeskreis gezeigt, der sich einem Blog zur Kritik der Tagespolitik verschrieben habt, aber auch durch Einblendungen von Nachrichtensendungen und Zeitungsartikeln. Schon bald merkt man hinter den Kulissen, dass der Front National nicht mal die größte Gefahr ist…

Wie war’s?

Ich erinnere mich noch an das tiefe Aufatmen, als Marine Le Pen die Stichwahl gegen Macron verlor und Frankreich somit nicht von einer Rechtspopulistin angeführt werden sollte. Wie Frankreich unter der Regierung vom Front National vermutlich ausgesehen hätte, zeigt die Graphic Novel Die Präsidentin, der Auftaktband zu einer Trilogie.
Le Pen macht sich nach ihrer Wahl sofort daran, die Wahlversprechen umzusetzen, und die französische Bevölkerung bekommt die Auswirkungen sofort zu spüren. Seien es wirtschaftliche, weil die Rückkehr zum Franc nicht so läuft wie geplant, oder die Angst von ausländischen Studierenden, weil man im Endeffekt nicht weiß, wer ausgewiesen wird, oder die krasse Einschränkung der Pressefreiheit und Repressionen gegen Kritiker.
Das parlamentarische System ist in Frankreich zwar anders aufgebaut als in Deutschland, es fällt dennoch nicht schwer sich vorzustellen, dass genau das, was in Die Präsidentin passiert, auch 1:1 in Deutschland möglich ist, wäre die AfD eine Regierungspartei, vielleicht sogar mit der größten Mehrheit. Die AfD kündigt solche Maßnahmen wie Unterdrücung der Presse bereits an, und wenn man sich das Wahlprogramm von 2017 anguckt werden die Parallelen noch deutlicher.

Die Präsidentin ist ein politisches Gedankenspiel, das aber sehr schnell Realität werden kann. Wer sich vor Augen führen möchte, wohin ein Land unter Rechtspopulisten sehr wahrscheinlich laufen wird, sollte definitiv einen Blick in diese Graphic Novel werfen.

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4 Gedanken zu “[Rezension] François Durpaire – Die Präsidentin

  1. Wirklich ein spannendes Thema! Ich bin ja schon bei so manch aktuellem Buch überrascht, wie schnell so aktuelle Themen verarbeitet werden. Bei all den Bildern erscheint mir das eine noch größere Leistung!
    Wie schaut denn das Innenleben aus? Also speziell die Bilder?
    VG Jennifer

    Gefällt 2 Personen

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