[Rezension] Jasmin Jülicher – Der Hüter. Stadt der Tiefe

Titel: Der Hüter. Stadt der Tiefe | Autorin: Jasmin Jülicher | Verlag: Selfpublisher | ISBN: 978-3-96111-485-6

Worum geht’s?

Biota, 1888. Die Stadt auf dem Meeresboden des Atlantik wurde während des Großen Krieges heimlich gebaut, um dort Menschen vor dem Terror an der Oberfläche zu schützen. Vorrausetzung, um in die Stadt einziehen zu dürfen: Löschen des Gedächtnisses sowie ein Vorgang, der alle gewalttätigen Regungen unterdrückt. So entstand in Biota eine gewaltfreie Gesellschaft, in der die spannendste Aufgabe der Hüter ist, einen Streit zwischen Wissenschaftlern zu schlichten.
Umso schockierter ist der oberste Hüter Alexander, als er von einer Leiche erfährt, die keines natürlichen Todes gestorben ist, mehr noch: die Frau wurde auf bestialische Weise umgebracht. Fieberhaft fängt er an zu ermitteln und bekommt dabei Hilfe von der Botania Nic. Doch die Leichen häufen sich, und die Oberen der Stadt sind nicht scharf darauf, dass der Hüter zu tief ermittelt, denn er könnte auf den ganzen Dreck stoßen, auf dem Biota aufgebaut ist.

Wie war’s?

„Mein Buch ist mehr Krimi als Steampunk“, meinte Jasmin Jülicher in unserem Email-Austausch. Das war eine kleine Untertreibung, denn ich hatte auf einmal einen handfesten Thriller in der Hand. Spannenderweise funktioniert das Setting der Story sowohl als Steampunk als auch als postapokalyptische Dystopie. Die Seiten flogen nur so dahin, das Buch hielt ich sogar in der Hand, während in mit der anderen in Kochtöpfen rührte (was man leider auch sieht…). Ich musste einfach wissen, wie es weitergeht.

Der Aufbau der Gesellschaft Biotas ist spannend durchdacht. Religion gibt es nicht mehr, Verstand und Wissenschaft sind das Maß der Dinge, weswegen die Wissenschaftler die Oberschicht der Gesellschaft bilden. Das Geschick lenken die Oberen, die ein autoritäres System mit viel Zucker errichtet haben. Solange man nicht zu kritisch denkt, kann man in der Unterwasserstadt, in der es wirklich alles gibt, gut leben. Der Lebensweg wird mit Analysen in der Kindheit vorgegeben, eine Abweichung ist nicht möglich, aber die Menschen sind zufrieden. Das Leben in Biota funktioniert reibungslos, doch wie jedes totalitäre System hat auch Biota mehr Dreck am Stecken als ein Hund nach einem Sprung in den Matsch.

Zwei Haare in der Suppe habe ich dennoch gefunden.
DNA ist in Biota schon lange bekannt, denn anhand von DNA-Analysen wird das Potenzial jedes Kindes beurteilt und der Lebensweg vorgegeben. Bakterien und Viren sind aber erst „vor kurzem“ wieder entdeckt worden, was mir spanisch vorkommt, denn Bakterien wurden schon im 17. Jahrhundert das erste mal beschrieben. Zwar wurden die Erinnerungen der Mitbewohner gelöscht, als sie sich auf den Weg nach Biota machten, aber solches Wissen sollte doch eigentlich erhalten bleiben, oder nicht? Aber gut, kleines Detail, an dem man sich nicht aufhängen muss.
Das zweite Haar ist das Ende. Es ist spannend und schnell, man merkt förmlich, wie der Puls beschleunigt. Ein, zwei Actionszenen und Figuren weniger wären dennoch nicht verkehrt gewesen, denn so wirkt es ein bisschen überladen.

Trotzdem hatte ich meine helle Freude an Der Hüter, und ich bin gespannt, wie es mit Alex und Nic weitergeht!

„Du liest doch sonst keine Selfpublisher, wieso jetzt?“

Ich bin Selfpublishern gegenüber meistens skeptisch. Viele klemmen sich ein Lektorat (Tante Hilde, die beim Nachmittagskaffee kurz drüber liest, ist kein Lektorat), geben sich mit der Aufmachung keine Mühe oder hauen als Anschreiben einfach eine Massenmail raus. Kann man machen, aber wenn dann drin steht „mein Buch passt perfekt zu deinem Blog!“, und man mir dann einen Liebesroman vorschlägt (lese ich wirklich nie)…naja…
Man kann es auch machen wie Jasmin Jülicher, denn sie hatte mich im Grunde schon mit der ersten Mail in der Tasche: Sie hat auf meinen Twitteraccount und meinen Blog Bezug genommen und die Mail sehr persönlich geschrieben. So kam es, dass ich einen Steampunk-Roman las, ein Genre also, das man sonst eher vergeblich auf meinem Lesestapel sucht. Hätte ich bei einer Massenmail eher nicht gemacht. Der Hammer war dann das zauberhafte Paket, in dem sie mir das Buch zuschickte. Das erwarte ich gar nicht, aber ich kam mir als Bloggerin nicht nur ernstgenommen sondern auch unglaublich wertgeschätzt vor. Vielen, vielen Dank nochmal dafür!

Hand auf’s Herz, welche Bloggerin freut sich nicht über ein in Seidenpapier eingeschlagenes Buch?

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5 Gedanken zu “[Rezension] Jasmin Jülicher – Der Hüter. Stadt der Tiefe

  1. Halli Hallo!
    Schön, dass „Der Hüter“ in der Bloggerwelt langsam seine Runden zieht.
    Jasmin hat mir auch eine sehr persönliche E-Mail geschrieben was, neben dem spannenden Klappentext und der Leseprobe, einer der Gründe war, wieso ich das Buch gelesen habe. Sie hat sich wirklich Gedanken gemacht und ich hab mich wahnsinnig gefreut. Ich habe das Buch vor der Crowdfunding Aktion, die ja super gelaufen ist, und somit auch vor dem Druck gelesen.
    Ich bin auch schon gespannt auf den zweiten Teil. Eine tolle Rezension!
    Liebe Grüße,
    Elli

    Gefällt 1 Person

    • Huhu Elli!
      Ich muss gestehen, ich habe null auf dem Schirm, was in der SulfPub-Szene passiert, u.a. aus oben genannten Gründen. Deswegen freut es mich umso mehr, dass ich Jasmin eine Chance gegeben habe, zumal das Buch wirklich traumhaft aufgemacht ist. So viele kleine Details… ich habe schon während ich es gelesen habe überall erzählt wie toll es ist 😀

      Cheerio,
      Mareike

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  2. UH, nun hast du mich aber wirklich neugierig auf das Buch gemacht! Trotz der zwei kleinen Kritikpunkte wandert das Buch mal umgehend auf die Wunschliste und schöööön das du nun auch SP`ler liest 😉 Ja, definitiv steht und fällt es mit dem Anschreiben, aber es gibt schon einige feine Schreiberlinge dort (bin ja ganz klarer Nika Sachs, Magret Kindermann & Co.-Fan)

    Hab einen feinen Tag!

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  3. Hallo Mareike,

    das Buch klingt wirklich toll und es ist gleich auf meiner Wunschliste gelandet.
    Bisher habe ich noch nichts aus dem Steampunkgenre gelesen, doch es interessiert mich eigentlich sehr und Krimis mag ich auch ganz gerne.
    Ich schließe Self Publisher aus meinem Leseverhalten nicht aus, aber ich lese sie weitaus seltener als Bücher von Verlagen. Ich kann deine Kritikpunkte gegenüber SelfPublichern nachvollziehen, da gibt es sicherlich einige die es nicht so toll machen, aber mir sind schon gute Bücher von SPlern in die Hände gefallen.

    LG
    Elisa

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  4. Ich freu mich riesig, dass dich ein Selfpublisher überzeugen konnte! Trotz einer zwei gefundenen Haaren, will ich nun das Buch auch lesen. Hmpf. Du tust meiner Wunschliste überhaupt nicht gut. Ursprünglich dachte ich, dass unser Lesegeschmack total unterschiedlich ist, allerdings wandern immer mehr von deinen vorgestellten Büchern auf meine „To-Read“-Liste. yay ❤
    Liebe Grüsse
    Julia

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