[Rezension] John Boyne – Der Junge auf dem Berg


Titel: Der Junge auf dem Berg | Autor: John Boyne | Verlag: Fischer | ISBN: 978-3-7373-4062-5

Pierrot wächst in Paris auf. Sein bester Freund, Anshel, ist Jude und wohnt unter ihm. Als erst sein Vater und später auch seine Mutter plötzlich sterben, wird Pierrot von seiner Tante nach Deutschland geholt. Sie ist Wirtschafterin in einem großen Haus, und ihr Arbeitgeber ist nicht irgendwer. Es ist der Führer des Deutschen Reiches, Adolf Hitler, und Pierrot lebt von nun an auf dem Obersalzberg. Er ist zehn Jahre alt und, wenn man so will, so unschuldig wie Kinder in diesem Alter eben sein können.
Er versucht, keinen Ärger zu machen, und lernt schon bald den Führer persönlich kennen, der überraschender Weise Gefallen an dem kleinen Junge findet. Tatsächlich verbringt Pierrot immer viel Zeit mit Hitler, wenn der auf dem Berg weilt, und gerät immer mehr in dessen Bann. Er saugt die Überzeugungen des Führers über Nationalstolz, Treue, Antisemitismus und Krieg auf und tut alles, um eine „guter Deutscher“ zu sein. Und er trifft Entscheidungen, von denen er bei seiner Ankunft nie gedacht hätte, dass er sie träfe.

10 Jahre nach Der Junge im gestreiften Pyjama legt John Boyne nach und erzählt wieder die Geschichte eines Jungen im Dritten Reich. Dieses Mal ist es der jungen Pierrot, der in Deutschland zu Peter wird, und direkt mit Adolf Hitler zu tun hat. Die Geschichte wird in mehreren Zeitabschnitten erzählt, die immer einen Einblick in das jeweilige Alter Pierrots geben. Jedes Mal hat er sich ein Stück mehr verändert und ist der Idee des Nationalsozialismus ein Stück mehr verfallen.
Wie schon bei Der Junge im gestreiften Pyjama liest sich Der Junge auf dem Berg schnell und spannend weg. Man kann gar nicht anders als mehr wissen zu wollen über Pierrots Weg. Es gibt einige Momente, in denen man den Jungen schütteln möchte. Man begreift einfach seine Handlungen zuweilen nicht, wenn man weiß, was er erleb hat. Vermutlich spielt aber auch die rückblickende Sichtweise ein Rolle, die man als Leserin heute hat.

Die Abschnitte sollen Schlaglichter auf Pierrots Entwicklung werfen, aber die Abstände zwischen ihnen sind tlw. zu groß, dass eben diese Entwicklung oft zu sprunghaft und wenig nachvollziehbar ist. Manche Lücken muss man selbst füllen, was durchaus möglich ist, aber man merkt, dass es fehlt.

Doch obwohl dem Buch 100 Seiten mehr durchaus gut getan hätten, lohnt sich das Buch. Es ist einfach mal eine andere Geschichte, die im Nazideutschland spielt und ist ein kurzweiliges Lesevergnügen.

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4 Gedanken zu “[Rezension] John Boyne – Der Junge auf dem Berg

  1. Ich liebäugele auch schon mit dem Buch. Der Junge im gestreiften Pyjama war ja wirklich sehr unschuldig gegenüber dem Nazionalsozialismus. Ich bin gespannt, wie Boyne dies als Entwicklung darstellt. Verfolgt man denn den Jungen auf dem Berg wirklich bis ins Erwachsenenalter?
    Ich hab schon bei anderen gelesen, dass es schwierig ist zu lesen ist. Irgendwo ist es ja unmöglich ein solches Buch ohne das Hintergrundwissen, dass wir mitbringen, zu lesen…
    Das fände ich aber irgendwie verkehrt. Denn das Buch setzt sich ja idealerweise direkt mit der damaligen Zeit auseinander. Wieso sollte man es dann losgelöst betrachten?
    VG Jennifer

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  2. John Boyne ist eigentlich ein ganz zuverlässiger Autor, was ich bisher gelesen hab, mochte ich immer. Dieses reizt mich auch, ich überlege schon seit einigen Tagen, mir das Hörbuch zu holen. 🙂

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