[Rezension] Gunter Scholtz – Philosophie des Meeres

Titel: Philosophie des Meeres | Autor: Gunter Scholz | Verlag: Mare | ISBN: 978-3866482494

Zugegeben, der Titel des Buches ist anfangs etwas irreführend. Es geht nicht eine Philosophie des Meeres, also was man vom Meer vielleicht lernen und auf das Leben anwenden könnte. Es ist vielmehr ein Gang durch die Geschichte der Philosophie, mit all ihren verschiedenen Strömungen, Entwicklungen seit der Antike bis heute, von Panta Rhei (Alles fließt) bis hin zur Bioethik und Geschichtsphilosophie. Dabei zeigt Scholtz immer wieder, wie sehr Philosophie auf sich selbst aufbaut, mal mit Rückgriffen auf die Antike (als Weiterführung oder Gegenentwurf), mal möglichst losgelöst von philosophischer Tradition. Er versucht dabei, das komplexe Gebilde der Philosophie nachvollziehbar und verständlich darzustellen.

Um das zu ermöglichen, greift er auf die Metapher vom Meer zurück. Mehr als alles andere spielt eben diese Naturgewalt immer wieder eine Rolle bei verschiedenen Philosophen und ihren Theorien. Ob nun schon in der Antike das Meer als Inbegriff des Lebens galt, von dem alles Leben kommt, oder nur wenig später als das Schlechte betrachtet wurde, weil es eben eine Gewalt war, die Menschen und Umwelt formte und vor immer neue Herausforderungen stellte: das Meer war oft genug in die Theorien der großen Philosophen eingebunden. Es beeinflusste Lebenseinstellung, Lebensaufassung und schließlich auch das Denken der Menschen, die mit dem Meer lebten. Gerade bei den antiken Philosophen wie Heraklit, Aristoteles und Platon ist das nicht verwunderlich, war der Mittelmeerraum zu dieser Zeit doch eine Brutstätte von Kulturen, Handel und Austausch.

Doch obwohl das Meer als Metapher immer wieder im Mittelpunkt von Scholtz‘ Ausführungen steht, der Fixpunkt, um den sich seine Erläuterungen drehen, Philosophie des Meeres ist kein Buch für zwischendurch oder gar, wie man anfangs ein wenig naiv annehmen möchte, als Strandlektüre geeignet. Denn wo ließen sich Bücher mit dem Meer im Titel besser lesen als am Meer selbst? Die Philosophie des Meeres ist eine wundervolle und lehrreiche Reise durch das Meer der Philosophie, und selbst über die bekanntesten Philosophen lernt man noch etwas Neues. Aber es ist anspruchsvoll geschrieben, die Gedankengänge oft komplex, und nicht nur einmal wird man den einen oder anderen Satz mehrfach lesen müssen, um den philosophischen Kern greifen zu können. Statt eines Nachmittages am Strand wird man eher einige Wochen für dieses Buch brauchen – und des lohnt sich.

Das Buch ist eine Bereicherung. Wer neu in der Philosophie ist, lernt hier die grundlegenden Philosophen und ihre Denkweisen kennen. Wer sich schon länger mit dem Thema beschäftigt, wird hier neue Aspekte kennen lernen, und sicherlich war nicht jedem Philosophiebegeistertem bewusst, wie sehr sich das Meer eigentlich durch die Philosophie zieht.

Es ist eben die Naturgewalt, die mehr als jede andere die Menschheit geprägt, begleitet und verändert hat.

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5 Gedanken zu “[Rezension] Gunter Scholtz – Philosophie des Meeres

  1. Hi Mareike,
    danke für diesen Buchtipp! Das muss ich mir mal in einer ruhigen Minute vornehmen. Albert Camus kommt sicher auch vor, oder? Ich kann mich dunkel erinnern, dass es bei seiner Philosophie um das „Lebensgefühl“ der am Mittelmeer Lebenden geht.
    Spontan fällt mir dazu auch der Klassiker „Deutschstunde“ ein, da geht es doch um einen Jungen, der den Zweiten Weltkrieg in einem kleinen Kaff an der Nordsee mitbekommt. Die Leute um ihn herum halten sich für besonders gute Patrioten, weil sie Matrosen sind und täglich dem Meer trotzen usw. Das Meer ist eigentlich ein eigener Charakter in diesem Buch, wird atmosphärisch beschrieben. Kann ich nur empfehlen, natürlich auch wegen der Geschichtskritik!
    LG, Sabine

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  2. Moin!

    Hurra, Du hast es geschafft! So weit bin ich noch lange nicht, aber ich lasse mir auch sehr viel Zeit damit.
    Immer, wenn ich Zeit und Ruhe habe, lese ich ganz gemütlich ein paar Seiten.

    Grüße Andre

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    • Jaaaa, endlich! Das war echt eine schwere Geburt, der Schreibstil ist jetzt nicht wirklich lockerflockig 😀 Ich musste aber endlich einen Zahn zulegen, es war ja ein Rezensionsexemplar…

      Wie weit bist du denn bisher?
      Cheerio
      Mareike

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