[Rezension] Der Krieg der Welten. Eine Geschichte, drei Formate

Titel: Der Krieg der Welten | Autor: H.G. Wells | Verlag: dtv | ISBN: 978-3-423-14547-3
Titel: Der Krieg der Welten | Zeichner: Thilo Krapp | Verlag: Egmont Graphic Novel | ISBN: 978-3-7704-5522-5
Titel: Der Krieg der Welten 1/2 | Story: Dobbs | Zeichner: Cifuentes | Verlag: Splitter | ISBN: 978-3-95839-503-9
Titel: Der Krieg der Welten 2/2 | Story: Dobbs | Zeichner: Cifuentes | Verlag: Splitter | ISBN: 978-3-95839-504-6

Als Der Krieg der Welten von H.G.Wells 1898 in England erschien hat vermutlich noch keiner erwartet, dass es der Startschuss für Science Fiction Literatur mit Außerirdischen wird. Eine der Arten von Marsmenschen, die als Nahrung dienen, hat mit ihrer Beschreibung bis heute das Aussehen von Aliens geprägt: Große Köpfe mit großen Augen, langen Gliedmaßen und blasser Haut.

2017 ist im dtv eine Neuübersetzung des Romans erschienen, die überaus gelungen ist. Während der prägnante Schreibstil von Literatur des 19. Jahrhunderts beibehalten wird, kann man der Geschichte mühelos folgen ohne über inzwischen veraltete Begriffe zu grübeln. So kann man sich ganz auf die Story konzentrieren, die nun wirklich nicht langweilig ist:
Eines Tages landet südlich von London in einem ländlichen Gebiet eine Kapsel mit Marsmenschen. Die Menschen eilen fasziniert herbei um die Neuankömmlinge zu begrüßen und natürlich auch zu begaffen. Keiner kommt auf die Idee, dass die Wesen vom Mars feindlich gesinnt sein könnten, und so gibt es schnell das erste Massaker. Ein Hitzestrahl verbrennt alles Leben, das er trifft. Der einzige Überlebende, der Erzähler, rennt nach Hause um seine Frau in Sicherheit zu bringen. In der Zwischenzeit landen immer mehr Zylinder vom Mars, und die Marsianer nehmen mit ihren Kampfmaschinen, den Dreibeinen, die Invasion der Erde in Angriff. Der Erzähler berichtet von verzweifelten Flüchtlingen, schrecklichen Massakern und Menschen, die ihre Menschlichkeit angesichts der Katastrophe verlieren. Die britische Armee wird völlig überrannt, und zudem wird schnell klar, dass die Marsianer die Menschen nicht einfach nur umbringen wollen, sondern schrecklicheres mit ihnen vorhaben.
Der Krieg der Welten hat alles, was Science Fiction braucht: Außerirdische, dem Menschen überlegene Technik, Bedrohung für Menschen und Planeten, Spannungsbogen und Anti-Helden. Kein Wunder also, dass dieses Buch mehrfach verfilmt wurde bzw. als Vorlage diente, und bis heute immer wieder aufgelegt wird.

Krieg der Welten in zwei neuen Formaten: Graphic Novel und Comic

Thilo Krapp setze das Werk in eine Graphic Novel um (2017), Dobbs und Vincente Cifuentes verwandelten die Geschichte in einen zweiteiligen Comic (2017; der zweite Teil erscheint im Oktober 2017). Jetzt mag man sich fragen, wo der Unterschied zwischen den beiden Adaptionen liegt, denn im Grunde sind beide Umsetzungen in Bildform. Wirklich?
Schauen wir uns Graphic Novel und Comic mal genauer an.

Die Graphic Novel mit den Zeichnungen von Thilo Krapp umfasst 144 Seiten und ist durchgängig in Sepiatönen und Bleistiftzeichnungen gehalten. Auf den letzten Seiten zeigt der Illustrator sogar einige seiner Skizzen und Studien, die er machte um die Zeit und den Stil des viktorianischen Englands besser einfangen zu können.
Die Comics von Dobbs, der die Story übernahm, und Vincente Cifuentes, von dem die Zeichnungen sind, sind zum einen zweigeteilt à 55 Seiten, zum anderen sind die Comics vollständig coloriert. Ein weiterer Unterschied ist, dass die Zeichnungen eher steampunkig anmuten, also am viktorianischen England orientiert sind, aber mit modernen Elementen.

Beide Adaptionen haben etwas für sich

Krapps Graphic Novel ist textlich sehr nah am Original und auch wenn der Text gekürzt und die Story gestrafft wurde, gehen keine wichtigen Details verloren. Zudem entsprechen die Bilder, z.B. die Marsianer, den Beschreibungen aus dem Roman. Die Maschinen, die Dreibeine, mit denen die Marswesen durch die Landschaft stapfen, sind schlicht, fast plump – und entsprechen damit genau der Vorlage. Der Zeichenstil der Graphic Novel passt perfekt zu der Geschichte, denn er fängt die Stimmung des Zeitalters ein und man merkt, dass der Zeichner sich Gedanken um eine epochengetreue Umsetzung gemacht hat.

Cifuentes hat die Comics moderner gestaltet. Die Marswesen erinnern eher an die Aliens aus Independence Day (der wiederum auf Krieg der Welten beruht…) und auch die Maschinen wirken sehr blankpoliert. Zudem sehen die Charaktere zuweilen aus wie in einem Western, sowohl was Kleidungsstil angeht als die Sprache. Die eigentliche Geschichte wurde stark editiert, so wurde sie nicht nur wie erwartet gekürzt sondern manche Details wurden auch verändert. Die ändern erstmal nichts am Handlungsverlauf, bringen aber ein paar dramatische Elemente mit ein.

Marswesen bei Thilo Krapp (Graphic Novel)

Marswesen bei Dobbs und Cifuentes (Comic)

Dobbs und Cifuentes haben ihre Comicadaption allgemein mit viel Action gespickt. Dobbs hat der Geschichte am Storyboard einige Szenen hinzugefügt, die Strecken, die der Protagonist im Roman zurücklegt, überbrücken und so mehr Tempo in die Story bringen. Er verlässt damit die, wenn auch dramatische, langsame Plotstruktur, die Romane aus der Zeit mitbringen. Dobbs Storyline ist actiongeladen, hier wird die Geschichte von Krieg der Welten auf das Comicformat zugeschneidert – und es funktioniert ausgezeichnet. Cifuentes hat die Änderungen in der Storyline perfekt in die Comicbilder übertragen und rundet somit den literarischen Comic ab. Man sollte hier nur einfach nicht auf Vorlagentreue schauen.

Reihenfolge

Sollte ich eine Reihenfolge empfehlen, in der man Roman, Graphic Novel und Comics lesen sollte, wäre es genau diese. Der Roman an sich ist spannend und kurzweilig, und in der Ausgabe vom dtv macht man definitiv nichts falsch. Die Graphic Novel bietet, platt gesagt, die Illustrationen zu dem Gelesenen. Ich war sehr gespannt darauf, wie Krapp die Marsianer und ihre Technologie darstellt. Die Comics sind der krönende Abschluss, eine freiere, leichtere Umsetzung in einem tollen Zeichenstil.


Gewinnspiel

Der Verlag Egmont Graphic Novel war so nett, ein Exemplar der Graphic Novel „Der Krieg der Welten“ von Thilo Krapp zur Verfügung zu stellen. Du willst sie gewinnen? Dann beantworte mir in den Kommentaren folgende Frage: Welchen Roman würdest du gerne als Graphic Novel sehen?

• Zeitraum: 29.08.-02.09.2017
• Auslosung am Sonntag, 03.08.2017
• Teilnahme ab 18 Jahren
• Versand nach nur nach Deutschland
• Der Rechtsweg ist ausgeschlossen.
• Eine Barauszahlung ist nicht möglich.

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13 Gedanken zu “[Rezension] Der Krieg der Welten. Eine Geschichte, drei Formate

  1. Hallo 🙂 „Krieg der Welten“ steht schon ewig auf meiner WuLi, aber bisher habe ich es noch nicht auf die Reihe gebracht, es zu organisieren. Die Idee, das Ganze auch als Graphic Novel / Comic zu veröffentlichen finde ich einerseits cool, weil es dadurch eben auch andere Leser erreicht, andererseits frage ich mich: Muss das sein?

    Ich selbst bin für die Graphic Novels eher weniger zu begeistern, auch wenn sie schön anzusehen sind. Ich bleib lieber beim Roman 😀

    Liebe Grüße,
    Pia!

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  2. Hallo liebe Bücherkrähe, 🙂
    Zwar hab ich die Sci-Fi-Klassiker schon länger im Auge, aber mir fällt es immer schwer eine Ausgabe zu finden, die mir sprachlich und auch austattungsmäßig gefällt. Also vielen Dank für deinen tollen Beitrag dazu, jetzt kommt die dtv-Ausgabe auf meine explizite Wunschliste!

    Folgenden Roman würde ich gerne mal als Graphic Novel sehen:
    * Auf zwei Planeten * von Kurd Laßwitz
    Erschienen 1897, und absolut tolles Sci-Fi!

    Gefällt 2 Personen

    • Ahoi!
      Den Titel muss ich gleich mal nachschlagen, den kenne ich nämlich gar nicht…

      Übrigens: GLÜCKWUNSCH! Du hast gewonnen 🙂
      Magst du mir deine Adresse per Mail oder Kontaktformular mitteilen?

      Cheerio
      Mareike

      Gefällt mir

  3. Also ich möchte nicht am Gewinnspiel teilnehmen 😉 Die Graphic Novel zu „Krieg der Welten“ hatte ich schon ein paar Mal in der Bücherei in der Hand und werde sie nun ausleihen. Ich muss ganz ehrlich gestehen, dass ich bei „Krieg der Welten“ immer nur an den Radiobeitrag gedacht habe.
    Ich würde unheimlich gerne mal irgendeinen Murakami-Roman als Graphic-Novel sehen, es gibt schon sehr schön illustrierte Kurzgeschichten, aber seine ERzählungen sind teilweise so fantastisch, das würde gut passen.

    Gefällt 1 Person

  4. Den Roman „Krieg der Welten“ habe ich dieses Jahr erst gelesen. 🙂

    Die Frage ist gar nicht so einfach zu beantworten, eine Graphic Novel bietet die Möglichkeiten eine andere Interpretation zu sehen, muss sich dabei aber eben wie ein Film auf wesentliches Beschränken.
    Aber die Romane von Philip E. High, wie „Planet der Schmetterlinge“ oder „Verbotene Wiklichkeit“, wären sicher ein Augenschmaus als Comic.

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  5. Hallo! Um beim Genre zu bleiben, ich würde gerne Liu Cixins Romanreihe The Three Body Problem, bzw dessen kürzlich auf Deutsch erschienen ersten Teil Die drei Sonnen als graphic novel bestaunen. Ebenfalls ein großartiger SF Roman und sehr zu empfehlen 😉
    Liebe Grüße,
    Koliteratör

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  6. Huhu meine Feine (=
    Geliked ist der Beitrag ja längst, hab dich nun aber beim Litnetzwerk entdeckt, komme ich doch gerne nochmals für einen Kommi rum!
    Ich finde es eine wirklich wunderschöne Idee ein Buch in seinen verschiedenen Facetten, Interpretationen und Optiken (ohwei, kann man das so schreiben?) in einem kleinen Beitrag vorzustellen ❤

    Hab einen feinen Abend!

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    • Hallihallo!
      Optiken ist ein einwandfreies Wort 😉

      Eigentlich wollte ich auch nur die Graphic Novel vorstellen, dann bin ich aber über den ersten Comicband gestolpert und der Splitter Verlag war so nett, mein Vorhaben zu unterstützen. So hat man auch gleich einen Vergleich, denn ich bin mir nicht sicher, wieviele Buchhandlungen beide Versionen zur Ansicht da haben. Es hat viel Spaß gemacht und ich hoffe, dass sich sowas nochmal ergibt ^_^

      Hast du den Roman gelesen?

      Cheerio und dir auch einen zauberhaften Abend!

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      • Sehr fein, dann war ich mit dem Wort genau richtig 😉

        Wie gesagt, gerne immer so – find das total super und toll, wenn ein Verlag dies dann auch unterstützt. Bei dem Buch selbst muss ich verneinen, ich habe erst ende letzten Jahres begonnen mich mehr im Fantasy und Sci-Fi Genre umzuschauen. Mal sehen ob das Buch noch bei mir landet – oder es mein Freund nicht eh schon hier stehen hat.

        Dir ebenfalls einen zauberhaften Abend und ein mukkeliges WE!

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      • Ich muss das mukkelige WE über arbeiten 😀 Aber zum Glück ist aktuell so wenig los, dass ich nebenbei lesen kann…

        Ich hoffe, du kannst es besser zur Entspannung nutzen 😉

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