[Federlesen] „Mit den Beinen kannst du aber keine Hotpants tragen!“ – Lookism is real!

[Vorweg: Das Thema Lookismus ist so weit verbreitet und betrifft so viele Menschengruppen und gesellschaftliche Aspekte, die Auswirkungen sind so zahlreich, dass in diesem Artikel bei weitem nicht auf alles eingegangen werden kann und vieles nur angerissen wird. Essstörungen bspw. werden nicht behandelt, weil dieses Thema in sich so komplex und vor allem nicht ausschließlich auf Schönheitsideale und Lookismus zurückzuführen ist, dass dieser Artikel ihm gar nicht gerecht werden kann.
Ebensowenig gehe ich nicht auf die weiterführende Konsequenz von Lookismus, dem Bodyshaming, und der Reaktion darauf, Fett-Aktivismus und Bodypositivity, ein. Dieser Artikel soll zunächst das Problembewusstsein schärfen.]

Im Alltag, von Kindesbeinen an

„Wie kann man so gute Laune haben, wenn man so dick ist?“
„In drei Wochen 10kg abnehmen!“
„4 Wochen Workout für die perfekte Bikinifigur“
„Meinst du nicht, du solltest etwas nicht so eng Anliegendes tragen?“
„Boah, kann die ihre Dellen nicht verstecken? Muss die so einen kurzen Rock tragen?“
„Sie ist etwas pummelig, aber das verwächst sich bestimmt in der Pubertät…“
„Guck mal, so fett und dann noch einen Burger essen.“
„Guck mal, so fett, der Salat ist bestimmt nur Alibi und zu Hause gibt es dick Pizza!“

Frauenzeitschriften in einem Kiosk

Frauenzeitschriften werben auf dem Titel immer mit mindestens einem der folgenden Themen: Blitz-Diät, Notfall-Sportprogramm, Stylingtricks (oft zum „Wegschummeln“), Beautytricks, „So gefallen Sie IHM garantiert!“

Wir (1) kennen es alle: von Frauenzeitschriften und Fitnessmagazinen springen uns die Titelseiten mit neuen Blitzdiäten an, der Onkel sagt, man solle den Nachtisch vielleicht lieber weglassen, wenn man nicht aufgehen möchte wie ein Hefekloß, überall bekommen wir gesagt, wir seien nicht hübsch genug. Hübsch genug für wen eigentlich? Und wer bestimmt, was „hübsch“ und „schön“ ist? Und wieso geht man davon aus, dass ich das Gleiche auch total „schön“ finde?
Mädchen wird von Kindesbeinen erzählt, dass sie hübsch sind und im Subtext suggeriert, dass sie auch in Zukunft hübsch zu sein haben. Mädchen schenkt man noch im Kindergartenalter das erste Kinder-Make-Up (2), Jungs bekommen im Gegenzug aber nicht die ersten Kinderhanteln in die Hand gedrückt. In Drogeriemärkten sind die Abteilungen für Beautyprodukte voll mit Cremes und Shampoos und Peelings und Deos für Frauen. Die Produkte für Männer finden meist auf einem halben Regal Platz, und von der Make-Up-Abteilung will ich gar nicht erst anfangen. Ich weiß immer nicht, ob ich es amüsant oder schockierend finden soll, dass meine Schwester schon mit 12, lange bevor sie anfing sich zu schminken (und selbst heute ist das selten), ganz genau wusste, welches Produkt wofür ist, während ich bis heute mit locker 90% nichts anfangen kann und eine Wimpernzange für ein Folterinstrument aus der Hölle halte. (3)

„Aber wenn ich nicht hübsch bin mögen mich die Leute nicht.“

Es ist eine fatale Überzeugung, die Mädchen schon früh eingeimpft wird: deine Mitmenschen mögen dich nur, wenn du hübsch aussiehst, sonstige Eigenschaften sind selten relevant. Dass die Entscheidung, was hübsch ist und was nicht, nicht bei einem selbst liegt, wird verschwiegen. Und auch, dass man als Frau, egal in welcher beruflichen Position und welche Erfolge man vorweisen kann, immer zunächst auf das Äußere reduziert wird. Dass, wenn man nicht so schlank ist wie es die gesellschaftliche Norm vorschreibt, im besten Fall als „ungesund ernährt“, meistens aber als „faul“, „dumm“ und „undiszipliniert“ wahrgenommen wird. Dass bestimmte Frisuren eher mit „Hartz IV“ und damit als „asozial“ verbunden werden. Klingt scheiße? Ist es auch. Und hat einen Namen: Lookism, bzw. dt. Lookismus.

„Der Begriff Lookism benennt den Mechanismus der Hierarchisierung von Individuen auf der Basis von Körpermerkmalen, die positiv oder negativ bewertet werden und den Wert des Individuums somit steigern oder mindern können. (…)
Wir nutzen wir den Begriff, um die Normierung von Körpern und damit einhergehende Diskriminierung und Ausschlüsse zu beschreiben. In diesem Zusammenhang nutzen wir die Begriffe „schön“ und hässlich“ stellvertretend für eine Vielzahl von positiv/negativ konnotierten Wörtern, die sich auf das Aussehen des Körpers beziehen.“ (http://www.lookism.info/definition-2)

Lookismus begegnet überall und keiner von uns ist völlig frei davon. Der dauerhaften Präsentation kann man sich in der Regel nicht entziehen, denn sie springt einem nicht nur von Zeitschriftentiteln entgegen, sondern auch bspw. in der Werbung, in Fernsehsendungen und Filmen. Sich dem zu entziehen ist schwierig, wenn nicht gar unmöglich, und man hat im Grunde keine Wahl als diese Botschaften bewusst oder unbewusst zu verinnerlichen. Jede*r hat sich vermutlich schon mal Gedanken über das Aussehen des Gegenübers im Bus oder auf der Straße gemacht, oder auch von Äußerlichkeiten auf andere Aspekte eines Menschen geschlossen. Sei es aufgrund von Kleidung, Frisur, Piercings und Tattoos, oder eben Körperbau und Figur.

Lookismus trifft jede*n

Lookismus und Bodyshaming der InStyle Foto (c) @antialleslisa (14)

„Körper, die nicht fit, jung und schlank sind und nicht den Anforderungen von Flexibilität und Formbarkeit entsprechen, werden von der Gesellschaft als Problem gesehen, verachtet und abgewertet.“ (4) Wem gerade entfallen ist, wie ein der gesellschaftlichen Norm entsprechender Körper auszusehen hat, sei nochmal kurz an die eingangs erwähnten Frauenzeitschriften erinnert: „…Normkörper lassen sich als weiß, schlank, langhaarig, am ganzen Körper rasiert und able-bodied beschreiben.“ (5)

Beim Lookismus wird Intersektionalität wieder sehr wichtig, denn gerade Lookismus greift auf mehreren Diskriminierungseben Menschen an: Unter Druck gesetzt werden Frauen wie Männer, wobei der gesellschaftliche Fokus nach wie vor überwältigend auf den Frauen liegt (Sexismus; 6), doch auch Menschen mit von der Norm abweichenden Körpern (Ableism), mit bestimmten sozialen Hintergründen (Stichwort: Hartz 4; das nennt sich Klassismus), oder PoC (Person/People of Colour) und bspw. kopftuchtragende muslimische Frauen (Rassismus) werden am Normkörper gemessen.

Übrigens gilt das westliche, weiße Schönheitsideal nicht nur in den westlichen Industrienationen wie Deutschland, Großbritannien oder den USA. In manchen Ländern werden Cremes mit Bleaching Effekt verkauft, also mit solchen Substanzen, die die Haut aufhellen sollen. (7) In einigen Asiatischen Ländern ist nicht die Brustvergrößerung die beliebteste Schönheitsoperation, sondern die Veränderung des Augenlids, Double Eyelid Surgery genannt.

Woher kommen die Normen?

Eine Gesellschaft befindet sich im fortwährenden Wandel, und ebenso ihre Werte und Moralvorstellungen, Vorstellungen von möglichen/akzeptierten Lebensentwürfen, Rechtslagen ändern sich. Einflüsse zur Veränderung können aus Film und Musik kommen (aber auch erst seit dem 20. Jahrhundert), von Künstlern, Philosophen, allg. Menschen der Öffentlichkeit und Bürger(rechts)bewegungen. Die Einflüsse und Auswirkungen sind vielfältig.

Natasha Walter identifiziert in ihrem Buch Living Dolls (8) als eine Ursache für neuen Sexismus und Lookismus die Spielzeugindustrie. Sie presst Mädchen immer deutlicher von Anfang an in eine Rosa Schiene, und ist eine der Wurzeln für ein völlig aus den Fugen geratenes Körper- und Selbstbild.

„Kleine Mädchen sollen nicht nur mit Puppen spielen, sie sollen sich vielmehr nach dem Bilde ihres Lieblingsspielzeugs formen. …[In] einer undenkbaren Weise hat es das Marketing erfolgreicher Spielzeugfirmen auf geniale Weise geschafft, die Puppe und das reale Mädchen zu verschmelzen. Eine solche Verschmelzung kann bis über die Kindheit hinaus bestehen.“ (9)

Walter schlägt über die Verbindung von Schönheit mit sexueller Anziehungskraft den Bogen weiter zur Pornoindustrie, die Frauen eine falsche Unabhängigkeit und Selbstbestimmung über ihren Körper vorgaukelt.

Das sind nur zwei Wurzeln des Übels. Kapitalismus und wirtschaftliche Verwertbarkeit eines Menschen spielt ebenso mit rein wie alte, eigentlich schon überholte Traditionen und Vorstellungen wie „eine Frau hat weich, leise und hübsch anzusehen sein“. Auch Scham ist ein essentieller Bestandteil von Lookismus, Scham, die Frauen erst antrainiert und dann gegen sie verwendet wird. So schreibt Laurie Penny in Fleischmarkt:

„Frauen…fühlen sich schuldig für den Zustand ihrer Wohnungen und Häuser, ebenso wie wir uns schuldig für den Zustand unserer Körper fühlen. Wir schämen uns, wenn der Eindruck entsteht, wir hätten irgendwie die Kontrolle verloren und wären des Frauseins, wie es gesellschaftlich interpretiert wird, nicht würdig.“ (11)

Lookismus ist also auch ein Mittel, Frauen zu kontrollieren und weiter zu unterdrücken.

Bikiniworkout für Mädchen in der Bravo Girl! 7/2017

Wenn wir jetzt den Bogen zurück zu Frauenzeitschriften und ihren Crash-Diäten, Stylingtips und Sexinnovationen, „die ihn ganz sicher um den Verstand bringen“, zeigt sich auch hier: bereits für Mädchen gibt es Zeitschriften, die sich explizit auf ihr Geschlecht beziehen. (10) Es gibt Topmodel, Bravo Girl! und Mädchen, die sich bereits mit Beautytips und Mode befassen, und auch hier gibt es schon erste Diäten und Sportprogramme. Nicht dass ich mir das gleiche für Jungs wünschen würde, aber für die gleiche Altersklasse – ca. 12-18 Jahre – gibt es einfach nichts. (12) Das hört mit Mickey Maus irgendwann auf und geht wenn überhaupt mit Men’s Health ganz vielleicht weiter.

Kurz eingeworfen: Lookismus im Feminismus

Feministinnen kritisieren seit jeher gesellschaftliche Vorstellungen davon, wie eine Frau auszusehen, zu sein und sich zu kleiden hat. Das führte zum einen zu einer Art Gegenbewegung, bei der BHs als Unterdrückungsmittel des Patriarchats verbrannt und Rasur des Körpers abgelehnt wurden. Auch Make-Up oder feminine Kleidung werden auch heute noch oft als nicht oder gar anti-feministisch beurteilt, weil Frauen sich damit angeblich zum Objekt männlicher Begierde machen.
Da es aber nicht „den einen wahren“ Feminismus gibt, sondern unterschiedlichste Strömungen und Entwicklungen, gibt es auch hier bereits neue Ansätze. Diese besagen, dass eine Frau mit ihrem Körper machen kann, was sie will – und, guess what, trotzdem Feministin sein kann! Egal ob Ganzkörperrasur, Highheels und Minirock, oder unrasierte Achselhöhlen und Skaterhosen, lange Engelslocken oder Buzz Cut, oder noch ganz anders. Auch wenn das persönliche Schönheitsempfinden durch gesellschaftliche Normen und bestimmt auch durch Schönheitsideale geprägt wurde (ob durch Annahme oder Verweigerung), ist es vor allem wichtig, so abgedroschen es klingen mag, dass man sich in seiner Haut wohlfühlt. Du magst keine haarigen Beine im Sommer? Rasier sie dir oder lass sie waxen. Dir sind haarige Beine scheißegal? Dann kümmer dich nicht drum. Du liebst deine Hotpants, auch wenn du nicht bei Heidis „Määääädchen“ mitlaufen kannst? Trag sie, verdammt. Du nimmst dir morgens viel Zeit für Styling und Outfit? Mach weiter, wenn es dir Spaß macht.

Und jetzt?

Ich habe kein Fazit. Keins, das nicht völlig abgedroschen oder kitschig klingt. Ich halte Lookismus für einen der größten Mechanismen zur Unterdrückung von Frauen und langsam auch Männern, seien es Cis, Trans, LGBTS* oder ganz einfach Menschen mit nicht definiertem Geschlecht. Die Normierung von Körpern und Schönheit in jeder Lebenslage ist katastrophal, sie schadet Menschen auf lange Sicht, physisch und psychisch, nicht nur hier, sondern inzwischen überall auf der Welt.
Doch was man dagegen tun kann außer sich zur Wehr zu setzen und sich den Normen zu verweigern…ich weiß es nicht.
Ihr vielleicht?

„Die Gesellschaft muss den Hunger der Frauen anerkennen. Nicht nur unseren Hunger nach 2500 Kalorien pro Tag, die wir brauchen, um genug Energie für ein volles und interessantes Leben zu haben, sondern auch unseren Hunger nach Leben, nach Liebe, nach der Ausweitung unseres Horizontes, unseren Hunger nach leidenschaftlicher Politik, unseren Hunger danach, Raum einzunehmen und aus unserem eigenen Fleisch heraus zu leben und zu handeln. Das Grauen der Öffentlichkeit vor weiblichem Fleisch und die krankhafte Faszination der Gesellschaft für Essstörungen sind Teil der patriarchalen und kapitalistischen Kontrolle, die auf der Angst vor der körperlichen Kraft von Frauen beruht.“ – Laurie Penny (13)


Weiterführende Literatur

Diamond, Darla /Pflaster, Petra/Schmid, Lea (Hrsg.): Lookismus. Normierte Körper, Diskriminierende Mechanismen, (Self-)Empowerment, Unrast-Verlag, Münster 2017.

Gay, Roxanne: Reaching for Catharsis. Getting Fat Right (or Wrong) and Diana Speechler’s Skinny, in: dies.,: Bad Feminist. Essays, HarperCollins, New York 2014, S. 109-120.

Penny, Laurie: Fleischmarkt. Weibliche Körper im Kapitalismus, Edition Nautilus, Hamburg 2012.
Rezension zu Fleischmarkt

Walter, Natasha: Living Dolls. Warum junge Frauen heute lieber schön als schlau sein wollen, Fischer Verlag, Frankfurt am Main 2012.

Fußnoten

(1) Mit „Wir“ meine ich in diesem Artikel zunächst einmal Frauen und junge Mädchen, aber auch der Druck auf Männer und Jungs, sportlich und gepflegt auszusehen, wächst stetig und wird oft vergessen. Lookism ist im Grunde geschlechterunabhängig, bezieht sich derzeit aber immer noch häufiger auf Frauen.
(2) Ernsthaft, ich glaube nicht, dass diese Schminktasche Mädchen jenseits von 8 Jahren anspricht.
(3) Achso, die soll meine Wimpern in Form biegen? Näää, das kitzelt immer so und dann muss ich mir die Augen reiben und dann sehe ich aus wie ein Panda. Und wenn man sich das Augenlied einklemmt? DAS TUT DOCH WEH!
(4) Greif, Philippe/Sarfert, Nadine: „schau mal, klasse!“ Zur Verschränkung von Lookism und Klassismus, in: Diamond, Darla /Pflaster, Petra/Schmid, Lea (Hrsg.): Lookismus. Normierte Körper, Diskriminierende Mechanismen, (Self-)Empowerment, Unrast-Verlag, Münster 2017, S. 33.
(5) Wer, wie, was, wieso, weshalb, warum? Eine einführende Auseinandersetzung mit Lookismus und der Normierung von Körpern, in: Diamond, Darla /Pflaster, Petra/Schmid, Lea (Hrsg.): Lookismus. Normierte Körper, Diskriminierende Mechanismen, (Self-)Empowerment, Unrast-Verlag, Münster 2017, S. 12.
(6) Ein männliches, oft „altes“ Vorstandsmitglied mit deutlichem Bierbauch? Kein Problem. Aber wehe das weibliche Mitglied trägt nicht Kleidergröße 38, besser 36, und älter als 40 darf sie nicht sein, besser wäre so 35. Eine Welle sich empörender Artikel über Merkels Abendkleid zur Eröffnung der Osloer Oper wäre bei einem Bundeskanzler einfach undenkbar.
(7) Ich war 2010 für einige Wochen in Südindien. Ich habe dort zum ersten Mal eine Werbung für eine solche Creme gesehen. Ich fragte unsere Reisebegleiterin, eine Studentin aus einem College in Hyderabad, was das sei, und sie erklärte mir, dass schon viele ihrer Freundinnen solche Cremes probiert hätten, um weißer, westlicher auszusehen.
(8) Walter, Natasha: Living Dolls. Warum junge Frauen heute lieber schön als schlau sein wollen, Fischer Verlag, Frankfurt am Main 2012.
(9) Walter, Living Dolls, S. 12.
(10) Geschlecht meint hier das biologische bzw. gesellschaftlich zugeordnete. Damit soll in keinster Weise ausgedrückt werden, dass es nur das binäre Geschlechtersystem gibt.
(11) Laurie Penny, Fleischmarkt. Weibliche Körper im Kapitalismus, S. 94; Hervorhebung durch Mareike Hansen.
(12) Wer die Bravo einwerfen möchte: die ist für Jungs und Mädchen.
(13) Penny, Fleischmarkt. Weibliche Körper im Kapitalismus, S. 66.; Hervorhebung durch Mareike Hansen.
(14) Tweet von @antialleslisa

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24 Gedanken zu “[Federlesen] „Mit den Beinen kannst du aber keine Hotpants tragen!“ – Lookism is real!

  1. Für mich defintiv immer wieder einer der lesenswertesten Bücherblogs. Danke dafür!
    Was man tun kann? Früher hätte man gesagt: Bildet Banden. Aber da steckt natürlich Wahrheit drin. Alleine verbleibt man auf der Ebene der Verweigerung. Das hilft zwar (wenn man denn stark genug ist) dem eigenen Ego, ändert aber nichts an den Verhältnissen.
    Der erste Schritt ist sicherlich Aufklärung. Da bist du ja dabei. Ein nächster Schritt ist dann die Vernetzung. Gesellschaftliche Veränderungen mussten schon immer erkämpft werden. Die Herrschenden geben Macht nie freiwillig ab. Das galt für die Aristokratie genauso, wie es jetzt für patriarchale Verhältnisse gilt. Und wenn ich mir die gesellschaftliche Entwickling anschaue, die Zunahme des Chauvinismus und Maskulismus, dann kann die Vernetzung gar nicht früh genug beginnen.

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    • Bildet Banden. Das weckt Erinnerungen, denn vor nicht wenigen Jahren habe ich das selbst auch immer skandiert. Ich weiß gar nicht mehr, wann das bei mir so in den Hintergrund gerückt ist. Über das Thema Vernetzung sollte man sich mal mehr Gedanken machen, oder besser: ich. Und wenn mir was einfällt, bilde ich Banden 🙂

      Danke für den aufbauenden Kommentar!

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  2. Mal wieder ein toller Beitrag!
    Was ich zum Thema selbst nicht mitmachen noch wichtig finde: Es hilft nichts, selbst bei dem Spiel nicht mitzumachen, aber negativ über andere zu werten, die ebenso nonconformal sind (oft genug erlebt)

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    • Absolut. Feminismus ist kein Wettkampf, wer die beste Feministin ist. Permanent wird einem eingeredet, es geht nur darum die*der Beste zu sein oder zumindest besser als alle anderen. Man sollte viel mehr zusammen halten.

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  3. Du fragst was man tun kann. Vorschlag: Einfach das machen womit man sich selbst am wohlsten fühlt (wie Du ja auch schon schreibst), sich nicht verunsichern lassen von Bemerkungen anderer. Merke: Es gibt Männer, die fahren auf Achselhaare ab. Es gibt Männer, die haben lieber etwas mehr zu Anfassen (Rubensfigur war ja auch mal in). Und ganz wichtig: Vorbild sein! Selbst keinen Lookismus betreiben, sich nicht über anderer Menschen Figur auslassen sondern den Charakter anschauen. Merke: Auch Männer müssen nicht zwingend Waschbrettbauch und rasierte Brust haben, Charakter ist wichtiger.

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  4. Amen! – Das ist ein wirklich richtig guter und aufklärender Beitrag zum Thema Lookism! Danke! Und was ich auch besonders gut finde, dass du immer wieder betonst das ALLES gut ist, so wie es ist und nicht eines unter den Tisch fallen lässt oder doch schlecht redest. So Beiträge habe ich schon gesehen/gelesen, wo behauptet wird, jeder kann so sein wie er will, aber dann einige Aspekte auslässt und sich auf ein Schönheitsideal stürzt und das besonders hervorhebt, was ja eigentlich auch ein falschel Bild suggeriert…

    Was man dagegen tun könnte? Uff, eine schwierige Frage. Aber ich denke auch, dass das eigene Selbstbewusstsein zu stärken und sich selbst so anzunehmen wie man ist, schon ein richtig guter Schritt in die richtige Richtung ist. Aber auch darüber reden was Lookism ist und was der für Folgen hat usw so wie du es schon tust/getan hast, würde bestimmt auch helfen! 🙂 Und natürlich selbst gut darauf achten, dass man andere nicht aufgrund ihres Aussehens beurteilt etc.!

    LG
    Hanna

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    • Ahoi Hanna!

      Vielen Dank für deinen Kommentar. Ich versuche tatsächlich immer, alle mit ins Boot zu holen, und wenn ich weiß, dass ich nicht alle/s abdecken kann, will ich wenigstens drauf hinweisen. Es werden so oft Menschengruppen in gesellschaftlich wichtigen Diskussionen vergessen oder übergangen, das zu ändern fängt im Kleinen an.

      Liebe Grüße und ein wundervollen Wochenende,
      Mareike

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  5. Danke für diesen Beitrag! Definitiv einer der besten, den ich seit langem irgendwo gelesen habe!
    Und ich finde es super, dass du immer alle miteinbeziehst. Und es hat auch total gut getan, das zu lesen, denn ich muss mir selbst auch die ganze Zeit anhören, dass ich irgendwas nicht tragen kann, dass meine Schenkel zu fett sind, blablabla… also, danke dafür! ❤

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  6. Ich finde das wichtigste machst Du ja – und viele andere – schon: immer wieder darauf Aufmerksam machen und bei sich selbst anfangen. Dann kann sich auch langfristig etwas verändern. 🙂

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  7. Ich habe mich noch nie beeinflussen lassen, was andere sagen über mich. Ich bin normal gewichtigt und zufrieden. Ich habe auch noch nie eine Diät gemacht. Ich achte auf meine Ernährung, dass sie ausgewogen ist und damit hat sich das. Ich trinke nie Alkohol und habe nie geraucht, einfach weil es mir nicht schmeckt bzw nichts für mich ist. Ich bin glücklich mit mir. Ich schminke mich nicht und ziehe das an, was zu meinem Körper und meiner Figur passt!

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  8. Hach was soll ich sagen – du schreibst wunderbar! Leichtverständlich zu so wichtigen Themen und auch bei diesem ist es dir wieder vorbildlich gelungen!
    Mehr ist deinen Worten nicht hinzuzufügen. Du hast einen guten Einstieg bereitet, damit Menschen denen dieser Begriff bislang nichts sagte, sich damit auseinander können und ich hoffe viele lesen ihn!

    Sei lieb gegrüßt!

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  9. Hi!

    Wow, einen so tollen Beitrag hast du da geschrieben und ich denke, dass ist ein Schritt in die richtige Richtung. Aufmerksam machen und drüber sprechen.
    Ich kenne das auch ein bisschen, denn ich bin vom Hauttyp sehr hellhäutig und werde fast gar nicht braun, sondern höchstens rot und ich habe schon öfters zu hören bekommen, dass ich doch auf die Sonnenbank gehen sollte oder ob ich die Sonne überhaupt kennen würde. Gut, ich stehe da drüber und kann das aushalten, aber das ist ja auch nicht so schlimm wie manch andere Menschen bewertet werden.
    Ich kann deine Worte einfach nur so unterschreiben.

    Liebe Grüße
    Diana von lese-welle.de

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    • Jaaaa, das kenne ich! Ich habe auch so Porzellanhaut und meine Geschwister, die super schnell braun werden (ich nie) machen sich immer dürber lustig. Bei den beiden hat mich das aber tatsächlich nie gestört, weil wir uns allgemein immer aufziehen 😀 Aber von anderen fänd ich das nicht so cool. Und im Grunde ist es egal, ob es Kommentare zum Teint sind, zur Figur oder Outfit. Man weiß nie, wie sehr man damit jemanden treffen kann.

      In diesem Sinne: du bist mit deinem hellen Houttyp nicht allein, ich bleibe auch im Hochsommer kalkweiß!

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  10. Hallo,
    ein sehr gut geschriebener, richtiger und absolut wichtiger Beitrag. Ein Beitrag, den ich so gerne mal auch in einer der großen Zeitschriften oder Zeitungen hätte, btw.
    Eine Lösung habe ich genauso wenig wie du. Aufklären ist schon mal wichtig und hoffen, das irgendwann der Trend wieder zurückspringt. Teilweise sind die Auswirkungen wirklich widerlich, wie du aufzeigst.
    Als weiteren Baustein möchte ich den Beitrag auf meiner Wanderung durch die Welt der Bücherblogs verlinken.
    Grüße
    Daniela

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    • Hallo Daniela,

      ich denke nicht, dass die großen Frauenzeitschriften solche Artikel jemals abdrucken, denn dann müssten sie sich selbst kritisch unter die Lupe nehmen. Vielleicht mal in einer Art Sonderausgabe, aber das wäre heuchlerisch. In einer Ausgabe das anprangern, was man sonst selbst macht.

      Ich denke auch, dass Aufklärung ein wichtiger Schritt ist, aber es muss doch mehr geben, das man tun kann…mal gucken.

      Danke für die Verlinkung 🙂

      Cheerio
      Mareike

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  11. Was für ein unglaublich toller, gut ausgearbeiteter Artikel! Ich applaudiere dir für deine wundervoll-kritischen Worte! Und finde es super, dass du dir Zeit genommen hast einen so wichtigen Post zu verfassen. Kann ich genauso unterschreiben 🙂 Amen!

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  12. Pingback: #5 Quergelesen – Was war los in meiner Woche? | Lesen in Leipzig

  13. Pingback: [Federlesen] Das Feminismusspecial ist zu Ende, die Diskussion nicht | Die Bücherkrähe

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