[Rezension] Ronja von Rönne – Heute ist leider schlecht. Beschwerden ans Leben

Oder auch: Ey von Rönne, leg dich gehackt!


Titel: Heute ist leider schlecht. Beschwerden ans Leben
Autorin: Ronja von Rönne
Verlag: Fischer
ISBN: 978-3-596-03703-2

Ronja von Rönne schreibt seit einigen Jahren für Die Welt und für ihren eigenen Blog, in Heute ist leider schlecht gibt es eine Auswahl dieser mal mehr, mal weniger kurzen Texte. Die Grundfrage, die das Lesen dieses Buches begleitet, ist „Was ist dein Problem?“, manchmal auch „Was genau willst du mir jetzt sagen?“ Von Rönnes hochgelobter und in den Zeitungen der Republik gefeierter Schreibstil erinnert an eine Deutsch-LKlerin, die auch die AG Kreatives Schreiben belegte, ihr Weltschmerz ist wenig reifer, und ihre Lösungsansätze für eben jenen sind teilweise so naiv, zuweilen arrogant, wie sie nur von privilegierten Menschen stammen können.

Beispiele gefällig? In Draußen ist gefährlich nimmt von Rönne Triggerwarnungen und Safe Spaces auf’s Korn. Triggerwarnungen seien Dank Mainstream nur noch „Rüstung eines verunsicherten Ichs…das doch nur in Ruhe leben möchte, und dessen größtes Bedauern es ist dass der Tod einen selten warnt, bevor er eintritt.“ (S. 91) Bei Safe Spaces verkennt sie deren Notwendigkeit: „…es handelt sich dabei um abgesteckte Orte, an denen man ‚frei sprechen und handeln darf‘: Eine Absurdität, die impliziert, man dürfe das an allen anderen Orten nicht.“ (S. 91), und dreht dann den Spieß einfach um: „Irritierend ist, dass man einem solchen Raum Grenzen setzt. Denn wenn es drinnen sicher ist, sagt man auch: draußen ist es das nicht.“ (S. 91)
Liebe Frau von Rönne. Es mag sein, dass das Schlimmste, das Ihnen in Ihrer Kindheit widerfahren ist, die Partei Ihres Vaters ist und dass sie auf einem bayerischen Dorf großwerden mussten. Viele haben eine solche Bilderbuchkindheit nicht, und sind dankbar für (zugegebener Maßen gut platzierte) Triggerwarnungen oder eben Safe Places, an denen sie über Ihre Erfahrungen sprechen können, ohne von einer privilegierten Mehrheit niedergeschrien oder bedroht zu werden.

Wilde Assoziationsketten führen von „Regretting Motherhood“ in drei Sätzen zu „Wir machen einen Wettbewerb im Bereuen!“ (Regretting Everything!, S.120). Um die Bewegung „Regretting Motherhood“ geht es im Folgenden gar nicht mehr. Nichts scheint zu profan oder zu wichtig zu sein um als Stein des Anstoßes für einen neuerlichen sinnfreien Schrieb von Rönnes herhalten zu können. Dabei sage ich gar nicht, dass man sich mit all den Themen nicht auseinandersetzen darf oder soll, ob kritisch oder nicht, aber für von Rönne sind alles nur nette Aufhänger, um ihre Kolumne mit leeren Worten zu füllen.

Auch sehr geil ist ihr Lösungsvorschlag, wie man mit AfD-Demonstranten umgehen soll: man teile jedem einen Gegendemonstranten zu, sperre sie ein um sie bei Kaffee zu Gesprächen zu zwingen, solange, bis man sich versteht (S. 97). Eine wundervolle, naive Vorstellung – die ich in der 10. Klasse loslassen musste, als ich das erste Mal auf einer Anti-Nazi-Demo war und merkte: reden klappt nicht immer. Bei der AfD sind zudem selten die Rentnerdemonstranten das Problem, wie von Rönne das analysiert, sondern die AfD-Politiker, deren Nachwuchs und „Aktivisten“. Dass Höcke, Gauland und Petry beratungsresistent sind und sich jedem Gespräch verweigern, das nicht in einer Talkshow stattfindet, ist auch kein Geheimnis. Aber von Rönne lebt in ihrer rosaroten Zuckerwattewelt, in der das schlimmste schlechte Partys auf der Frankfurter Buchmesse sind.

Auf der Leipziger Buchmesse sagte sie im Interview mit der taz, dass viele nicht verstehen, dass lyrisches Ich nicht mit dem Autoren-Ich übereinstimmen müsse, und wie sehr sie das in Kritiken stören würde. Beim Lesen hatte ich das immer im Hinterkopf und versuchte gerade bei Texten, die mir sauer aufstießen, nochmal einen Schritt zurückzutreten. Funktioniert nicht, denn diese Texte (über die Triggerwarnungen, AfD, Regretting Motherhood, etc.) transportieren dennoch eine Meinung, implizieren z.B. in ihrem Text über Triggerwarnungen eine gewisse Überempfindlichkeit bei Betroffenen, und grundsätzlich ein „es könnte so einfach sein, ihr seid nur alle zu doof“.

Von Rönnes Ergüsse zu lesen ist verschwendete Lebenszeit. Es gibt weder erleuchtende Aha-Momente noch gewitzte Sprachspiele. Dafür jede Menge Minusinhalt und Aufreger über Sachen, über die man sich höchstens dann aufregen kann, wenn sonst nichts im Leben und in der Welt passiert, und man sehr, sehr viel Langeweile hat. Ich kann nicht nachvollziehen, warum sie als Nachwuchsstar junger Literatur gilt.
Umziehen ist übrigens das letzte (S. 120), denn „da bleibt keine Zeit scharfe Analysen der aktuellen politischen Lage.“ Wieso die Aufregung, Frau von Rönne, die machen Sie sonst ja auch nicht!

PS: Der Untertitel spielt auf von Rönnes Text Leg dich gehackt auf S. 120 an.

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6 Gedanken zu “[Rezension] Ronja von Rönne – Heute ist leider schlecht. Beschwerden ans Leben

  1. Ronja von Rönne ist ein gutes Beispiel für vieles was im Literaturbetrieb falsch läuft. Beziehungen zählen mehr als das Können. Schlechte Texte werden durch Werbung und Medien gehypt, damit es sich auch ja verkauft. Und was sich verkauft, muss gut sein.

    Ronja von Rönne ist eine stockkonservative und ignorante (was ja eh häufig zusammengehört) Person. Was in ihrem persönlichen Erleben nicht vorkommt, hat auch kein Existenzrecht. Realität ist, was man sich mit Geld kaufen kann.

    Sehr schöne Rezension mit einem herausragenden Satz: „Es mag sein, dass das Schlimmste, das Ihnen in Ihrer Kindheit widerfahren ist, die Partei Ihres Vaters ist und dass sie auf einem bayerischen Dorf großwerden mussten.“

    Applaus! Applaus! Applaus! (Hier einen klatschenden Kermit mitdenken)

    Gefällt 2 Personen

    • Ahoi!
      Ich kann deinen Kommentar „Was in ihrem persönlichen Erleben nicht vorkommt, hat auch kein Existenzrecht“ nur unterstreichen. Nur weil sie etwas nicht kennt, gibt es das auch nicht bzw. ist nicht witzig (ihr ist nie die Redewendung „Leg dich gehackt“ untergekommen, sie versteht sie nicht und deswegen ist sie nicht witzig o.ä.)

      Danke für den Kermit 😉

      Gefällt mir

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