[Rezension] Daniel Cole – Ragdoll. Dein letzer Tag

Titel: Ragdoll. Dein letzter Tag
Autor: Daniel Cole
Übersetzerin: Conny Lösch
Verlag: Ullstein
ISBN: 978-3-548-28919-9

Worum geht’s?

In London wird ein toter Körper gefunden, der aus Teilen von sechs verschiedenen Leichen besteht, und in einer leerstehenden Wohnung aufgehängt wurde. Kurz nach dem skurrilen Fund geht bei Hauptermittler William Oliver Layton-Fawkes‘, kurz Wolf, Exfrau eine Liste mit sechs weiteren Todeskandidaten und deren Todestag ein. Auch auf der Liste: Layton-Fawkes.

Wie war’s? Oder: „Würden Sie bitte woanders kotzen?“ (S. 25)

Ich frage mich immer wieder, warum es gerade im Thriller und Krimi Genre oft so schwer zu sein scheint, komplexe, tiefgründige Charaktere zu erschaffen, die einem nicht völlig unsympathisch sind. Auch bei Daniel Cole findet sich eine Sammlung an Klischees: die Ermittler haben mindestens Aggressions-, durchaus aber auch Alkoholprobleme, nicht nur einer ermittelt auf eigene Faust weil „die anderen ihn ja nicht verstehen“, und ein Protagonist verhält sich derart verantwortungslos und unprofessionell, dass es einen Tränen in die Augen treibt und man sich fragt, wie man ihn überhaupt zum Polizeidienst zulassen konnte. Auch die Charaktere außerhalb der Polizei sind Unsympathen vor dem Herrn. Eine Journalistin, die sich selbst immer wieder so etwas wie ein Gewissen vorheuchelt, das sie fünf Minuten später sowieso über Bord wirft. Eine Verlobte, die aus Wut über die Arbeitszeiten eines Polizisten ein Katzenbaby anschafft, obwohl ihr Göttergatte in spe eine Katzenallergie hat. Ein Chefredakteur, der wirklich jedes Klischee eines moralischen Flops in Form von Regenbogenpressenjournalismus verkörpert… Echt jetzt?
Die Ermittlungsarbeit wird detailliert dargestellt, trotzdem kommen die Ermittlungserfolge zur Ragdoll eher im Vorbeigehen, der Fokus liegt auf der Liste. Auch einige ermittlungstaktische Entscheidungen sind fragwürdig und realitätsfern.
Das Ende ist ein himmelschreiender Skandal, und wie auf eben diesem weitere Thriller dieser Reihe aufgebaut werden sollen, ohne dass das Rechtssystem endgültig in Frage gestellt wird, bleibt ein Rätsel.

Der Thriller war im Großen und Ganzen unterhaltsam, allerdings wurde das Lesevergnügen irgendwann von nahezu allen Charakteren gestört, denn bis auf Edwards, der einzig wirklich spannenden Figur dieser Geschichte, kann man sie getrost nacheinander an die Wand klatschen.

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5 Gedanken zu “[Rezension] Daniel Cole – Ragdoll. Dein letzer Tag

  1. Pingback: [Behind the Screens] #29: Action, Arschloch-Protagonisten und Satanisten | Die Bücherkrähe

  2. Ich gebe Dir Recht damit, dass man lieber ein anderes Buch lesen sollte, wenn man realistische Charaktere und gut dokumentierte und lebensnahe Polizeiarbeit haben möchte. Ich fand die Charaktere zwar überzeichnet, aber unterhaltsam und der Wortwitz hat mir richtig gut gefallen, so dass ich insgesamt zu einem positiven Urteil gekommen bin.
    Was weitere Bände angeht, so heißt die Reihe „New-Scotland-Yard“ und könnte daher auch mit völlig anderen Ermittlern weitergehen. Ich würde mich aber freuen, wenn mein Favorit Edwards wieder mit von der Partie wäre.

    LG Gabi

    Gefällt mir

    • Hallihallo!
      Es geht mir nicht um superrealistische Charaktere und lebensnahe Polizeiarbeit (dann kann ich auch Zeitung lesen :D), aber es waren einfach derart viele Überzeichnungen, das hat einfach keinen Spaß gmacht.
      Wenn auf Wolf im nächsten Teil verzichtet wird und Edwards wieder dabei ist, würde ich mir allerdings auch überlegen, den nächsten Teil zu lesen. Edwards war auch mein Liebling. Ich wusste nicht, dass die Reihe „New Scotland Yard“ heißen wird, meine letzte Info war, dass sie nach Wolf benannt wurde.

      Cheerio
      Mareike

      Gefällt 1 Person

      • Diese Serienbezeichnung ist mir anfangs auch entgangen – oder man hat sie später erst ergänzt.
        Ich kann schon verstehen, wenn für manche bei überzeichneten Figuren früher Schluss ist als bei mir, ich bin da recht unempfindlich, was das angeht. Dir hat’s den Spaß eben verdorben.
        Dann hoffen wir beide auf einen zweiten Teil mit Edwards 🙂

        LG Gabi

        Gefällt 1 Person

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