[Rezension] Michael Peinkofer – Tote Helden. Die Legenden von Astray

Titel: Tote Helden. Die Legenden von Astray 1
Autor: Michael Peinkofer
Verlag: Piper
ISBN: 978-3-492-70342-0

Worum geht’s?

Vor Jahrzehnten war Astray bedroht, doch sieben Helden opferten sich und retteten die Welt. Es kam zum Weltenbruch, einem gähnenden Abgrund, der sich quer durch Astray zieht. Während das Ostreich vereint blieb und inzwischen vom jähzornigen König Astyragis regiert wird, zerfiel das Westreich nach kleineren und größeren Kämpfen. Das Leben ging weiter, die Vergangenheit interessiert keinen mehr, und so bekommt kaum einer mit, dass sich im Abyss was tut. Nur Rayan, ein fahrender Sänger, der von den Helden der alten Zeit singt und Visionen der Zukunft hat. Er macht sich auf den Weg nach Skaradag, der Stadt des Salzes im Norden. Er hatte es lange aufgegeben, die Geschehnisse zu beeinflussen, aber die Zukunft, die ihm erschienen ist, kann er nicht hinnehmen.

Wie war’s?

Peinkofer hat eine große Welt mit komplexen Strukturen. Während im Osten des Kontinents einigermaßen Stabilität herrscht, ist der Westen zersplittert und lebt in der Angst vor den Großexekutoren, eines Ordens, der alles Magische und Übernatürliche ausrotten will. Mitten durch den Kontinent zieht sich der Abyss, ein gähnender Abgrund, bei dem keiner wirklich wissen will, was eigentlich drin ist.
Die Charaktere sind vielfältig und glücklicherweise nicht ausnahmslos männlich. Es gibt starke und schwache Frauen, welche, die gerade in einer Entwicklungsphase stecken und welche, die eher unscheinbar im Hintergrund bleiben. Vor allem Prinzessin Nyasha und Bordellbesitzerin Jennara sind spannende Charaktere, die auf vielversprechende Handlungsstränge im Folgeband hinweisen. Interessanterweise fallen manche der männlichen Charaktere dagegen recht fahl aus. Lorymar Thinkling, ein Halbling, ist zwar gewitzt und ein amüsanter Charakter, erinnert aber dermaßen an Thyrion Lannister aus A Song of Ice and Fire, dass er gegen diese Vorlage verblasst. Auch andere Figuren erinnern stark an G.R.R. Martins Epos. So gibt es am Hofe des Ostreiches einen mächtigen Eunuchen, und die Gruppe der Unsichtbaren, die sich selbst allesamt „Niemand“ nennen, erinnern an die Männer ohne Gesicht, die jegliche Identität ablegen.
Bei so einem Buch ist es klar, dass auf den ersten hundert Seiten erst die Grundlagen der Story gelegt werden müssen. Dennoch braucht „Tote Helden“ ziemlich Anlaufzeit, und bei manchen Charakteren sind die Verbindung sehr viel früher schreiend klar als sie tatsächlich aufgeklärt werden.

Insgesamt ist Tote Helden solide Fantasy, allerdings wird das Rad nicht neu erfunden und manche Aspekte erinnern schlichtweg zu deutlich an andere große Werke wie A Song of Ice and Fire oder auch Der Herr der Ringe.

Weitere Rezensionen

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4 Gedanken zu “[Rezension] Michael Peinkofer – Tote Helden. Die Legenden von Astray

  1. Hallo du Rabenartiger Vogel,
    Das Buch klingt doch erstmal gar nicht schlecht. Solider Fantasy kommt heutzutage ohnehin zu kurz. Kannst du mir noch dagen, wie du den Gewaltlevel in dem Buch einschätzt? Viel Effekthascherei oder vor allem gut nachvollziehbare Konsequenzen?
    LG Kani

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    • Ahoi Kani!

      Hm, ich kann die Gewalt immer sehr schwer einschätzen, weil ich da ziemlich abgebrüht bin.
      Im Laufe des Buches werden an ein oder zwei Stellen die Methoden der Großexekutoren geschildert, die an die Inquisition erinnern. Wirklich Gewalt wird allerdings erst am Ende geschildert (Folter, Kampfszenen). Auf einer Skala von von 1 (Pipi Langstrumpf) bis 10 (Saw) würde ich eine 5 vergeben, zumal vor allem die Story im Vordergrund steht und auch die Gewalt nicht um der Gewalt Willen eingebaut wurde 🙂
      Mir fällt gerade auf, dass das vielleicht eine gute Ergänzung zu den Rezensionen wäre, da gerade die Frage nach Gewalt immer wieder wieder aufkommt. Ich denke, ich werde das demnächst mit einfügen, ich muss mir nur eine ausgeklügelte Skala ausdenken.

      Cheerio
      Mareike

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      • Ich würde mich selbst auch nicht als zimperlich bezeichnen, eher als gelangweilt. Ich finde ein gutes Maß an Gewalt in Fantasybüchern nicht schlimm und gerade in Schlachten oder SINNVOLLEN Situationen sogar passend, wenn nicht gar notwendig.
        Was mich nervt ist eben, wenn die Protagonistin auf einem 300 Seiten Buch 4 mal FAST vergewaltigt wird und immer durch einen Zufall davon kommt und diese Zwischenfälle natürlich ohne den geringsten Gedanken daran zu verschwenden verarbeitet und übersteht. Wenn eben die Gewalt nur als Effekthascherrei im Raum steht. „Leser schocken um jeden Preis.“ Damit es „spannend“ bleibt. Oder wenn die „Bösen“ keinen Grund haben, sondern einfach nur Böse sind. „Hallo ich bin der Antagonist und ich foltere gerne Frauen und vergewaltige sie, bis sie sich selbst umbringen und das macht mich geil. Mehr Gründe brauche ich ja nicht oder?“ Das ist mir jetzt mit 2 oder 3 Reihen nacheinander passiert. Vielleicht lese ich darum derzeit so gerne Richtung Jugendliteratur.

        Alles Liebe Kani

        P.S. Kennst du die Belgariad Saga von David Eddings? Es beginnt mit „Das Kind der Prophezeiung“ Man bekommt es zwar nur noch gebraucht, und das Buch ist mittlerweile 30 Jahre alt aber die Reihe war immer eine meiner Lieblinge im Fantasy Bereich.

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      • Ich verstehe absolut, was du meinst. In diesem Fall kann ich dich beruhigen, die Gewalt in „Tote Helden“ ist immer komplett der Geschichte geschuldet und je nach Charakter unterschiedlich ausgeprägt. Sie „passt“ halt.

        Oder wenn die „Bösen“ keinen Grund haben, sondern einfach nur Böse sind. „Hallo ich bin der Antagonist und ich foltere gerne Frauen und vergewaltige sie, bis sie sich selbst umbringen und das macht mich geil. Mehr Gründe brauche ich ja nicht oder?“

        Oh, meiner Meinung nach braucht der/die/das Böse nicht immer einen Grund, böse zu sein. Und in einem Thriller um einen blutrünstigen, grausamen Serienmörder kann ich diese Art der Gewalt sogar nachvollziehen (auch wenn ich Thriller mit explizit erzählten Vergewaltigungen meide, ich kann damit nicht umgehen). In den meisten anderen Genres aber – Fantasy, Drama, Whatever – fände ich es auch deplatziert.

        Ich kenne die Reihe tatsächlich nicht. Vielleicht hat es unsere Bücherhalle noch in einem verstaubten Raum, ich recherchiere mal 🙂

        Cheerio
        Mareike

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