[On Tour] Leipziger Buchmesse 2017

Dieses Jahr war ich zum ersten Mal auf der Leipziger Buchmesse, und auch wenn ich zumindest geplant hatte, schon aus Leipzig von der Messe zu berichten (wie ich es letztes Jahr in Frankfurt gemacht habe), war das Vorhaben einfach nicht umsetzbar. Im gegensatz zu Frankfurt war ich in Leipzig nämlich jeden Abend unterwegs und bin, zurück in der Unterkunft, völlig k.o. ins Bett gefallen. Aber der Reihe nach.

Mittwoch kam ich als erste unserer Messe-WG in Leipzig an und konnte unsere Unterkunft inspizieren. Eine riesige Altbauwohnung mitten in Leipzig, und schon bald danach trudelten meine WG-Mitbewohnerinnen ein. Unter anderem waren das Suse von Literaturschock und Cindy von Piranhapudel. Mittwoch war noch nichts los, und wir haben abends erstmal ausgiebig geschnackt. Meine Messe-WG war der Hammer und tatsächlich eins meiner Messe-Highlights.

Donnerstag: Das Leben ist nicht ausgerichtet auf Menschen, die gerne lange schlafen

Donnerstag ging es endlich zur Messe. Suse hat mich im Auto mitgenommen, und schon bei der Messeeinfahrt hatte ich einen neuen Punkt für meinen Messeknigge: Wie verhalte ich mich als Autofahrer nicht wie ein Arschloch. Kaum geparkt hieß es erstmal: Pressezentrum, Pressekarte aktivieren. Danke Suse, ich wäre nämlich einfach so und völlig unbedarft auf die Messe gelatscht.

Margarete Stockowski (rechts) liest aus „Untenrum frei“, Ronja von Rönne (links) hört zu

Der erste Termin war um 11.00 am Stand der Taz: Margarete Stokowski und Ronja von Rönne, die über die Notwendigkeit von Feminismus sprachen und aus ihren beiden Büchern vorlasen. Stokowskis Buch Untenrum Frei erschien bereits letztes Jahr und erhielt einige (wohlverdiente) Aufmerksamkeit. Bei von Rönne war ich skeptisch, ihre Artikel fand ich bisher in der Regel daneben. Ihr Verhalten und vor allem ihre Aussagen auf der TAZ-Bühne änderten daran wenig. „Misanthrop zu sein ist einfach, und alles, was einfach ist, ist falsch“ ist mir als Aussage einfach zu platt und unreflektiert. Trotzdem hat sie es geschafft mich neugierig auf ihr Buch Heute ist leider schlecht zu machen, das ich bald lesen möchte.

Queenie Vera Goldstein

Später war ich mit Vera von Chaoskingdom verabredet. Wir kannten uns bis dato nur über Twitter, Whatsapp und Skype, und ich war schon ein klein bisschen aufgeregt. Erstmal musste ich allerdings unfallfrei durch die Massen, denn…damn, war das voll. Die Leipziger Buchmesse fand ich vor allem deswegen anstrengend, weil man kaum voran gekommen ist, selten in die Verlagsstände gucken konnte und allgemein sehr viel mehr Geduld mitbringen musste als in Frankfurt. Leipzig ist eben eine Publikumsmesse und Frankfurt eine Fachmesse, und an den Besucherregelungen merkt man das. Als Vera mich schließlich aufgegabelt hatte und ich einfach nicht über ihr hinreißendes Cosplay der Queenie Goldstein hinwegkam, sind wir den Rest des Tages zusammen über die Messe getigert. Wir waren auch in Halle 1, in der Comics und Mangas waren und natürlich jede Menge Cosplays. Ich war etwas überfordert, denn bisher waren Cosplay und Conventions (auf die ich ja nun auch gehe) und Buchleben einfach voneinander getrennt. Und es waren So. Viele! Mein Tag war endgültig gerettet als ich Sailor Moon Figuren sah, die ich mir zwar weder leisten kann noch will, aber Sailor Moon ist ein Manga und Anime, der für mich eine sehr emotionale Bedeutung hat. Dass die Figuren der Geschichte immer noch einen festen Platz in der Manga-Welt haben hat mich sehr berührt (ja, ich schwarze Seele hatte Pipi in den Augen).
Irgendwann musste ich mich schweren Herzens von Vera trennen, die Messe war vorbei und Suse hatte mich spontan eingeladen, abends zu einem Autorenessen mitzukommen. Das war sehr spannend, denn ich bin mit zwei Autorinnen über Triggerwarnungen ins Gespräch gekommen. Außerdem habe ich Marcel von der Deutschen Tolkien Gesellschaft kennengelernt und weil wir uns so bekannt vorkamen, haben wir gegrübelt woher wir uns kennen könnten. Schnell war klar: RingCon. HobbitCon. Meine Confamily. Die Welt ist klein.

Freitag: Kaffee gegen Menschenmassen!

Selfie, Take 2. Immerhin gucke ich nicht wie ein verschrecktes Bambi. (c) Jan Frewert

Freitag war voll, und ich war unglaublich aufgeregt weil ich so viele neue, spannende Sachen und Menschen auf dem Plan hatte.
Ein guter Messetag startet wie? Richtig, mit Kaffee. Dank Jan wusste ich, dass es im Pressezentrum kostenlosen Kaffee für akkreditierte Blogger gab, und eben dort trafen wir uns zum morgendlichen Quatschen. Auch Jan kannte ich bisher nur über Twitter, Instagram und seinen Blog. Als wir los mussten hatte ich so gute Laune (und das morgens!!), dass mir die Menschenmassen in der ersten Stunde kaum etwas ausgemacht haben. Kommt selten genug vor.
Bis zu meinem ersten Termin hatte ich noch einen Augenblick Luft und wollte durch die Hallen streifen, Verlage entdecken, Fotos machen…es war quasi unmöglich. Es war unfassbar voll, das Stöbern machte wenig Spaß und ich habe mir zum ersten Mal gewünscht, dass es in Leipzig wenigsten einen Fachbesuchertag gäbe, damit man in Ruhe alles entdecken kann. Ich muss zwischenzeitlich ziemlich gestresst ausgesehen haben, denn ein Vertreter eines Schweizer Verlages hat mir erstmal ein Stück schweizer Schokolade in die Hand gedrückt.
Schließlich stand das Dtv-Bloggertreffen für allgemeine Belletristik an. Da waren ein paar recht anstrengende Kandidaten dabei, aber Steffi und Christiane haben das ganz wundervoll gemacht. Mich hat zwar kein Buch direkt angesprungen, aber im Gespräch danach habe ich gefragt, ob es auch mal ein Bloggertreffen für Sachbücher geben könnte. Beide waren sofort begeistert, hatten sowas auch schon angedacht, waren sich aber unsicher, wie das ankommen würde. Jetzt soll es zur FBM17 vielleicht ein solches Treffen geben und ich freue mich wie ein Schnitzel.
Abends haben Vera und ich Anna abgeholt, meine Messe-Tochter, und sind mit ihr und Franzi von Büchereckenliebe essen gegangen. Es war eine kleine Odyssee, bis wir ein Restaurant gefunden hatten, das nicht völlig überlaufen war, aber das Warten war es wert. Geile Pizza, leckerer Nachtisch, tolle Gespräche… Der Abend hätte ewig weitergehen können, aber Vera und Anna mussten leider noch in einen Vorort von Leipzig.
Auf dem Heimweg merkte ich, wie sehr der Tag an meinen Nerven gezerrt hatte und war auf einmal mitten in einem Loch. Inklusive heulen. War eher ungeil, aber da kommt wieder meine Messe-WG ins Spiel. Suse hat gemerkt, dass was nicht stimmt, hat mich in den Arm genommen und meinte, wenn ich reden will, können wir reden, und wenn nicht, dann reden wir über was anderes. Das hat besser geholfen als alle Schokolade der Welt, und am nächsten Tag war alles wieder gut.

Samstag: Die Protagonistin kann ohne Sauerstoff atmen!!1!11!!!!

Samstag habe ich es etwas ruhiger angehen lassen und war erst gegen Mittag auf der Messe. War eine gute Entscheidung nach dem gestrigen Tag. Vera begleitete mich wieder eine Weile, bis ich zum Lovelybookstreffen ging. Das war recht erheiternd, denn es gab Goodiebags mit Büchern drin, und in jeder Tasche waren andere. So weit, so freudig. Es gibt allerdings genau ein Genre, dass ich nur mit spitzen Fingern anfasse und es am ausgetreckten Arm nach draußen in die Spendenbox trage: Liebesromane. Einfach nicht meins, sorry. Und was war nun in meiner Tasche? Richtig. Zwei verdammte Liebesromane. Für mich! Meine Sitznachbarin war Gott sei Dank sofort bereit zu tauschen, und ich konnte ein Buch, das im Zweiten Weltkrieg spielt, ergattern. Das andere wollte ich auch noch tauschen, allerdings fing Anna neben mir an zu quietschen, wie gerne sie das lesen möchte, und ich habe es ihr kurzerhand vermacht. Besser als bei Anna kann es keinem Buch gehen.Ich bin dann schnurstracks in die Bloggerlounge gehechtet (vom Ort des LB-Treffens so ziemlich am weitesten weg…) um dort Elif einzusammeln. Zur Erinnerung: Elif ist der zauberhafte Mensch, der mich und Pummelhorst zusammengebracht hat. Ich hatte eine Veranstaltung entdeckt, in der es um White Privilege ging, und sie wusste im Gegenzug, um welches Buch es sich handelte. Also wieder ab zur TAZ, um dort dem Interview von Mohamed Amjahid zuzuhören, der gerade sein Buch Unter Weißen. Was es heißt, privilegiert zu sein veröffentlicht hatte. Elif hatte es mir mitgebracht, damit ich es mir ausleihen konnte, aber nach 5 Minuten war mir klar: ich will das selbst haben. Mal abgesehen davon, dass Amjahid ein unglaublich sympathischer Mensch ist, hat er auf eine Art und Weise über Rassismus und White Privilege gesprochen, die mich sehr berührt hat. Vor allem aber hatte ich fast eine Nackenstarre vom ewigen Kopfschütteln, was er als Nichtweißer alles erlebt hat und immer noch erlebt. Als er am Ende des Interviews von einem Gespräch mit einer weißen Französin in Marseille erzählte, die ihm sagte, er als Marokkaner solle gefälligst dankbar sein, weil die Franzosen ihnen (den Marokkanern) Krankenhäuser und Schulen (also die Zivilisation) gebracht hätten, brach seine Stimme und er schließlich in Tränen aus. Ich bin und war nie von Rassismus betroffen, trotzdem ging mir seine Geschichte unglaublich nahe, einfach weil ich denke, dass niemand so etwas erfahren sollte. Das Gespräch hing mir noch lange nach…

Mohamed Amjahid spricht auf dem Sofa der Taz über sein neues Buch „Unter Weißen“

Abends ging es schließlich zur Dark Diamonds Party, und ich habe mich extra in Glitzerstrumpfhosen geschmissen. Eigentlich wollte ich auch mein Batmanshirt anziehen, aber ich fühlte mich an dem Tag eher wie eine Presswurst, also behielt ich mein St.Pauli-Kleid an. Das passte auch viel besser zu dem Freibier, das es dort gab. Reinkommen war allerdings schwierig, was mich und die Mädels etwas aufregte. Auf Facebook musste man sich extra anmelden, wenn man sicher kam, damit man reingelassen wurde. Wir waren kurz nach Einlassstart vor Ort und es hieß, dass erstmal keiner mehr rein könnte. Warum eine Art Gästeliste machen wenn es dann doch danach geht, wer zuerst da ist?

#CrewloveIsTrueLove

Wir kamen schließlich doch rein, und es war ein wundervoller Abend. Auf die Lesungen war ich gespannt, denn eigentlich bin ich nicht so der Jugendroman-Lovestory-Typ. Bei der ersten Lesung schienen sich auch gleich alle meine Vorurteile zu bestätigen. Die Protagonistin war trotz Dreck und Blut im Gesicht natürlich bildschön, natürlich blitzgescheit, natürlich ein Nahkampfgenie und – ACHTUNG – sie konnte sogar ohne Sauerstoffgerät in der sauerstoffarmen Atmosphäre ATMEN! Mir war zwar klar, dass ich dieses Buch niemals lesen würde, aber diese Klischees machten mich kurz sprachlos. Nun gut. Nächstes Buch. Das klang schon spannender, es ging um Hexen und Runenmagie und das will ich mir auf jeden Fall noch mal genauer angucken. Die Autorin eierte zwar ein wenig um meine Frage rum, aber es war klar, dass sie Angst hatte zu spoilern, und dann finde ich das okay. Das letzte Buch, das ich mitbekam bevor ich zu einer Verabredung musste, war für mich das interessanteste. Die Protagonistin scheint ein manipulatives Miststück zu sein, und mich würde schon interessieren, wie sie sich im Laufe der Geschichte macht. Außerdem kommt das Märchen Die Schneekönigin von Hans Christian Andersen vor, mein Lieblingsmärchen. Die Autorin war relativ jung und dieses Buch ihr Debut. Der Anfang war vielversprechend und ich bin gespannt, wie das restliche Buch wird.
Danach musste ich leider den wundervollen, alten Keller verlassen, weil ich noch eine Verabredung hatte (soviel zu „Ich blogge jeden Abend über die Messe“).

Sonntag: Die Bloggersessions…

Die Nach war…kurz. Viel zu kurz, denn erstens war Zeitumstellung und zweitens hatte ich mich am Vorabend einfach verquatscht. Trotzdem musste ich schnell den Koffer packen und dann zusehen, dass ich zur Messe kam, denn: Bloggersessions! Ich hatte nicht geplant hinzugehen, da mir der stolze Preis von 42-49€ einfach zu hoch war für die Inhalte, die geboten wurden. Allerdings habe ich bei Belle auf dem Blog ein Ticket gewinnen können, und nun freute ich mich doch sehr. Suse war da, und auch Franzi war mit von der Partie – sie hatte das andere Ticket bei Belle gewonnen. Außerdem hatte ich endlich Zeit, einen Augenblick länger mit Thomas zu quatschen (endlich jemand, der das Allan Parsons Project kennt!!) und ich habe sogar Janine von Kapriziös kennengelernt. Zur Erinnerung: Ihre Rezensionen sind die größte Gefahr für meinen Geldbeutel, weil sie zum einen ähnliche Bücher liest wie ich, und diese dann auch noch so vorstellt, dass ich sie haben muss. Bei allen Büchern, die ich bisher aufgrund ihres Blogs gekauft habe, habe ich es nicht bereut.

Andreas Platthaus bei den Bloggersessions

Back to topic! Die Sessions starteten mit einer Keynote von Andreas Platthaus, stellvertretender Feuilletonchef der FAZ. Er sprach von der Qualität der BloggerInnen, die in den letzten Jahren immer weiter zugenommen hätte, und brachte mühelos Donald Duck, Kant, Gutenberg und Mona Kasten unter. Zwei seiner Aussagen – „Wir haben einen gemeinsamen Feind: Menschen die nicht lesen“ und „von solchen Aufforderungen zur Bewertung (bei Internetdienstens) fühle ich mich immer spontanvergewaltigt“ – waren absolut grenzwertig. Allerdings überwog die Wertschätzung der Blogger und Bloggersphäre, und er mahnte, dass auch die Blogger, die ursprünglich die „klassischen“ Medien mit ihrem neuen Weg überrumpelt hätten, den Blick auf die neuen Medien und Kanäle nicht verlieren sollten.
Als erste Session besuchte ich die Rechts-Session für Blogger von Tilman Winterling, selbst Blogger und Rechtsanwalt. Ich nenne die Session auch gerne „Recht für Dumme“, denn ich habe noch nie so viel Spaß bei so etwas trockenem wie Jura gehabt – und dann noch alles verstanden. Von mir aus hätte Tilman noch eine Stunde weitersprechen können. Den Vortrag kann man übrigens hier nachhören, wie auch alle anderen Panels.

Tilman Winterling beim Panel zum Recht für Blogger

Nach einer kurzen Mittagspause mit belegten Brötchen entschied ich mich für das Panel Mehr als Bloggen, in dem Blogger zu Wort kamen, die nicht nur klassische Blogs haben. Jessy Melody hat einen Youtubekanal, Katja Murschel einen gut besuchten Bookstagram Account, und Senor Rolando einen Podcast. Ich muss allerdings gestehen, dass ich mir von dem Gespräch mehr erhofft hatte. Es war alles sehr basic, und wer schon ein paar Monate beim Bloggen dabei ist, ist mindestens schon über Booktuber und Bookstagrammer gestolpert. Im Nachhinein bereute ich es, nicht doch zum Panel von Lovelybooks gegangen zu sein.
Als Abschluss wurden 21 Wege vorgestellt, wie man als Blogger Geld verdienen kann. Da waren altbekannte Wege dabei, aber auch neue Ideen, dazu Pro und Contra Punkte. Nachlesen kann man das übrigens im dazugehörigen Artikel von Lieraturcafé.
Im Nachhinein bin ich sehr froh, das Ticket gewonnen und kein Geld für die Sessions ausgegeben zu haben. Warum? Zum einen war wirklich wenig Neues dabei, eine Veranstaltung sogar recht enttäuschend. Zudem frage ich mich, warum ich mal eben 49€ auf den Tisch legen soll, wenn die Inhalte hinterher so oder so für alle zugänglich sind (was toll ist für diejenigen, die nicht dabei sein sollten, klar), und vor allem auch der Artikel zu den 21 Monetarisierungswegen bereits vor der Veranstaltung online war. Goodiebag und die Brötchen rechtfertigen für mich nicht den Preis. Natürlich ist es eine tolle Veranstaltung, um mit anderen Bloggerinnen ins Gespräch zu kommen und sich zu vernetzen – aber dafür gibt es genügen andere, kostenfreie Veranstaltungen (wie z.B. das Literaturschocktreffen am Freitag). Ich frage mich immer noch, was genau jetzt für mich der Mehrwert wäre, hätte ich für die Sessions bezahlt…

Man sieht uns die Messetage gar nicht an… (v.l.n.r.: Franzi, Charline, Vera)

Quatsch machen geht immer

Die Sessions waren rum, und ich machte mich auf den Weg zur Bloggerlounge, Abschlussgammeln mit den Mädels. Irgendwann mussten wir alle aufbrechen um unsere Züge zu erwischen, und vor allem von Anna fiel mir der Abschied schwer. Ich wusste, dass ich sie am Hauptbahnhof nicht mehr sehen würde. Immerhin Vera, Franzi und Charline habe ich noch wieder gesehen. Wir kamen gerade von der Buchmesse, aber was machen Buchsuchtis als erstes? Richtig, den Buchladen stürmen. Ich brauchte schließlich Lesestoff für die Fahrt, denn ich hatte erstaunlich wenig Bücher von der Messe mitgenommen. Da uns auch der Magen in den Knien hing, und Charline und ich noch durch die halbe Republik mussten, sind wir noch fix was essen gegangen, bevor wir wirklich und endgültig alle Abschied nehmen mussten. Ich hasse Abschiede, vor allem wenn man weiß, dass man sich vermutlich frühestens im Oktober wiedersieht.

Back home in Hamburg habe ich am nächsten Tag dann gemerkt, dass ich wohl auch, wie viele andere, die Messeseuche mitgebracht habe. Seitdem sterbe ich vor mich hin und vermisse meine Bloggercrew.

Wart ihr auf der Buchmesse? Was waren eure Highlights? Und vor allem: wieso habe ich euch da nicht gesehen?

Eine Sache noch zu der Diskussion Cosplayer in Leipzig

Da hat ein Kommentar vom SWR hohe Wellen geschlagen, denn Cosplayer wurden im Grunde als unpolitische Blondchen – nackte Hasen eben – dargestellt, die auf der Buchmesse nicht zu suchen und mit der ach so politischen Literaturbranche wenig gemein haben.
Nun muss ich sagen: auch mir waren es zuviele Cosplayer. Nicht falsch verstehen, ich liebe Cosplays, und ich bewundere die Menschen, die da so viel Liebe, Zeit und natürlich auch Geld reinstecken. Allerdings nehmen manche Cosplays extrem viel Platz ein (Stichwort: Reifröcke, Flügel, …), manche soviel wie sonst drei Personen. Ich hätte mir tatsächlich gewünscht, dass die LBM da etwas mehr drauf geachtet hätte, denn Besucherrekorde sind gut und schön, aber von einem Cosplayer angenölt zu werden, dass man aus Versehen in seine Flügel gerannt ist weil es einfach so verdammt voll ist, ist auch nicht geil. Mal abgesehen davon, dass man sowas nicht absichtlich macht.
Trotzdem: zur Leipziger Buchmesse haben die Cosplayer schon immer mit dazugehört, und sie jetzt auszuschließen wäre völlig falsch. Auch Mangas, Comics und Graphic Novels sind Literatur und nicht zuletzt auch politisch. Ich erinnere da gerne an Sailor Moon, die in den 1990ern auftauchte und eine der ersten Mangaserien war, die vor allem starke weibliche Persönlichkeiten in den Vordergrund stellte (mal ehrlich, Tuxedo Mask war eher überflüssiges Beiwerk…), eine lesbische Beziehung (Sailor Neptun und Uranus) beinhaltete, und die mir vorlebte, wie wichtig Freundschaft ist und wie stark sie sein kann. Übrigens ganz ohne Zickenterror unter den Freundinnen.
Comics wie Calvin und Hobbes nehmen den alltäglichen Wahnsinn der Erwachsenen auf’s Korn, und wie politisch Graphic Novels sein können muss ich hoffentlich nicht erst sagen. Und wenn Menschen in Kostümen ihren Helden nahe sein möchten, warum denn verdammt nochmal nicht? Wenn ich Zeit und Geld hätte, würde ich nächstes Jahr als Sailor Saturn über die Messe hüpfen, und ihr könntet NICHTS dagegen tun!
Dass die überwältigenden Zahlen durchaus problematisch betrachtet werden kann ich dennoch verstehen. Eine Lösung wäre vielleicht, dass Cosplayer eine Cosplaykarte kaufen, die nicht mehr als das normale Ticket kostet, der Messe aber die Möglichkeit gibt, die Anzahl der Cosplayer im Auge zu haben und ggf. reagieren zu können. Dann können vielleicht nicht mehr so viele Cosplayer wie dieses Jahr auf die Messe, aber man würde sie auch nicht völlig verbannen und so das Einzigartige von Leipzig beibehalten. Und ich möchte gerne weiterhin zauberhafte Kostüme sehen oder wie in den Gesichtern von kleinen Kindern die Sonne aufgeht, weil sie mit ihrer Lieblings-Disneyprinzessin ein Foto machen können. Oder gleich mit allen.
Leipzig ist eine Publikumsmesse, und Cosplayer gehören dazu. Basta.

Was sagt ihr zu der Cosplay-Diskussion? Seht ihr Lösungswege?

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13 Gedanken zu “[On Tour] Leipziger Buchmesse 2017

  1. Wundervoller Beitrag! ❤ Ich war zwar nicht auf der Messe, aber mit solche Berichten steigert sich meine Vorfreude auf Frankfurt umso mehr! Beinahe 50 Euro für einen Event zu zahlen finde ich auch etwas übertrieben. Vor allem wenn man danach nicht schlauer weggeht und alles auch kostenlos zur Verfügung steht. Da frag ich mich auch, wie der Preis berechnet wurde.
    Ich liebe Cosplays! Ende April geh ich nach Basel an die Fantasy Con (Sowas wie die Schweizer Comic Con) und es werden hoffentlich wieder massenhaft Cosplayer anwesend sein! Ich halte mich meistens etwas schlicht, letztes Jahr ging ich als zehnter Doctor und dieses Jahr werde ich hoffentlich ein blaues TARDIS Kleid tragen, vorausgesetzt es kommt noch rechtzeitig an. Diese Con ist aber wirklich für Cosplayer gedacht und es geht um Filme, Games, Serien, Animes, Mangas, Künstler und eben Cosplays. Ich finde es zwar eine ganz coole Idee, die Manga Con mit der Buchmesse zu verbinden, da es durchaus Sinn ergibt. Aber ich kann den Ärger darum schon verstehen, schliesslich gehen einige nur wegen den Büchern und nicht wegen den verkleideten Menschen. Aber gleich zu sagen, Cosplayer könne man nicht ernst nehmen und seien eben nur nackte Hasen finde ich völlig daneben und am Ziel vorbei geschossen. Vielleicht würde es die Gemüter etwas beruhigen, wenn man die Messen "auseinander" legen würde und um ein Wochenende versetzten würde?
    Liebste Grüsse und hoffentlich bis im Oktober!
    Julia

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  2. Toller Beitrag! Danke auch für die vielen Verlinkungen, da werde ich direkt mal stöbern gehen.
    Ich fand auch, dass es sehr sehr viele Cosplayer waren. Besonders nervig war dann, wenn sie mitten in Gängen stehen blieben um Fotos zu machen, oder auf Treppen. Oder gar ganze Kloräume sperrten für einen Videodreh. Die waren ja so schon super voll und man stand ewig an.

    Liebe Grüße,
    Nicci

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  3. Danke für den Bericht, das schließt die fehlenden Messelücken bei mir 😉 Die Diskussion um die Cosplayer kann ich überhaupt nicht nachvollziehen. Als ich den swr-Artikel das erste Mal gelesen habe, habe ich gedacht: o.k., bei Bloggern würde man das jetzt „click-baiting“ nennen, da versucht jemand wieder mit einem Thema besonders aufzufallen. Denn die negativen Stimmen zu den Cosplayern und Manga-Fans habe ich in vier Tagen Messe selber von keinem Messebesucher gehört. Für mich gehört dieser Teil der Literaturlandschaft einfach zur Buchmesse dazu, schließlich haben diese Messebesucher vermutlich nicht unerheblichen zum Wachstum der Messe beigetragen. Dass in den Comic- und Mangafans auch ein riesiges potentielles Publikum für den übrigen Buchmarkt zu sehen ist, wird von den Verlagen m.E. bisher unterschätzt. Ich würde mir daher eher noch mehr Vernetzung zwischen den beiden Sparten wünschen, Schießlich sind unter den „normalen“ Messe-Besuchern inzwischen sehr viele Leser, die mit Comics groß geworden sind und die vermutlich gerne mehr über die aktuelle Szene erfahren würden, die schiere Menge an Angeboten überfordert aber den Durschnittsleser.
    Viele Grüße
    Thomas

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  4. Also ich weiß ehrlich nicht, warum du überlegt hast, ob du einen Messebericht schreiben solltest. Du hast sooooo viel Interessantes zu erzählen! Ich selbst war am Samstag auf der Messe und dachte schon, dass das eine schlechte Wahl gewesen ist, denn es waren so so viele Menschen dort. Wenn ich deinen Bericht so lese, scheint der Freitag allerdings auch nicht viel besser gewesen zu sein. Man muss sich wohl einfach damit arrangieren, dass es voll ist. Egal an welchem Tag. Ich bin auch nicht so der Typ für Massenansammlungen, aber hier mache ich doch gern eine Ausnahme.
    Von den Cosplayern fühlte ich mich nicht so gestört. Aber ich bin auch nicht so vielen begegnet, die zu viel Raum eingenommen haben. Das Treiben wird durch die Cosplayer eben einfach noch bunter und ich bin gern auch mal abseits einfach nur stehen geblieben, um zu schauen.

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  5. Vielen Dank für den wundervollen Messe-Bericht 🙂

    Zu der Cosplay-Diskussion kann ich nur sagen, dass ich es eigentlich super schön finde so viele liebevoll gestaltete Kostüme bewundern zu können. Etwas nervig wird es allerdings schon wenn alle Gänge dadurch verstopft werden und so fast kein durchkommen möglich ist.

    Vielleicht wäre ja bei einem so hohen Cosplayer-Aufkommen ein Extra Cosplay-Eingang eine Lösung?

    Liebe Grüße
    Bella

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  6. Hallo liebe Mareike,

    ein sehr lebendiger Bericht, bei dem man gern auch an seine eigenen Erlebnisse bei der Leipziger Buchmesse zurück denkt. Zum Thema Cosplayer kann ich nur sagen, dass ich bis jetzt keinerlei negative Erfahrungen gemacht habe und sie nach wie vor als Bereicherung der Buchmesse sehe. Viele stecken monatelang Arbeit in ihre aufwendigen Kostüme und die meisten wollen diese einfach nur präsentieren. Sie von der Messe auszuschließen, halte ich für das vollkommenen falsche Zeichen.

    Ganz liebe Grüße
    Karin

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    • Ahoi Karin!
      Da ich auch auf Conventions unterwegs bin habe ich notgedrungen auch schlechte Erfahrungen mit Cosplayern gemacht 😉 Allerdings ist das vollkommen normal, keine Subkultur besteht nur aus Engeln. Dis Cosplays preäsentieren zu wollen ist auch nicht das Problem, ewiglang die eh schon vollen Gänge zu verstopfen schon. Umsicht/Rücksicht ist hier das Stichwort, allerdings ist das sowohl auf Normalo- als auch auf Cosplayerseite ausbaufähig.
      Wie gesagt, ausschließen würde ich sie nicht, immerhin gehören sie seit Ewigkeiten dazu und auch mir bereiten die Cosplayer Freude. Aber ich denke, man muss die Bedinungen den aktuellen Begebenheiten anpassen.

      Cheerio
      Mareike

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  7. Liebe Mareike,

    ein schöner Messebericht. 🙂
    Es ist absolut nicht machbar, denke ich, am jeweiligen Tag auch noch die Messe zu verbloggen. Ganz zu Beginn meiner „Bloggerkarriere“ wollte ich das auch mal, aber das habe ich zum Glück schon sehr früh wieder auf Eis gelegt. 😉
    Interessante Lesungen hast du besucht. „Untenrum frei“ habe ich mir auf der Messe gekauft. Darauf bin ich auch schon sehr neugierig. Die Autorin verfolge ich schon länger über Twitter.

    Auf jeden Fall hast du eine schöne Messe erlebt, wie es sich liest. 🙂
    Kommst du im nächsten Jahr dann wieder nach Leipzig?

    Liebe Grüße
    Ramona

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    • Ahoi ^_^
      Naja, in Frankfurt letztes Jahr habe ich es ja auch jeden Tag geschafft. Allerdings habe ich da auch in Mainz übernachtet und weil es die erste Messe war, hatte ich auch abends nichts vor. In Leipzig bin ich tlw. ja direkt von der Messe zu den Abendveranstaltungen (Stichwort Dark Diamonds Party), und morgens wollte ich nur Kaffee… Ich werde aber wohl auch in Zukunft keine täglichen Berichte mehr schreiben. In Frankfurt war das noch nötig, weil es meine erste Messe war und ich u.a. durch schreiben alles besser verarbeite.
      Untenrum frei ist ein tolles Buch, vor allem wenn man erst anfängt, sich mit explizit feministischer Literatur zu beschäftigen. Ich kann dir in dieser Richtung vor allem auch Laurie Penny empfehlen, die Frau ist großartig ^_^

      Ich weiß noch nicht, ob ich wieder nach Leipzig komme. Ich fand die Messe wegen der Menschenmassen wirklich anstrengend, sogar sehr viel anstrengender als Frankfurt. Aber es ist ja noch ein Weilchen hin, und bisher stehe ich bei 70% für „Ja“. Bist du denn wieder mit dabei?

      Cheerio
      Mareike

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  8. Hallo,

    toller Beitrag ! Dein Bericht ist richtig gut und sehr ausführlich geschrieben. Schön, dass du soviel mitnehmen konntest. Ich habe nach der Messe immer irgendwie den Eindruck, dass ich gar nicht alles gesehene und gehörte verarbeiten kann, da hilft es sich die Berichte andere auch noch durchzulesen.
    Danke 🙂

    Liebe Grüße
    Sonja Béland

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