[Rezension] Ursula Poznanski/Arno Strobel – Anonym

Titel: Anonym
Autoren: Ursula Poznanski, Arno Strobel
Verlag: Wunderlich
ISBN: 978-3-8052-5085-6

Worum geht’s?

Ein Forum, in dem man Menschen, die man tot sehen will, für eine Todesliste nominieren kann. Mitglieder, die ungläubig bis begeistert über eben diese Todesliste abstimmen. Und ein Killer, für den deren Willen sein Befehl ist und das Leben in Hamburg lahmlegt.
Daniel Buchholz und Nina Salomon, Ermittler des LKA Hamburg, ermitteln mit ihrem Team auf Hochtouren und vor allem gegen die Zeit. Denn die nächste Abstimmung läuft bereits und der Killer hat seine Opfer schon längst im Visier.

Wie war’s?

Anonym ist spannend geschrieben und man kann es kaum aus der Hand legen. Die Idee, das Internet, speziell das Dark Web, als einen der hauptsächlichen Dreh- und Angelpunkte der Story und der Ermittlungen zu machen erinnert zwar ein wenig an Der Totschläger von Chris Carter, wurde aber dennoch gut umgesetzt. Außerdem führt nicht jede Spur zum nächsten Ermittlungserfolg, man spürt die Frustration der Ermittler also am eigenen Leib.
Die Handlung wird wechselnd aus den Sichtweisen der beiden Ermittler geschildert. Die Kapitel sind allerdings weder gekennzeichnet noch sind die Sichtweisen und damit die Charaktere signifikant anders, als dass man den Wechsel sofort registrieren würde. Alle sind müde, gereizt, frustriert. Warum es überhaupt zwei Sichtweisen gibt ist mir schleierhaft.
Auch die Ermittlerfiguren Buchholz und Salomon an sich sind schwer verdaulich. Vor allem Nina Salomon, die anfangs frischen Wind zu versprechen schien, wurde durch ihre Unprofessionalität zusehends unerträglicher. Auch die Reaktion ihrer Vorgesetzten auf ihre letzte Aktion ist nicht nachvollziehbar bzw. klingt unrealistisch.
Unrealistisch ist übrigens auch die Hilfe der CIA. Dass man beim BKA Amtshilfe leistet ist vielleicht noch im Rahmen des Denkbaren, aber einem LKA? Zudem ist deren Anteil an der Story derart irrelevant, dass man die beiden Agents auch hätte weglassen können. Im Nachhinein wirkt es wie eine Idee der Autoren, die nicht weiter verfolgt oder gar vergessen wurde.
Die Auflösung schließlich und der Killer sind schlichtweg unbefriedigend. Ein Thriller ist dann toll, wenn man nicht schon nach einem Drittel weiß, wer der Killer ist. Nachvollziehbar sollte es aber schon sein. Das ist nicht der Fall, und die Auflösung wirft mehr Fragen auf als sie beantwortet. Außerdem spricht es völlig gegen gewonnene Erkenntnisse während der Ermittlungen.

Insgesamt ist der Thriller packend geschrieben und ein guter Zeitvertreib. Auch die Story ist mal etwas anderes und wirft die Fragen auf, wer eigentlich Schuld an den Morden trägt und, im weiteren Sinne, wer für Aktionen die Verantwortung trägt, die im Netz ihren Ursprung haben. Ist es immer der Handelnde? Oder sind es auch Umstehende, die anfeuern, anstacheln, nichts tun? Eine interessante Frage in unserer heutigen Zeit, und die auch nach Ende des Thrillers noch nachhängt.
Wie schon erwähnt, erinnert die Story ein wenig an Der Totschläger von Chris Carter. In diesem Thriller wird zu der Frage noch eine andere Ebene eingeworfen, und wer sich für Cybercrime in Thrillern interessiert, sollte sich diesen Teil der Rob Hunter Serie auf jeden Fall zulegen.

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Ein Gedanke zu “[Rezension] Ursula Poznanski/Arno Strobel – Anonym

  1. Am Freitag habe ich das Hörbuch beendet. Es ist mit drei Sprechern realisiert, das hat mir sehr gut gefallen.
    Das mit dem CIA fand ich auch total überflüssig. Spannend fand ich es schon, die Lösung war für mich auch nicht so schlecht, Cybercrime interessiert mich.
    Am Ende haben mich eher die Gefühlswallungen der Protagonisten gestört. Ansonstn kann ich mir eine Reihe mit den beiden doch recht gut vorstellen.
    VIele Grüße
    Silvia

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