[Rezension] Katrin Bauerfeind – Hinten sind Rezepte drin

Titel: Hinten sind Rezepte drin. Geschichten, die Männern nie passieren würden

Autorin: Katrin Bauerfeind
Verlag: Fischer
Jahr: 2016
ISBN: 978-3-569-03396-03396-6

Worum geht’s?

„…am Anfang des 21. Jahrhunderts ist es immer noch komisch, eine Frau zu sein. Komisch, im Sinne von Seltsam, aber auch im Sinne von lustig.“ (S. 9)
Katrin Bauerfeind schreibt über wahre und erdachte, aber dennoch sehr mögliche Alltagssituationen, in denen sich Frauen und Mädchen öfter wiederfinden, als ihnen lieb ist. Sie redet über Frauenzeitschriften, die quasi „die Weiterführung des Schulhofs mit anderen Mitteln“ (S. 28) sind, und darüber, dass Frauen untereinander empfindlich und zickig begegnen. Es gibt natürlich auch die Feindlichkeit zwischen Frauen, aber Frau Bauerfeind hat schon recht wenn sie meint, dass sie „oft das Gefühl hatte, ich hätte zunächst einen Wunderbaum frühstücken sollen, bevor ich Kritik äußere“ (S. 21). Es scheint nur diese beiden Pole zu geben. Übrigens flunkert der Untertitel, hinten sind keine Rezepte drin, aber die letzten beiden Texte drehen sich um Köperbild und Diät. Nah genug dran ist das ja.

Katrin Bauerfeind in der Fabrik in Hamburg

Wie war’s?

Das Buch unterhält, manchmal bis zu den Lachtränen. Allerdings bleibt einem auch mal das Lachen im Halse stecken, nämlich dann, wenn Bauerfeind die Klischees reproduziert, die sie anprangern will. Vielleicht bin ich auch zu unlustig und mein Humor nicht ironieempfindlich genug um das zu verstehen, aber ich möchte auch keine ironischen Sätze lesen, dass Frauen nie das Militär erfunden hätten, weil sie nicht jeden Tag dasselbe anziehen wollen. Oder dass Weine für Männer sind wie Chinesen: ziemlich schlecht auseinander zu halten (S. 38; bei Lesung: „Sehen alle gleich aus.“) Das ist immer noch Rassismus und nicht geil. Auch nicht in ironisch.
Nun meinte mein Kumpel, mit dem ich bei der Lesung war: „Ja, aber die Bauerfeind ist ja keine Rassistin. Zwischen ihr und der AfD ist schon ein Unterschied.“ Mag sein, sie will reflektieren, was man von Hoecke nicht behaupten kann. Genau deswegen wundert es mich, so einen Satz bei ihr zu finden.
Es gab noch ein, zwei weitere Stellen, an denen ich nicht wusste ob ich lachen soll oder ob ich die Stirn kraus ziehen darf. Trotzdem ist dieses Buch wichtig. Es zieht den Feminismus aus der Spaßbremsen-Ecke und zeigt, dass man sich für Gleichberechtigung einsetzen und trotzdem lauthals lachen kann. Das bitte verinnerlichen und sich Bauerfeind antun. Ob als Buch, Fernsehshow oder Live-Lesung – egal. Die Frau kann was!

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