[Federlesen] Die Top 5 2016

Das Jahr ist fast zu Ende und ich habe die letzten Tage dafür genutzt über die Bücher nachzudenken, die ich dieses Jahr gelesen habe. Ein paar davon habe ich in den Rezensionen als Jahreshighlight beschrieben, und auch nach teilweise Monaten kann ich sagen: jupp, ich habe Recht behalten, sie sind immer noch auf den Top-Plätzen.

Jahreshighlight Sachbuch – es gibt zwei!

wp-1462817043943.jpgIch habe dieses Jahr einige Sachbücher gelesen, und lange Zeit war Ziemlich gute Gründe, am Leben zu bleiben von Matt Haig unangefochtene Nr. 1. Ich kann nicht mehr zählen, wie oft ich dieses Buch weiterempfohlen habe, sowohl an von Depression betroffene Menschen als auch an Menschen, deren Angehörige unter dieser Krankheit leiden. Es ist das erste Buch zu diesem Thema, dass nicht wehleidig und redundant ist oder sogar nur eine Aneinanderreihung von Klischees. Alles schon gelesen, alles schon dagewesen. Matt Haig lässt den Leser ziemlich tief in seine dunkle Seite hineinblicken, erklärt ungeschönt, wie sich diese Krankheit anfühlt und warum manchmal der erfolgreiche Gang zu Supermarkt ein Grund zum Feiern ist – und warum er oft einfach in einer Katastrophe enden kann. Besonders machte dieses Buch für mich auch, dass Haig seinen Weg, mit der Krankheit umzugehen, beschreibt ohne dabei andere mögliche, tlw. konträre Wege zu verurteilen. Stichwort: Medikation, ja oder nein?
Wer an Depressionen leidet, oder eine betroffene Person im Umfeld hat, aber nicht weiß, wie er damit umgehen soll: Lies dieses Buch!

wp-1481869284129.jpgKurz vor Jahresende habe ich auch endlich Vergewaltigung von Mithu Sanyal beendet. Ich tat mich damit so schwer, weil das Thema mir massiv an die Nieren geht. Ich kann ohne mit der Wimper zu zucken bildhafte Berichte über Nekrosen und Eiterabszesse lesen, blutigste Thriller und über grausame Psychopathen – bei Vergewaltigung setzt es aus. Was für mich persönlich schade ist, denn Sanyal spricht so frisch und sogar humorvoll über ein Thema, das Humor eigentlich ausschließt. Ich habe noch nie jemanden so frech und gleichzeitig so klug und unaufgeregt über dieses Thema schreiben sehen und reden hören (ich habe Mithu Sanyal auf der Frankfurter Buchmesse auf dem Blauen Sofa gesehen). Wer sich mit Rape Culture und Sexismus beschäftigt, kommt an diesem Buch nicht vorbei. Und wenn ihr die Chance habt, Sanyal über das Thema reden zu hören, dann nutzt sie.

Jahreshighlight Roman

wp-1471947942308.jpgManche erinnern sich vielleicht noch, wie hart ich mich in einen kleinen Roboter namens Tang verknallt habe, der kleinen Hauptfigur aus Der Roboter, der Herzen hören konnte. Er hat sich einfach in mein Herz gestolpert und ich freue mich so sehr, dass Deborah Install einen zweiten Teil plant. Ich vermisse die kleine Klapperkiste, und auf meiner Wunschliste für den Weihnachtsmann stand dieses Jahr neben Toothless auch ein Tang. Side Note: ich habe beide nicht bekommen, ich glaube, ich muss den alten Mann mal besuchen!

Jahreshighlight Graphic Novel

wp-1480165715763.jpgErst Ende November habe ich Albert von Sebastian Jung aus dem Mairisch Verlag gelesen. Die Rezension ist die wohl emotionsreichste in diesem Jahr, denn das Buch erinnert mich unfassbar stark an meinen Opa, meinen Lieblingsmenschen neben meinen Geschwistern. Und den ich nur noch auf dem Diebsteich, einem Hamburger Friedhof, besuchen kann. Doch auch, wenn ich diesen sehr subjektiven Aspekt versuche auszuklammern, ist diese Graphic Novel außergewöhnlich. Aufmachung, Illustrationsstil, Zusammenstellung. Die Geschichte von Jungs Großvater wird durch seine liebevolle Darstellung außergewöhnlich, auch wenn Hunderte, Tausende andere sie so oder ähnlich teilen. Albert ist ein besonderer Schatz im Graphic Novel Regal. Doch auch, wer mit diesem Genre normalerweise nichts anfangen kann, könnte Gefallen an ihr finden.

Jahreshighlight Kinderbuch

Kinderbücher findet man eher selten auf meiner Leseliste. Bestimmt wird alles gut von Kirsten Boie, Jan Birck und Mahmoud Hassanein sprang mich allerdings sofort an. Erzählt wird die Geschichte einer Flüchtlingsfamilie, die zu Hause aus der Normalität gerissen und zur Flucht gezwungen wird. Ohne Überdramatisierung wird sehr eindringlich ihr Weg nach Deutschland erzählt und die „Eingewöhnung“ in ihre neue Umgebung. Das tolle an diesem Buch: es ist auf Deutsch und Arabisch, am Ende des Buches gibt es auch ein kleines Wörterbuch, mit dem sich deutschsprachige Kinder mit arabischsprachigen rudimentär den ersten Kontakt aufnehmen und sich unterhalten können. Ich finde, dieses dünne Buch ist ein wundervolles Zeichen zur Verständigung, und es fördert das Verständnis bei Kindern für die Situation von gleichaltrigen Flüchtlingen.

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2 Gedanken zu “[Federlesen] Die Top 5 2016

  1. Huhu!
    Ja, das man nicht allzu gern ein Buch mit der Thematik Vergewaltigung liest kann ich absolut nachvollziehen! Auch ich kann wirklich üble Filme schauen, die brutalsten Thriller lesen, würde aber nicht gerade zu diesem Buch greifen … Deine kleine Zusammenfassung jedoch macht neugierig, vielleicht, irgendwann, werde ich doch zu dem Buch greifen…

    Lasse liebe Grüße da
    Janna

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    • Hallo Janna!

      ich kann das Buch tatsächlich nur empfehlen. Ich fand es unglaublich gut (deswegen ja auch in den Jahreshighlights) und finde, dass es sehr viel mehr Leute lesen sollten. Nicht nur, um bestimmte Mechanismen in der Gesellschaft zu verstehen, sondern auch Betroffene, von denen es statistisch mehr im Umfeld gibt als die meisten wissen oder wahrhaben möchten.

      Cheerio
      Mareike

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