[Rezension] Sarah J. Maas – A Court of Thorns and Roses

wp-1481190046774.jpgTitel: A court of Thorns and Roses

Autorin: Sarah. J. Maas
Verlag: Bloomsbury

ISBN: 978-1-4088-5786-1

Feyre ist die jüngste Tochter ihres Vaters und die einzige, die ihre Familie nach ihrem Fall in die Armut ernähren kann, indem sie jeden Tag in den nahen Wald zum Jagen geht. Eines Tages tötet sie einen großen Wolf, der ihr ihre eigentliche Beute weggeschnappt hätte. Dummerweise war es einer der unsterblichen Fea, die jenseits der Mauer von den sterblichen Menschen getrennt leben, und mit denen die Menschen eine blutige, hasserfüllte Geschichte verbindet. Als Strafe, ein Leben für ein Leben, muss Feyre nach Prythian, in das Land der Fae, um dort für immer beim High Lord Tamlin zu leben. Doch in Prythian ist es alles andere als Sicher, eine dunkle Macht bedroht den wackligen Frieden, und während Feyre sich in ihrem neuen Zuhause einleben muss, findet sich mitten in einem seit Jahrzehnte andauernden Konflikt wieder.

Die Story plätschert vor sich hin, zwei Drittel des Buches sind im Grunde nur Vorlauf für das letzte Drittel. Wer sich mit Märchen auskennt, werden die eindeutigen Parallelen zu Die Schöne und das Tier (oder auf Disney: Die Schöne und das Biest) auffallen. Maas hat es auf grandiose Weise geschafft, die Strukturen dieses Märchens in einer völlig neuen, anderen Welt umzusetzen und trotz der Ähnlichkeiten eine eigenständige Geschichte zu schaffen.

Das Buch braucht einige Zeit, um in Schwung zu kommen, auch wenn Feyre an sich ein spannender Charakter ist. Lange Zeit bekommt man wenig von der wirklichen Bedrohung mit, man nimmt vor allem die direkte Umgebung wahr. Und die ist voller Fae, die Feyre im besten Fall nicht wohl gesinnt sind, im schlimmsten Fall direkt töten wollen.
Doch obwohl das Buch trotz seiner bisweiligen Längen ein Pageturner ist, kann ich dieses Buch nicht ruhigen Gewissens weiterempfehlen. Nachfolgend erkläre ich warum, komme aber nicht umhin, Details der Geschichte zu verraten. Deswegen:

*** SPOILERWARNUNG! ***

Eine Sache, die ich im Laufe des Buches wirklich, wirklich gestört hat, ist die Reproduktion von Rape Culture. Bevor ich dazu komme, ein kurzer Exkurs dazu, was Rape Culture überhaupt ist und warum es wichtig ist, darüber zu reden und sich zu sensibilisieren

Crashkurs Rape Culture

Rape Culture bezeichnet eine Gesellschaft, ein soziales Milieu oder auch Gruppe, innerhalb derer sexualisierte Gewalt toleriert, geduldet, entschuldigt und/oder heruntergespielt wird. „Susann Brownmiller hatte 1975 in Gegen unseren Willen von Amerika als einer ‚rape supportive culture‘ gesprochen und sich damit auf die gesellschaftliche Haltungen bezogen, die sexuelle Gewalt trivialisieren, entschuldigen oder gar glorifizieren.“(1) In einer Rape (Supportive) Culture ist auch Victim Blaming an der Tagesordnung, was bedeutet, dass Vergewaltigungsopfer mindestens eine Teilschuld zugesprochen wird. Sei es durch die Kleidung, das Opfer trug, oder dass es sich zu nächtlicher Zeit noch auf der Straße befand, sei es Kontaktfreudigkeit, der „falsche“ Umgang von Leuten oder Freizeitbeschäftigung – all das kann dazu führen, dass dem Opfer (oft auch als Survivor bezeichnet) Mitschuld an dem an ihm begangenen Verbrechen gegeben wird. Ein Beispiel aus Berlin: „M. erzählte, was vorgefallen war, die Beamtin sagte: ‚Es ist aber auch ein komisches Hobby, nachts im Minirock durch Neukölln zu laufen, oder?‘“(2) Hier: falsche Kleidung, falsche Zeit, falscher Ort, also bist du selber schuld. Rape Culture ist nichts, was „woanders“ ist, was nur „in anderen Ländern/Kulturen“ passiert, sondern zusammen mit Sexismus etwas, das vermutlich jede Frau auf die ein oder andere Weise schon erlebt hat und/oder jeden Tag erlebt.
Rape Culture geht Hand in Hand mit Sexismus und ist etwas, das in Jugendbüchern, vor allem in solchen, die sich an Mädchen richten, nicht unkritisch reproduziert werden sollte. Wer hinsichtlich zu Seximus, Misogynie und Feminismus aktuelle und gute Bücher lesen möchte, findet in der Fußnote ein paar meiner Meinung nach empfehlenswerte Bücher.(3)

Rape Culture in ACOTAR

wp-1481190037945.jpgWährend des Frühlingsfestes Calanmai soll Feyre sich in ihrem Zimmer einschließen und erst bei Morgengrauen herauskommen. Grund: Tamlin wird in dieser Nacht seinen animalischen Instinkten folgen, sich eine Frau suchen die er begatten kann, und laut Lucien, seinem Freund, wird das nicht sehr sanft sein. Für die auserwählte weibliche Fae ist das natürlich eine große Ehre, weil königlicher Fae und so. Es folgen zwei Szenen, die beide einen (versuchten) sexuellen Übergriff darstellen.
Feyre schleicht sich trotz des „Verbotes“ auf das Fest, wird von drei Fae bedrängt und kann nur durch einen ihr Unbekannten vor dem „Spaß“ gerettet werden – vermutlich einer Vergewaltigung, denn bei diesem Fest geht es nur um Sex, die bloße Anwesenheit wird als Zustimmung gesehen, ein Nein gibt es nicht. Feyre wird von dem „Spaß“ verschont, weil ein anderer Mann sie beansprucht. (4) Lucien bringt sie ins Schloss zurück.
Dort macht sie sich nachts in der Küche etwas zu essen und wird von Tamlin überrascht, der noch „ganz animalisch“ ist und sie nach kurzer Diskussion, dass sie entgegen seinem Verbot trotzdem auf dem Fest gewesen sei und ihn ganz rattig gemacht habe, an die Wand drückt und ihr in den Nacken beißt. Es fehlt nicht viel, und Tamlin „nimmt“ Feyre – ein anderer Ausdruck fällt mir dafür nicht ein – an Ort und Stelle. Für Feyre geht das voll klar, sie findet es auch irgendwie geil, egal, dass sie einen unübersehbaren Bluterguss zurückbehält. Am nächsten Tag finden Lucien und Tamlin das alles ganz witzig, Feyre auch irgendwie. Nur ich als Leserin denke mir: ernsthaft? Das ist die Botschaft? Dass ein betrunkener Mann mich an die Wand drückt, soll erotisch sein, ich soll das toll finden? Es ist nicht im Geringsten übergriffig, sondern, mit Nomnoms Worten, „fast schon romantisch“?
„Ganz abgesehen davon ist Feyre sowieso selber schuld. Sie hat nämlich nicht auf die Männer im Buch gehört, und ist aus ihrem Schlafzimmer gegangen. Von daher ist alles, was ihr passiert ist, zum lachen. Also zumindest für die Männer. …
So hatte das Buch diese Nacht aber als nichts anderes als fast schon romantisch (immerhin wollte der Loveinterest eingetlich sie! Er hat nur eine andere genommen, weil sie nicht da war!…) beschrieben…“(5)

Auch im letzten Drittel des Buches wird es nicht besser. Feyre wird von der bösen Königin gefangen genommen und muss jeden Monat eine von drei Aufgaben erfüllen, um ihren geliebten Tamlin zu bekommen. In der Zwischenzeit ist sie die Sklavenbegleiterin eines anderen königlichen Fey, Rhysand. Dieser lässt sie jeden Abend mit Farbe bemalen und steckt sie in Kleider, die nichts der Fantasie überlassen. Auf den allabendlichen Feiern setzt er sie mit dem Fae-Wein, den Menschen nicht gut vertragen, unter Drogen und lässt sie zur Belustigung aller tanzen. Reicht eigentlich schon an Demütigung und Machtdemonstration. Allerdings zieht Rhysand Feyre auch an jedem Abend in seinen Schoß um mit ihr „rumzumachen“, sie erkennt am Morgen immer an der verwischten Farbe, wo seine Hände gewesen sind. Es kam nicht zum Äußersten, sie wird nie unterhalb ihrer Hüfte berührt.(6) Na Hallelujah, dann ist der Rest ja okay. Am Ende gibt es eine fadenscheinige Erklärung dafür, denn nur so konnte man sicher gehen, dass die böse Königin auch besiegt werden kann uswusfetcpp.

Kein empfehlenswertes Jugendbuch!

Sexuelle Belästigungen und Übergriffe sind also okay, wenn sie Mittel zum Zweck sind. Was ist das für eine Aussage, vor allem in einem Jugendbuch, das sich darüber hinaus laut deutschem Verlag an 14 Jährige wendet? Ich werde den Teufel tun und das meiner Schwester, die in die Zielgruppe passt wie die Faust aufs Auge, zu lesen geben.
Mir wurde gesagt, dass in Band 2 der Serie alles erklärt wird und wohl auch, dass das so nicht okay war. Ehrlich? Wenn dem so ist, hätte das noch im gleichen Buch richtig gestellt werden müssen, wo es noch im Kontext ist.
Ich mag die Throne of Glass Serie von Maas, jedenfalls soweit ich sie bisher gelesen habe, aber A Court of Thorns and Roses kann ich beim besten Willen nicht weiterempfehlen!

Weitere Rezensionen
Kati von Zeit zu Lesen

Franziska von Büchereckenliebe

Anna von Ink of Books

Anna von Live your Life With Books

Saskia von Who is Kafka (Achtung, spoilerfreie Doppelrezension zu A Court of Thorns and Roses und A Court of Mist and Fury)


(1) Sanyal, Vergewaltigung, Edition, Nautilus, S. 119.
(2) Margarete Stokowski, Rape Culture: Die hässliche Wahrheit, TAZ 12.01.2013.
(3) Empfohlene Bücher zur weiteren Lektüre
Mithu Sanyal, Vergewaltigung, Edition Nautilus, 2016. (Rezension folgt nächste Woche)
Laurie Penny, Unsagbare Dinge. Sex, Lügen und Revolution, Edition Nautilus, 2015.
Laurie Penny, Fleischmarkt. Weibliche Körper im Kapitalismus, Edition Nautilus, 2012.
Margarete Stokowski, Untenrum Frei, Rowohlt, 2016. (Ich bin noch am Lesen, aber Janine hat eine tolle Rezension geschrieben
(4) Kennt man auch aus einer Kneipe. „Danke, kein Interesse“ „Ach bitte, ich finde dich so toll, und…“ „Ich habe einen Freund.“ „Sag das doch.“ Der Anspruch eines anderen Mannes ist gewichtiger als das Selbstbestimmungsrecht einer Frau. Yay.
(5) Nomnom, Ich finde schon wieder ein Buch einer gefeierten Autorin voll doof, 27.08.2016.
(6) Vgl. Maas, A Court of Thorns and Roses, S. 383.

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17 Gedanken zu “[Rezension] Sarah J. Maas – A Court of Thorns and Roses

  1. Ach schade, das Ganze gibt meiner Vorfreude auf das Buch einen gewaltigen Dämpfer. Ich verstehe deine Kritik total und bin gespannt was ich davon halten werde, wenn ich es lese. Von dem was ich bisher gehört habe, hat SJM bei dieser Reihe wohl in gewisser Hinsicht versagt.

    LG
    Hanna

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    • Hallo Hanna!
      Ich habe bisher fast nur Lobhudeleien gehört, deswegen musste ich da mal Dampf ablassen. Aber du hast Recht, die Kritik diesbzgl. häuft sich.
      Tut mir leid, deine Vorfreude gedämpft zu haben, aber dieses Buch ist einfach…ein Griff ins Klo 🙁

      Cheerio
      Mareike

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  2. Hallo Mareike,

    danke. Danke für diese Rezension, die das Buch nicht nur noch tiefer in meine „Niemals!“-Ecke geschoben hat, sondern auch für die Kritik, die du offen ansprichst. Ein Punkt, den ich dazu noch ergänzen möchte: nicht nur ist die Protagonistin in dieser Darstellung selbst Schuld, der männliche Akteur kann auch nicht direkt verantwortlich gemacht werden, weil er von seiner „animalischen Natur“ getrieben wird. Ich hasse diesen Ansatz, den man übrigens auch sehr oft in der erwachsenen Urban Fantasy vorfindet. Ach, er kann ja nichts dafür, dass er sexuell übergriffig wurde, das liegt an seiner übernatürlichen Seite, die sich seiner Kontrolle entzieht. Er reagierte nur so extrem, weil sie seine Auserwählte ist. Muss man verstehen. Muss man respektieren.
    Einen Scheiß muss man.

    Viele liebe Grüße,
    Elli

    Gefällt 1 Person

    • Hey Elli,
      stimmt, den Punkt hätte ich noch besser herausarbeiten können. Werde ich vermutlich, sobald ich dazu komme den Artikel zu Rape Culture in Jugendbüchern zu schreiben (ich bin mit diesem Thema noch nicht fertig).

      Einen Scheiß muss man.

      Dem ist nichts hinzuzufügen.

      Cheerio
      Mareike

      Gefällt 1 Person

  3. Danke fürs verlinken!

    „Mir wurde gesagt, dass in Band 2 der Serie alles erklärt wird und wohl auch, dass das so nicht okay war. Ehrlich? Wenn dem so ist, hätte das noch im gleichen Buch richtig gestellt werden müssen, wo es noch im Kontext ist.“

    Das stößt mir schon die ganze Zeit auf. Jedes mal, wenn man es wagt, das Buch zu kritisieren, wird man sofort darauf verwiesen, dass man un-be-dingt den zweiten Band lesen muss, um das ganze zu verstehen.

    Das fühlt sich einfach nur so an, als hätte die Autorin das hinterher dank der Kritiker in den zweiten Band einfließen lassen, um jeder Einwendung zu entgehen. Und das offensichtlich mit Erfolg, denn die Fans springen bei jeder Erwähnung von Vergewaltigung sofort auf und verlangen von einem, dass man den zweiten Band liest, bevor man urteilt.

    Ich habe doch schon das erste Buch abgrundtief schlecht gefunden. Wieso sollte ich denn dann noch den zweiten lesen? (Und vor allem da Geld reinstecken, obwohl es mich im Grunde einfach nur anekelt?)

    Dass die meisten diese Thematik gar nicht erst in ihren Rezensionen erwähnen spricht Bände. Entweder wissen sie, dass da was nicht stimmt, könnten dann aber keine positive Rezension mehr schreiben, oder sie sehen es gar nicht erst als schlimm an.

    Und die Altersfreigabe, die jetzt schon von 12 auf 14 hochgeschraubt wurde, ist auch lächerlich.

    Man sieht schon, ich finde an dem Buch nichts positives. Wenn es in der Versenkung verschwinden würde wäre ich glücklich. Das hätte gar nicht erst in den Druck gelangen dürfen.

    Gefällt 1 Person

    • Dass die meisten diese Thematik gar nicht erst in ihren Rezensionen erwähnen spricht Bände. Entweder wissen sie, dass da was nicht stimmt, könnten dann aber keine positive Rezension mehr schreiben, oder sie sehen es gar nicht erst als schlimm an.

      Hmm, ich könnte mir auch vorstellen, dass einige es einfach nicht bemerken. Ich bin aus verschiedenen Gründen dafür sensibilisiert, andere auch. Und wieder andere haben dieses Thema gar nicht auf dem Schirm, weil sie es als normal ansehen. Das spricht Bände, allerdings für die gesellschaftliche Konditionierung.

      Die Altersfreigabe finde ich auch sehr fragwürdig. Meine Schwester fiele theoretisch, würde sie Bücher nicht so langweilig finden, genau in die Zielgruppe: 14 Jahre, selbstbewusst, und vor allem: Mädchen. Drei mal darfst du raten, wem ich dieses Buch nicht zu lesen geben werde, sollte sie mich jemals nach einem Buch fragen…

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      • Ja, das ist ja, was ich sage: Die Leute merken scheinbar gar nicht, dass da was schlechtes passiert. Oder sie erklären es sich damit, dass das halt Elfen sind, und keine Menschen. Die Autorin hätte da deutliche Worte finden müssen statt es zu romantisieren. Und das hat sie halt nicht. Was schade ist. Der zweite Band ist viel zu spät dafür.

        Mir ist klar, dass das Buch damit einen ganz anderen Ton angenommen hätte. Allerdings wäre es dadurch viel ehrlicher, interessanter, erwachsener, und vor allem gesünder gewesen.

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  4. Puh, das mit der Rape Culture wäre für mich auch ein riesen Knackpunkt, über den ich nicht hinwegsehen könnte. Ich könnte Bücher, in denen Mädchen/Frauen fast vergewaltigt werden und den Täter dann noch entschuldigen, echt in die Ecke pfeffern. Was für eine Botschaft soll hier bitte vermittelt werden?!
    Ich fand schon den ersten Throne of Glass nicht besonders gut und langsam glaube ich, die Autorin ist generell nix für mich. Danke für die „Warnung“!

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    • Naja, es kommt drauf an. Dass Täter in Schutz genommen werden ist Realität, die auch in Büchern widergespiegelt werden sollte – nur eben nicht als das Nonplusultra.

      Die Throne of Glass Serie mag ich eigentlich, allerdings bin ich gespannt, wie ich die letzten Bände, die ich immer noch nicht gelesen habe, erleben werde. Ich bin dank ACOTAR bei Maas jetzt auf der Hut…

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  5. Hey Mareike,
    vielen Dank fürs verlinkten! Wie du sicher bemerkt hast, habe ich eine sehr gute Rezension zu dem Buch geschrieben und die beinahe Vergewaltigung und die sexuellem Übergriffe seitens Rhysand nicht erwähnt. Es gibt für diese Taten keine Entschuldigung und es ist auch nicht gut, dass die Autorin es auf diese Weise herunterspielt, vor allem weil es ein Jugendbuch ist und man bei solchen Büchern einfach sehr vorsichtig sein muss, was man jungen Menschen vorsetzt.
    Mich hat das auch gestört und trotzdem hat das Buch mir gefallen… habe bisher noch nicht gehört, dass es eine Erklärung in Band 2 geben soll und bin von dieser Art der Lösung überhaupt nicht überzeugt.
    Dafür gibt es keine Erklärung und basta.

    Liebe Grüße!
    Anna

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    • Hallo Anna!
      Ja, ich habe bemerkt, dass du eine sehr gute Bewertung geschrieben hast. Mich hat das deswegen nicht von einer Verlinkung abgehalten, weil meine Meinung keine allgemeingültige Wahrheit ist und andere Wahrnehmungen auch wichtig sind.

      Cheerio
      Mareike

      Gefällt 2 Personen

  6. Da ist sie ja, die Rezension!

    Ja, jetzt erinnere ich mich auch wieder … Die Fest- und Tamlin-Szenen hatte ich völlig vergessen. Es ist natürlich keine adäquate „Entschuldigung“ für die Beschreibung dieser Übergriffe, doch Maas stellt die Fae allgemein als sehr animalisch dar. Vermutlich habe ich die Szenen beim Lesen daher anders wahrgenommen (denn anders als andere Leser sehe ich diese Nähe zum Tier nicht als Scheinargument, und zusätzlich waren alle Frauen, wie man gerechterweise sagen muss, freiwillig bei diesem Fest, und Feyre verliebt sich freiwillig in Tamlin, da ist kein Zwang, es geschieht nicht gegen ihren Willen, anders natürlich als bei den Szenen mit Rhysand, die jedoch, wie bereits öfter gesagt – und kritisert – wurde, im zweiten Band thematisiert werden) – sie zeigten für mich die unberechenbare und grausame Natur der Fae und eben auch, dass ihre Gesellschaft völlig anders funktioniert als unsere moderne, die ganz andere Moralvorstellungen hat. Ich weiß nicht, inwiefern Maas das Ganze beim Schreiben bewusst war und ob sie damit indirekt Kritik üben will oder es schlicht und ergreifend nicht bemerkt hat. Dass das Ganze so romantisiert und erst im zweiten Band auf einer anderen Ebene thematisiert wird, ist problematisch. Allerdings könnte man darin auch eine Entwicklung von Feyres Charakter sehen – das naive Mädchen erkennt, dass da etwas nicht stimmt, auch wenn das für viele Leser im zweiten Band zu spät kommt. Es kommt immer darauf an, wie man ein Buch liest, und ich kann deine Argumentation nachvollziehen.

    Meiner vierzehnjährige Tochter würde ich das Buch auch nicht empfehlen, zumal ACOTAR und ACOMAF zum Genre New Adult und nicht Young Adult gehören, und ältere Leser gehen ja ganz anders mit so etwas um als jüngere, leichter beeinflussbare Leser, die eventuell annehmen, dass derlei „Praktiken“ völlig okay sind, wenn sie so selbstverständlich in Jugendbüchern vorkommen.

    Zu Ellis Kommentar: „Ach, er kann ja nichts dafür, dass er sexuell übergriffig wurde, das liegt an seiner übernatürlichen Seite, die sich seiner Kontrolle entzieht. Er reagierte nur so extrem, weil sie seine Auserwählte ist. Muss man verstehen. Muss man respektieren.
    Einen Scheiß muss man.“

    Natürlich muss man das nicht verstehen und respektieren! Ich kann mich gerade nicht erinnern – wird das im Buch gefordert? Dass man das Ganze derartig moralisch entschärft? Jetzt bin ich glatt versucht, noch mal zum Buch zu greifen und mich in die Szenen einzulesen, um herauszufinden, wie genau es beschrieben wird. Mach ich vielleicht nachher mal!

    Liebe Grüße

    Saskia

    Gefällt mir

    • Hallo Saskia
      Wow, was für ein Text 😀

      Maas stellt die Fae auf der einen Seite sehr animalisch dar, dann auch wieder sehr zivilisiert. Die Geschichten in der Menschenwelt über sie scheinen selbst Feyre übertrieben.
      Bei dem Fest sind zwar alle Frauen freiwillig, dass Feyre aber aufgrund ihres Menschseins eher als Freiwild angesehen wird, wird in der Situation mit den drei Fae deutlich, die sie nicht gehen lassen wollen. Erst als Rhys, ein höherer Fae, Anspruch erhebt, lassen die drei ab. Von Freiwilligkeit kann da nicht die Rede sein, denn Feyres Wohlergehen hängt einzig von Rhysands Entscheidung ab, sie gehen zu lassen.

      Sorry, aber eine kritische Aufklärung der Rhysand-Szenen und vielleicht auch der anderen erst im zweiten Band ist meiner Meinung nach inakzeptabel! Es hätte keine superlange Erklärung in Band 1 geben müssen, einfach nur ein paar Zeichen, dass das so, wie mit Feyre umgegangen wird, einfach nicht okay ist.
      Und ja, Tamlins Verhalten wird mit seiner animalischen Seite entschuldigt. Ob kurz davor, während der nächtlichen Szene oder danach beim Frühstück weiß ich nicht mehr. Aber aufgrund des Zaubers des Frühlingsfestes kommt eine bestimmte Seite von Tamlin zum Vorschein, die er nicht kontrollieren kann – und weil Feyre gewarnt wurde, ist sie für alles, was passiert selbst schuld.

      Auch, wenn es Fae sind, die boshafter und brutaler sein sollen als Menschen, zumindest an Tamlins Hof haben sie sich verdammt zivilisiert gegeben, was sie für den Leser nicht mehr unbedingt als die Monster erscheinen lässt, die sie sein sollen. Wären die Fae wirklich als so brutal dargestellt, wie sie sein sollen, damit die sexuellen Übergriffe als das grausame Verhalten von Monstern eindeutig zu erkennen sind – okay. Immer noch nicht Bombe, aber nachvollziehbar. Sie sind aber nicht so dargestellt, sondern eher ein bisschen wie die Einwohner des Capitols: etwas überdreht mit korrumpierten Moralvorstellungen, aber irgendwie immer noch Menschen. Mit Zusatzfeatures. Versteht du, was ich meine?

      „Meiner vierzehnjährige Tochter würde ich das Buch auch nicht empfehlen, zumal ACOTAR und ACOMAF zum Genre New Adult und nicht Young Adult gehören, und ältere Leser gehen ja ganz anders mit so etwas um als jüngere, leichter beeinflussbare Leser, die eventuell annehmen, dass derlei “Praktiken” völlig okay sind, wenn sie so selbstverständlich in Jugendbüchern vorkommen.“
      Da bin ich voll bei dir. Die Altersvorgabe ist eine Fehleinschätzung, ich bin wirklich am Überlegen, ob ich denen schreibe. Ich würde es eher in die Altersgruppe von 50 Shades of Grey packen, das man auch nicht seiner 14jährigen Tochter geben würde.

      Ich bin inzwischen sehr gespannt, wie der zweit Teil wird. Ich werde den zwar erst ab übernächster Woche weiterlesen können, aber auf die „Auflösung“ bin ich inzwischen echt neugierig 😉

      Hab ein zauberhaftes Wochenende,
      Mareike

      Gefällt mir

  7. Servus liebe Mareike,
    erst einmal ein herzliches Dankeschön fürs Verlinken – auch wenn meine Rezension in einem starken Kontrast zu Deiner steht 😉

    Ich finde es sehr interessant, wie Du das Thema aufbereitet und angehst – mit einem völlig anderen Blickwinkel. Ich verstehe Deine Argumentation und kann Deine Sichtweise nachvollziehen … auch wenn ich so nicht übereinstimme. Das Prinzip Rape Culture verstehe ich und daher auch Deine Begründung … ich sehe es in diesem Fall allerdings nicht so, da für mich die Fae in ihrer Art und Beschreibung tatsächlich etwas sehr animalisches haben und ja auch gesagt wird (wie Du auch schreibst), dass Tamlin zu diesem Fest seine wilde Seite nicht kontrollieren kann und es wird ja auch gesagt, alle sind absolut freiwillig da.
    Vielleicht hätte Maas es weniger naiv darstellen und die Übergriffe Tamlins stärker im Nachhinein sanktionieren können … aber ich sehe nicht den Anlass in die Szenen mehr hineinzuinterpretieren, denn dann dürfte ich noch viel weniger Game of Thrones lesen oder schauen. Dagegen ist ACOTAR ein Buch für Mauerblümchen.

    Ich persönlich trenne beim Lesen sowieso extrem zwischen den Welten – und in ACOTAR gehören die Verhaltensweisen für mich zum Weltenbau und sind der unseren (auch wenn Fae sonst „human“ wirken mögen) Kultur nicht gleichzustellen. Ich kenne keine jahrhunderte alten Krieger in meiner Welt 😉 … somit sehe ich auch keine „Gefahr“ in der Darstellung etwas zu Verschönen oder zu zu Romantisieren, da es ein abgeschlossenes Universum ist und ich nichts für mein Leben daraus mitnehme, außer Spaß an Abenteuern beim Lesen zu haben und vom stressigen Alltag abzuschalten … Vielleicht auch naiv aber meine ganz persönliche Einstellung.

    Ich stimme allerdings bei der Altersfreigabe zu. ACOTAR geht grad noch aber ACOMAF ist eindeutig New Adult und nicht Young Adult.

    Fazit: ich finde es immer wieder spannend, wie man Bücher und deren Inhalt unterschiedlich wahrnehmen kann und lese sehr gerne Rezensionen wie Deine, ermöglichen sie mir doch, gelesene Bücher einfach mal aus einem ganz anderen Blickwinkel betrachten zu können!

    Viele liebe Grüße & noch einen schönen Abend
    Kati

    Gefällt 1 Person

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