[Rezension] Anna Pfeffer – Für dich soll’s tausend Tode regnen

wp-1475061417819.jpgTitel: Für dich soll’s tausend Tode regnen
Autorin: Anna Pfeffer (Ulrike Mayrhofer und Carmen Schmit)
Verlag: CBJ
Jahr: 2016
ISBN: 978-3-570-17155-4
Wertung: 4/5

Emi musste vor kurzem gezwungener Maßen nach Hamburg ziehen. Ihr Vater hat dort eine neue Praxis aufgemacht, bringt jetzt eine neue Freundin mit nach Hause, Emi muss an eine neue Schule und überhaupt ist „neu“ derzeit das nervigste Wort in ihrem Leben. Nervig sind auch die Menschen um sie herum, aber wie gut, dass sie denen in Gedanken die skurrilsten Todesarten an den Hals wünschen kann. Keiner ist vor ihr sicher, weder der Fußgänger im Park noch ihr Lehrer oder die Klassenoberzicke. Schließlich gerät sie mit Erik aneinander, der sich ihrer Meinung nach für den Obermacker hält, sie aber gar nicht einsieht, nach seiner Pfeife zu tanzen.
Schließlich jagen die beiden aus Versehen fast das funkelnagelneue Chemielabor in die Luft und müssen fortan zusammen Strafdienst schieben. Um sich gegenseitig das Leben zur Hölle zu machen, stellen sie sich gegenseitig fiese Challenges – und wer kneift, muss den restlichen Strafdienst alleine verrichten…

Als ich Monas Rezension auf Tintenhain zu dem Buch las war klar: ich muss es lesen. Egal, dass es ab 12 und damit ein Jugendbuch mit verdammt junger Zielgruppe ist, und egal, dass mein aktueller Lesestapel sechs (!) Bücher umfasst. Letztes Wochenende musste ich gleich zweimal ausnüchtern, und dafür war diese leichte, erheiternde Lektüre perfekt.

Ich musste mich während des Lesens ein paar Mal erinnern, dass es ein Jugendbuch sein soll, denn manchmal habe ich mir bei den Handlungen der Charaktere an den Kopf gefasst. Behält man aber im Hinterkopf, dass Emi 14, 15 Jahre alt sein dürfte, passt alles zusammen.
Emi ist eine Außenseiterin. Sie will auch nicht dazugehören, denn die meisten ihrer Mitmenschen gehen ihr gehörig auf den Keks. Sie sammelt lieber verrückte Todesarten in ihrem Schwarzen Buch, und ihre Klassenkameraden und Lehrer erträgt sie vor allem dadurch am besten, dass sie sich Todesarten für sie ausdenkt. Vor allem aber reagiert sie auf die neue Freundin ihres Vaters allergisch. Sie wird patzig bis unfreundlich und verlässt auch mal die Situation, nicht ohne vorher einige Breitseiten zu verteilen. Diese Charakterzüge und Verhaltensweisen sind den Autorinnen hervorragend gelungen, sie sind durch und durch authentisch. An einer Stelle beschreibt Emi, dass sie sich fühlt wie ein Baum, der einfach verpflanzt wurde, egal ob sie wollte oder nicht. Sie ist mit den ganzen neuen Situationen oft einfach überfordert, und ihr Vater ist keine große Hilfe.
Erik ist ähnlich gestrickt wie Emi, allerdings ist lange nicht klar, warum er sich von allen anderen fern hält und außer triefendem Sarkasmus nichts für andere über hat.
Die beiden Protagonisten ergänzen sich ausgezeichnet und entdecken, dass man auch zusammen sarkastisch sein kann um das gemeine Leben zu ertragen.

Zwei Kritikpunkte gibt es dennoch. Emi lernt eines Tages ihre Mitschülerin Toni besser kennen, die reden kann wie ein Wasserfall, und für die Punkt und Komme gut gemeinte Ratschläge sind aber nicht verpflichtend. Sie bemüht sich um Emi und ihre Freundschaft. Emi allerdings ist oft ähnlich abweisend zu ihr wie zu allen anderen, obwohl sie Toni eigentlich mag. Ein anderes Mal nutzt sie Toni fast hemmungslos als Informationsquelle aus. Was Freundschaften angeht hat Emi an manchen Stellen Nachilfebedarf!
Die neue Freundin von Emis Vater ist allem Anschein nach Veganerin. Aber ernsthaft, musste sie als derartig öko und gesundheitsfanatisch dargestellt werden? Ich war selbst mal Veganerin, und ich habe mich in dieser Darstellung null wiedergefunden.

Insgesamt ist Für dich soll’s tausend Tode regnen eine kurzweilige Lektüre, die natürlich für Jugendliche hervorragend eignet, aber auch (junge) Erwachsene schmunzeln lässt.
Ich hoffe, mehr von diesem Autorinnenduo zu hören, denn so frische Jugendbücher, vor allem mit dem schwarzen Humor, ebraucht die Welt.

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5 Gedanken zu “[Rezension] Anna Pfeffer – Für dich soll’s tausend Tode regnen

  1. Hui, das klingt ja echt gut. Die positiven Meinungen zu dem Buch häufen sich -ich glaube, es wird nicht mehr lange dauern, bis es auch bei mir einzieht. 🙂
    Danke für die schöne Rezension.
    Liebe Grüße

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  2. Schön, dass dir das Buch gefallen hat! Hat Toni nicht im Grunde auch Emi ausgenutzt, indem sie Erik brühwarm alles über Emi erzählt hat, was sie wusste, bloß weil sie geschmeichelt war, dass er überhaupt mit ihr geredet hat. Auch nicht die wahre Freundschaft. 😉

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    • Da hast du natürlich Recht mit Toni, das fand ich auch nicht korrekt. Zwischen den beiden hakt es noch ein wenig, da müssen sie noch etwas üben. Und ich mochte Toni trotz allem, möchte ich an dieser Stelle mal sagen, unter anderem auch, weil ich wie sie reden kann wie ein Wasserfall 😀

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  3. Pingback: Was war los im September? | Die Bücherkrähe

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