[Rezension] Barbara Dribbusch – Schwattwald

wp-1474481286662.jpgTitel: Schattwald
Autorin: Barbara Dribbusch
Verlag: Piper
Jahr: 2016
ISBN: 978-3-492-30789-5
Wertung: 3/5

Als Anne, ihres Zeichens erfolgreiche Journalistin in Hamburg, nach Innsbruck fliegt um sich um den Nachlass und die Beerdigung ihrer Großmutter zu kümmern, erwarten sie neben einem Hund einige Familiengeheimnisse. Gut versteckt findet sie die Tagebücher ihrer Großmutter, in denen sie von ihrem Aufenthalt im Nervensanatorium Schattwald während des Krieges erzählt. Gebannt liest Anne darin und wird das Gefühl nicht los, dass Schattwald auch Schatten in die Gegenwart wirft

Der Roman wird aus zwei Perspektiven erzählt. Einmal von Anne, die aus der Ich-Perspektive die Vorkommnisse der Gegenwart schildert. Zum anderen aus der Sicht Charlottes, allerdings nicht, wie man bei Tagebüchern erwarten würde, in der 1. Person, sondern in der 3..
Der Teil Charlottes, der von ihrer Zeit in Schattwald handelt, ist spannend geschrieben. Man bekommt ein Gefühl dafür, wie psychisch kranke Menschen behandelt zu dieser Zeit wurden. Anhand des Chef- und des Assistenzarztes sieht man zwei grundverschiedene Einstellungen gegenüber Menschen. Während für den einen der Wert und das Leben eines Menschen unantastbar sind, ist der andere ein überzeugter Nationalsozialist und hat die Propaganda des psychisch Kranken als „Volksschädling“ voll verinnerlicht.

Die Gegenwart wirkt dagegen nur konstruiert spannend. Ann ist als Protagonistin nicht direkt unsympathisch, aber eben auch keine. Die ich mir als Vorbild wünschen würde. Ihr Selbstwertgefühl ist stark von der Anerkennung und Zuneigung anderer Männer abhängig, was sie zwar regelmäßig einsieht und an sich bemängelt, aber nicht davon abhält, jedes männliche Wesen auf einen Erotikfaktor abzuklopfen.
Außerdem macht sie einem anderen Charakter im Buch immer wieder deutlich, dass sie im Gegensatz zu ihm Intuition nicht für eine Illusion hält – sie handelt aber sehr wenig danach bzw. sogar gegen dagegen, und das nur aus Bequemlichkeit .Ihre Handlungen wirken insgesamt naiv und nicht sehr durchdacht. Wie diese Frau es zur Ressortleiterin einer Zeitschrift gebracht hat, ist mir schleierhaft.
Natürlich kann man entgegnen, dass es solche Frauen zu Hauf gibt, und warum sollte eine solche nicht der Hauptcharakter eines Romans sein? Weil es für diese Story und diese Art von Roman nicht passt.

Eine andere Sache, die zuweilen störte, war die permanente Wiederholung des Aussehens eines Nebencharakters. Betont wurde immer das selbe äußerliche Merkmal, und es war kein Stilmittel, vielmehr wirkte es, als hätte die Autorin vergessen, dass sie dieses Detail bereits mehrfach beschrieben hat.

Der Roman liest sich trotz dieser Kritikpunkte flott von der Hand und ist für zwischendurch eine spannende Lektüre.

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4 Gedanken zu “[Rezension] Barbara Dribbusch – Schwattwald

  1. Ich habe kürzlich schon eine Rezi gelesen, die an „Schattwald“ auch diverses zu bemängeln hatte. Deine Rezension vermittelt mir auch einen guten Eindruck vom Buch, das wohl eher nichts für mich ist.

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  2. Pingback: Was war los im September? | Die Bücherkrähe

  3. Das Buch klingt trotz der erwähnten Kritikpunkte ganz interessant.
    Ich hab grad auch gesehen, dass es sogar als Hörbuch erschienen ist und schon ist es auf der Wunschliste.
    Liebe Grüße
    Ela

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    • Cool, dass ich dich neugierig machen konnte 🙂 Nur, weil ich es eher semi fand heißt das ja nicht, dass es anderen genauso gehen muss. Ich hoffe, du bekommst es bald und wünsche viel Spaß!

      Cheerio
      Mareike

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