HFF: 1. Indiebooknight

Indiebooknight 2016
15.09.2016, 19.00
Cap San Diego, Luke 4

wp-1473971299541.jpgAuf der 1. Indiebooknight im Rahmen des Harbour Front Literaturfestivals stellten sich vier unabhängige Verlage vor:
Daniel Beskos, Mairisch Verlag aus Hamburg
Selma Wels, Binooki aus Berlin
Jörg Sundermeier, Verbrecher Verlag aus Berlin
Leif Greinus, Voland & Quist aus Dresden/Leipzig

Die Moderation übernahm Stefanie Ericke, ebenfalls vom Mairisch Verlag, auf dessen Konto sowohl Indiebooknight als auch Indiebookday gehen.
Es ist schwer, die Eindrücke des Abends in einem vernünftigen Zusammenhang wiederzugeben, deswegen reihen sich hier nur einige Impressionen aneinander.


wp-1473972447487.jpgLocation
Ich liebe den Hamburger Hafen, Schiffe und fließende Gewässer beruhigen mich, was auch daran liegen kann, dass ich aus einer Seefahrerfamilie komme. Zum Auftakt des Harbour Front Festivals war die Cap San Diego natürlich perfekt geeignet, und da die Sonne vom wirklich kitschig-blauen, wolkenfreien Himmel schien, konnte die Decke der Luke 4 geöffnet werden. Die Veranstaltung war damit semi-open-air. Bei der drückenden Hitze war das ein Segen, und mit den gekühlten Getränken wurde es richtig angenehm.
Der Rückweg führte wieder über die Überseebrücke ans Ufer, vorbei an beleuchteten Schiffen. Man hätte keine bessere Location als das alte Schiff wählen können.


Start
Zunächst erzählten Leif Greinus und Jörg Sundermeier von ihrer Arbeit in der Kurt-Wolff-Stiftung, die kleine, unabhängige Verlage unterstützt. Sundermeier fasste zusammen: „Aktuell machen wir auch böse Lobbyarbeit. Wir versuchen mit Politikern zu mauscheln, was bedeutet, sie mauscheln nicht zurück.“


Lesung
Stevan Paul las aus seinem Roman Der Große Glander vor, einem Roman über einen Künstler, der auf einmal verschwindet, und einen Journalisten, der sich Jahre später auf die Suche nach ihm macht. Er landet u.a. bei Glanders altem Kunstlehrer, der ihm von dessen Zeit als Schüler erzählt. Besser gesagt: er quatscht den Journalisten ohne Punkt und Komma gegen die Wand.
Pauls Vortragsweise gab dem Kapitel eine extra Portion Witz, denn ich bin mir nicht sicher, ob ich ohne seine Art vorzulesen soviel gelacht hätte wie an diesem Abend. Ich plädiere für ein selbst eingesprochenes Hörbuch!


Wie kam es zu den Verlagsgründungen?
Beskos: „Der Mairisch Verlag ist aus Versehen entstanden.“
Wels: „Wir saßen bei der Bank und sagten ‚Wir können das‘, und die haben uns Geld gegeben. Total verrückt.“
Sundermeier: „Wir waren gierig. Wir hatten von bestimmten Autoren alles, was damals erschienen war, aber wir wollten auch das unveröffentlichte lesen. Also gaben wir uns als Verlag aus. Wir dachten, ‚Wer einem Verlag mit diesem Namen Manuskripte schickt, ist irgendwie selbst Schuld.‘ Irgendwann kamen wir aus der Nummer nicht mehr raus.“


Buchblogs
Ich stellte die Frage, wie das Verhältnis von Indie Verlagen zur Buchblogszene sind und wie wichtig sie ist (eigentlich wollte ich fragen, ob sie wichtig ist, nicht wie. Sorry). Über die Antworten war ich überrascht. Erstmal gab es eine Pause, keiner sagte etwas. Schließlich brach Selma Wels von Binooki eine Lanze für die Buchblogger, genauso wie Daniel Beskos. Beide erkannten die Leidenschaft, mit der die Buchblogger an die Sache herangehen (erwähnt wurden auch die Fotos auf Instagram), an und erklärten, sie hätte bisher sehr gute, enge und z.T. auch schöne Erfahrungen mit Buchbloggern gemacht. Leif Greinus ergänzte, dass ein junger Booktuber eine sehr interessante, aber spannende Herangehensweise an Literatur und ein Werk aus dem Verlag hatte. Jörg Sundermeier nahm das Feuilleton auf’s Korn und erklärte, es sei ein Fehler, Buchbloggern zu unterstellen, sie seien nicht kritisch, oder schrieben schlechte Kritiken, oder seien nicht literarisch gebildet. Sicher gebe es schlechte Blogs und schlechte Einträge, jeder hat mal einen schlechten Tag. Doch schlechte Blogs würden innerhalb der Szene sehr deutlich darauf hingewiesen.
Selma Wels meinte darüber hinaus, Buchblogs und Kooperation mit ihnen sei schlicht „eine zeitgemäße Form der Kommunikation.“


Ein Buch, das in meinem Hinterkopf bleibt: Ogus Atay – Die Haltlosen
„Es sind 800 Seiten – aber kurz gefasst. Es galt als unübersetzbar, und wir haben auch einige Übersetzer verschlissen.“ – Selma Wels

„Der ‚Haltlose‘ ist jemand, der sich selbst in Frage stellt, der nach dem Sinn des Lebens sucht, nach der Wahrheit und nach der Schönheit. Turgut Özben, ein junger Bauingenieur, verheiratet, zweifacher Vater, lebt in geordneten Verhältnissen. Er erfährt aus der Zeitung, dass sein ehemals bester Freund Selim Işık Selbstmord begangen hat. Diese Nachricht erschüttert ihn. Turgut sucht Selims Freunde auf, die sich in ganz verschiedenen Kreisen bewegen. Jeder zeichnet ein anderes Bild von Selim, dem ‚Haltlosen‘. Turgut unternimmt eine Reise ins Innere und ins Äußere. Fiktion und Realität verschmelzen miteinander. Turgut wird selbst zu einem ‚Haltlosen‘.“ – von der Verlagshomepage


wp-1473971258399.jpgEs war ein wundervoller, unterhaltsamer und vor allem sehr informativer Abend. Ich habe einen tollen Einblick in ein paar Indie Verlage bekommen. Leider war es viel zu schnell vorbei, ich hätte den fünf Menschen noch sehr viel länger zuhören können. Vor allem Binooki und den Verbrecher Verlag (den ich doch schon kannte, wie mir später auffiel, die Buchaufmachungen kamen mir gleich so bekannt vor) werde ich im Auge behalten – und eine dicke Bestellung zukommen lassen, sobald ich die Programme durchgearbeitet habe.
Ich hoffe, es wird wieder eine Indiebooknight geben, ich wäre gerne wieder dabei.

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3 Gedanken zu “HFF: 1. Indiebooknight

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