[Rezension] Markus Heitz – Wédora. Staub und Blut

wp-1473838726516.jpgTitel: Wédora. Staub und Blut
Autor: Markus Heitz
Verlag: Knaur
Jahr: 2016
ISBN: 978-3-426-65403-3
Wertung: 4,5/5

Telonia, Walfor, ist eine beschauliche Grafschaft, in der Liothan mit seiner Frau sowie seine Jugendfreundin Tomeija leben. Dass sie die örtliche Ordnungshüterin ist, wirft manchmal einen Schatten auf ihre Freundschaft, denn Liothan ist nebenberuflich Räuber, wenn auch mit goldenem Herzen. Trotzdem ist alles friedlich und harmonisch…
Bis ein Einbruch nicht läuft wie erwartet, und Tomeija und Liothan in die Wüste einer anderen Welt gezaubert werden. Nicht nur die Wüste, auch die Metropole Wédora in ihrer Mitte ist sehr viel gefährlicher als ihre Heimat. Kurz nach ihrer Ankunft trennen sich die Wege der beiden Freunde, und sie müssen fortan jeder eigene Abenteuer bestehen, während sie versuchen, einen Weg nach Hause zu finden. In der Wüstenstadt braut sich zum Jubiläumsfest einiges zusammen, und zwischen all den Eigenheiten, der Magie und den Intrigen müssen sich die Freunde schneller einleben als ihnen lieb ist, um sich in der Stadt behaupten zu können.

Wédora war mein erstes Buch von Markus Heitz, und ich bin hellauf begeistert. Schon in den ersten Kapiteln, die in der Wüste spielen, hatte mich die Welt von Wédora in ihren Bann gezogen, nicht zuletzt, weil Heitz es versteht, die Wüste in all ihrer Schönheit und Gefährlichkeit darzustellen.
Die Stadt Wédora ist eine riesige, abgeschottete Stadt, die die Handelsrouten zwischen den umliegenden Ländern verbindet. In ihr leben unzählige Menschen, manche bettelarm, andere so steinreich, dass sie sich die Welt kaufen könnten. Kranke haben ein eigenes Viertel, ebenso wie die Vergnügungsmeilen, die Reichen haben ihr eigenes Quartier wie auch die Armen. Geführt wird die Stadt vom Daremo, einem Herrscher, den nie jemand gesehen hat.

Soviel zum faszinierenden Setting. Die Charaktere sind nicht minder bunt gemischt. Verschlagene Tänzerinnen, faire Betreiber zwielichtiger Theater, moralisch fragwürdige Statthalter, und alte Menschen, die den Tod austricksen wollen, um nur mal die Nebencharaktere zu erwähnen.
Hier stachen mir vor allem Kasul, der Händler auf den Riesenechsen, der Tomeija und Liothan in der Wüste rettet, und Irian Ettras, der Kannibale, ins Auge und zählten schon auf den ersten Seiten zu meinen Lieblingsfiguren.
Tomeija ist eine Frau voller Geheimnisse und mit mehr Flüchen geschlagen, als gut für einen Menschen ist. Durch ihre besonderen Kampffähigkeiten kann sie sich schnell in Wédora behaupten und findet rasch neue Verbündete, die ihr nicht zuletzt auch wegen ihrer Ehrlichkeit zur Seite stehen. Sie ist auch diejenige, die ungewollt von einem Abenteuer ins nächste stürzt, sich aber aus jeder noch so aussichtslosen Situation befreien kann. Die Frau hat Köpfchen und behält die Ruhe, was in Wédora ein großer Vorteil ist.
Liothan ist ungestümer. Er lässt sich von seinen Emotionen leiten und ist recht aufbrausend. Doch da auch er ein nicht völlig unerfahrener Kämpfer ist, behält er letztendlich immer die Oberhand. Trotzdem konnte ich mich nicht hundertprozentig mit ihm anfreunden. Er wirkte neben Tomeija eher wie ein stumpfer Bauer und hatte nichts mit ihrer kriegerischen Eleganz und ihrer Weitsicht gemein.

Die Geschehnisse in Telonia werden in einigen wenigen Kapiteln ebenfalls erzählt, und dort ist es mit der Beschaulichkeit erstmal vorbei. Allerdings kann ich hier nicht mehr zu sagen, da ich sonst große Teile dieses Erzählstrangs preisgeben müsste.
Was in Telonia passiert ist zwar wichtig für das Ende des Buches, trotzdem hatte ich diesen Strang einfach nicht auf dem Schirm. Jedes Mal, wenn die Geschichte wieder in Liothans und Tomeija Heimat sprang, dachte ich: „Ach stimmt, da passiert ja auch nocht was.“ – und sehnte mich gleichzeitig nach Wédora zurück.

Und ich sehne mich immer noch. Wédora hat mich immer noch nicht losgelassen, obwohl es jetzt schon einige Tage her ist, dass ich es beendet habe. Ich kann nur schwer aus dieser wunderbaren Welt wieder auftauchen, und die Bilder hängen mir noch sehr nach. Ich habe zwischenzeitlich sogar mein Sketchbook wieder ausgepackt und angefangen, manche Szenen zu zeichnen. Das ist seit Jahren nicht mehr vorgekommen.
Ich hoffe sehr, dass Heitz mindestens einen zweiten Teil schreibt. Sowohl vom Ausgang her bietet es sich an, als auch von all den Charakteren, denen ich gerne folgen möchte. Ich will Wédora weiter erkunden und wissen, was da noch so alles in der Wüste um Wédora herum ist.

Einen halben Stern Abzug gibt es für die kleinen Krittelpunkte (Walfor-Strang, auch wenn er wichtig war; ein, zwei Szenen waren einfach zu viel des Guten), ansonsten spreche ich eine eindeutige Leseempfehlung aus.


Danke an den Knaur Verlag für die Bereitstellung des Leseexemplars und Literaturschock für Vermittlung und die tolle Leserunde!

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5 Gedanken zu “[Rezension] Markus Heitz – Wédora. Staub und Blut

  1. Eine sehr schöne Rezension. Wédora ist mir in letzter Zeit öfter begegnet. Da ich demnächst wieder einmal etwas aus dem Fantasybereich lesen möchte, ist dieses Buch wohl genau das richtige für mich. Du hast mich jedenfalls sehr neugierig darauf gemacht.

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