#Buchpassion: Meine Bibliophilie und ich

cr1uiofweaavpyxJanine vom Kapri-ziös Blog hat eine wundervolle Aktion ins Leben gerufen, Das Bekenntnis zum Buch. Alle Bibliophilen sind aufgerufen, von ihrer #Buchpassion zu berichten (guckt mal auf Twitter!). Ich bin natürlich auch mit dabei, denn ich spreche sowieso ständig über Bücher.

Die Anfänge…
Ich kann lesen solange ich denken kann, was aber auch daran liegt, dass die wenigstens Menschen sich an die ersten Lebensjahre wirklich erinnern. Und ich habe früh angefangen. Ich habe mir mit 4, noch nicht ganz 5 Jahren das Lesen selber beigebracht habe. Muss so sein, denn als ich meinen Eltern die Inhalte der Comics in den Lustigen Taschenbüchern erzählte, waren sie ziemlich erstaunt.

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DAS Märchenbuch von Opa

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Vergilbte Seiten, zig mal geklebt, wunderschöne Bilder…

An meiner Liebe zu Geschichten und an der Initialzündung zum Lesen ist mein Opa schuld. Er hat mir immer mit einer Engelsgeduld stundenlang aus meinem Lieblingsmärchenbuch vorgelesen, ein altes Buch mit vergilbten Seiten, Zigarettenbildchen und altdeutscher Schrift. Aber auch seine Lust war irgendwann erschöpft, und wenn ich weiter Geschichten hören wollte, musste ich eben kreativ werden. Zusammen mit dem Märchenbuch, den lustigen Taschenbüchern und einem Kinderbuch, in dem die Buchstaben erklärt werden, habe ich mir dann lesen beigebracht. Ich erinnere mich, dass ich im Spielzimmer (das alte Kinderzimmer meines Vaters) auf dem Teppich lag, und die Bücher durchgeblättert habe. Bis heute liebe ich Märchen (mein Vater hatte ein Märchenbuch mit internationalen Märchen, was für ein Schatz), und bis heute kann ich die altdeutsche Schrift flüssig lesen als wäre es die lateinische.

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Vorlesebücher

Ich hatte Glück. Ich komme aus einer Familie, in der Lesen sehr geschätzt wird. Ich habe zu Weihnachten und zum Geburtstag immer stapelweise Bücher bekommen. Noch in der Grundschule bekam ich meinen eigenen Büchereiausweis, mein damals größter Schatz (und ich habe bis heute einen, auch wenn er moderner wurde). Meine Eltern hatten nichts dagegen, dass ich Bücher taschenweise zu Hause anschleppte, solange ich sie rechtzeitig wp-1473404358435.jpgzurückbrachte. Ich war auch eins von den Kindern, die nachts unter der Bettdecke mit Taschenlampe lasen. Meine Eltern wussten natürlich davon, aber solange es nicht zu spät war, sagten sie nichts, sondern kicherten nur etwas.
Mein erstes Buch, das ich an einem Stück durchlas, war Das fliegende Klassenzimmer von Erich Kästner. Es war Wochenende, und ich wollte das Buch nicht mal beim Essen aus der Hand legen. Meine Eltern ließen mich gewähren, ich aß ja.
Eine andere schöne Erinnerung ans Lesen, vor allem ans Vorlesen, hängt mit meinem Bruder zuammen. Wir hatten damals ein Doppelstockbett, ich schlief oben, und relativ oft kletterte er mit seinem Teddy im Arm die Leiter hoch und „bentragte Asyl“ (Wir waren Kinder. Wir wussten noch nichts von Krieg und Verfolgung und Flucht und Asyl). Wenn ich es gestatte, krabbelte er in mein Bett, und ich musste ihm vorlesen. Meistens Wir Kinder aus Bullerbü oder Erzählungen von Astrid Lindgren, manchmal Pipi Langstrumpf, manchmal das Kleine Gespenst oder die Kleine Hexe. Doch während mein Bruder Büchern bis heute nichts abgewinnen kann, steigerte sich meine Buchliebe immer weiter.

Und heute?

Ich bekomme regelmäßig viele Bücher, sei es als Rezensions- oder Leserundenexemplar, Geschenk oder Shoppingbeute. Ich weiß, dass ich mit meinen derzeit ungelesenen Büchern locker drei Jahre ohne Neuzugänge auskäme – aber mir würde etwas fehlen. Zu einer Buchleidenschaft gehört auch das Stöbern, das Entdecken neuer Bücher, seien es Neuerscheinungen oder Klassiker, das Kennenlernen neuer Autoren, die einen bannen…you get the idea.
Ich kann mir ein Leben ohne meine heißgeliebten Bücher nicht vorstellen, es wäre so unendlich leer – genauso wie meine Wohnung, die mit ihnen vollgestopft ist. Mir würden Geschichten fehlen, Abenteuer, Wissen (ich lese tatsächlich eine Menge Sachbücher, auch wenn es derzeit etwas weniger ist), Erinnerungen…Bücher sind inzwischen so sehr Bestandteil von mir und meinem Charakter, dass ich (und genügend Freunde und Familienmitglieder) denke, ohne sie wäre nicht mehr ich. Etwas wäre unwiederbringlich verloren und zerbrochen, müsste ich Bücher für immer aufgeben.

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(c) Susanne Kasper/Literaturschock.de

Und warum der Blog? Gibt es nicht schon genug?
In meinem Freundeskreis bin ich mit Abstand die Buchverrückteste. Zwar habe ich viele Freunde, die gerne lesen, zuweilen auch viel, trotzdem scheint es schwer zu sein, mich zu toppen. Vor Jahren habe ich deswegen meinen ersten Buchblog gegründet, dessen Dasein schnell wieder beendet war. Ich verlor die Lust am Bloggen und irgendwie gab es mir damals nichts.
Ungefähr ein Jahr später entdeckte ich Literaturschock.de, einen Buchblog mit angehängtem Forum (oder Gruppentherapie für Süchtige, je nach dem :D). Dort tausche ich mich inzwischen regelmäßig mit den anderen Mitgliedern über alles aus, was auch nur ansatzweise mit Büchern zu tun hat. Ich nehme dort auch regelmäßig an Leserunden teil, was in den meisten Fällen einfach toll ist. Wenn man so möchte, ist das Literaturschock-Forum mein digitales Bücherzuhause, ich gucke mindestens einmal am Tag rein.

Anfang des Jahres rief ich aus einer Laune heraus – ja, mir war langweilig, und ja, ich wollte mich vor meinen Unitexten drücken! – die Bücherkrähe ins Leben. Ich hatte manchmal soviel über Bücher zu erzählen, und ich wusst nicht, wo ich es lassen sollte. Im Forum? Aber an welcher Stelle? Facebook? Da interessiert es kaum jemanden. Instagram? Ungeeignet für lange Texte. Und was ist, wenn ich mal mehr als ein Bild brauche? Also doch wieder ein Blog.
Ich machte mir wenig Gedanken darum, dass die Bloggerszene schon so groß ist. Ich wollte einen Platz haben, wo ich etwas teilen kann, das vielleicht auch andere interessiert. Außerdem gibt es unfassbar viele unfassbar schlechte Bücherblogs. Quietschbunt, dass es in den Augen brennt; Glitzerstreifen, die dem Mauszeiger folgen; Satzzeichen als Rudeltiere und so kreative Rechtschreibung, dass es fast ein eigener Dialekt ist; Designs, bei denen sich Cindy aus Marzahn sofort heimisch fühlen würde (Sorry, Cindy). Ich will nicht sagen, dass ich es besser mache. Ich will sagen, dass ich nur sehr, sehr wenige Blogs gefunden habe, bei denen ich gerne regelmäßig vorbeischaue.

Seither gibt es meinen Blog Die Bücherkrähe. Er ist noch kein Jahr alt, und hat dementsprechend kleine Besuchszahlen (die stetig steigen, was mich schon ein wenig freut). Doch darum geht es mir gar nicht so sehr. Ich möchte meine Freude und Leidenschaft an Büchern mit der Welt teilen, egal, ob die Welt nun gerade zuguckt oder nicht.

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14 Gedanken zu “#Buchpassion: Meine Bibliophilie und ich

  1. Pingback: #buchpassion – Edition: Mein Bekenntnis zum Buch 9.-11.9.2016

  2. Liebe Mareike,

    es ist schön zu lesen, wie du als Kind die Bücher verschlungen hast und es sogar jetzt noch – als Erwachsene – tust. Vielen Dank für den schönen Beitrag!

    Auch wenn es schon viele Buchblogs gibt, lass dich davon nicht einschüchtern! Jeder Leser hat seine eigene Geschichte und tickt etwas anders. Durch das Buchbloggen habe ich viele Bibliophile wie mich kennengelernt und das ist häufig noch schöner als ein Blick auf die Besucherzahlen. 😉

    Buchige Grüße,
    Janine

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    • Ahoi Janine,

      natürlich lasse ich mich von den vielen Buchblogs nicht einschüchtern, dafür macht mir das Bloggen viel zu viel Spaß. Ich möchte es nicht mehr missen, eben auch, weil ich dadurch viele Gleichgesinnte treffe. Oder an so tollen Aktionen teilnehmen kann 😉

      Cheerio und Grüße aus der Piratenstadt,
      Mareike

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  3. Ich finde es schön, dass du wieder einen Buchblog gestartet hast. Wenn man nur nach links und rechts schaut, ob es etwas schon gibt, dann könnte man ja kaum was machen.
    Meine beiden großen Kinder haben sich auch das Lesen selbst beigebracht, indem sie immer wieder gefragt haben, wie die Buchstaben heißen. Irgendwann muss es dann mal Klick gemacht haben. Die Freude am Lesen haben sie sich bis heute erhalten. Hoffen wir mal, dass wir unser Purzelchen auch anstecken können.

    Gefällt 1 Person

    • Purzelchen ist ja auch ein süßer Spitzname, da wird einem gleich warm ums Herz. Ich denke aber, wenn man in einer derartig bibliophilen Familie aufwächst und sogar die Geschwister die Nase in Büchern haben, hat man kaum eine Chance. Meine Eltern haben meine Buchvernarrtheit zwar immer unterstützt, hatten aber selbst eher selten ein Buch in der Hand. Ich denke, dass das auch ein Grund ist, warum meine Geschwister beide nicht gerne lesen. Erst fand ich das traurig, bis ich begriffe, dass wir alle drei auf Geschichten stehen, dafür aber unterschiedliche Medien nutzen: Mein Bruder liebt Filme und DVDs, meine Schwester bevorzugt Youtube und Instrumente, ich hänge in den Büchern. Und sie können genauso leidenschaftlich über ihre Geschichten berichten wie ich über meine, und das ist mir fast noch wichtiger 🙂

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  4. Ein ganz toller Einblick! Danke für diese „Entwicklungsgeschichte“. Da finde ich mich in vielem wieder. Ich habe auch meinem kleinen Bruder früher oft vorgelesen. Am meisten erinnere ich mich da an Momo. Er war nicht so der Selbst-Leser (ist er immer noch nicht), aber so haben wir die Geschichte dann doch geteilt.

    Lg
    Eva

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  5. Hey,
    ein verdammt toller Artikel!

    Ich finds allgemein immer schön zu lesen, wie andere zum Lesen gekommen sind, da kommen echt die unterschiedlichsten Geschichten zusammen.

    Vor allem schön geschrieben, motiviert selbst mal wieder was zu schreiben. 😅

    Und übrigens: Es ist doch egal wie viele Blogs es zum Thema Bücher schon gibt. Bei einem Blog geht es in erster Linie ja nicht darum wie viele es gibt, sondern um den Spaß daran. Man betreibt das ja, weil man Spaß daran hat sich mitzuteilen. Und mal davon ab, jeder hat was anderes zum Thema zu sagen.

    Mach weiter so! 🙂

    LG

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    • Ahoi!
      Na dann, ran an die Tastatur 😉

      Die Sache mit den vielen Buchblogs war auch eher die Aufnahme einer Frage, die mir Menschen in meinem Umfeld gestellt haben. Der Blog ist ja noch nicht alt, viele fanden es zwar cool, aber manche fragten eben auch, ob es denn nicht schon so viele Buchblos gäbe und warum ich denn auch noch einen machen möchte. Und wie du schon sagst: es geht um den Spaß, und ich habe eine Heidenfreude an meinem Buchbaby!

      Ach sag mal, hast du dich nicht gerade im Literaturschockforum angemeldet? Oder verwechsle ich dich da?

      Cheerio
      Mareike

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  6. Pingback: Behind the Screens – Die Bücherkrähe

  7. Moin 🙂

    Erst einmal: Schickes Design 😉 Das hab ich bei mir auch installiert und so hast Du gleich vor dem ersten von Dir geschriebenen – und von mir gelesenen – Wort das Prädikat „sehr sympathisch“ verpasst bekommen. Und der Eindruck hat gehalten, während ich mich hier umgesehen habe 😉 Ich mag ja diese „Spontanentscheider“ zum Bloggen besonders – letztlich ist mein Blog auch so entstanden.

    Kurzum: Ich komme wieder 🙂

    Liebe Grüße
    Sarah

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  8. Pingback: Was war los im September? | Die Bücherkrähe

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