[Rezension] Hendrik Groen: Eierlikörtage

wp-1472810414227.jpgTitel: Eierlikörtage. Das geheime Tagebuch des Hendrik Groen, 83 ¼ Jahre
Autorin: Hendrik Groen
Übersetzerin: Wibke kuhn
Verlag: Piper
Jahr: 2016
ISBN: 978-3-492-05808-7
Wertung: 4/5

So ein Leben im Seniorenheim kann ganz schön langweilig sein. Für Normalsterbliche vielleicht, nicht aber, wenn man Hendrik Groen heißt. Er hat keine Lust mehr auf das ewige Gejammer und Hinvegetiere seiner Mitbewohner und beschließt, etwas zu ändern. Das geheime Tagebuch ist erst der Anfang, denn im Laufe des Jahres tut sich so einiges. Von hinterhältigen Mordanschlägen auf die örtlichen Aquarien, über einen Rebellenclub („Alt aber nicht tot“) bis hin zu Guerillaplänen gegen Überwachungskameras: in Groens Seniorenheim in Amsterdam Noord ist ordentlich was los. Es geht aber auch um andere Themen, um die unvermeidbaren Verschleißerscheinungen im Alter, sich nicht davon unterkriegen zu lassen, und vor allem um ganz viel Freundschaft und Lebensfreude.

Hendrik Groens Tagebuch beginnt sehr erheiternd mit dem Eintrag:

„Auch im neuen Jahr habe ich für Senioren nichts übrig. Dieses Geschlurfe hinter Rollatoren, diese völlig deplatzierte Ungeduld, dieses ewige Gejammer, diese Kekse zum Tee, dieses Geseufze und Gestöhne.“

In diesem Tenor aus feiner Beobachtung, spitzer Zunge und einer ordentlichen Portion Ironie, die auch vor dem Autor selbst nicht Halt macht, begleitet man Hendrik Groen durch das Jahr 2013. Er berichtet davon, wie eine Änderung im Speiseplan seine Mitbewohner tagelang verwirren kann, fragt sich, ob US-Senioren als Äquivalent der First Rifle ihrer Enkel wohl eine Last Rifle haben und was das für die Sicherheit in Altenheimen bedeutet – bei den tatterigen Händen – wir erleben hautnah den Kampf gegen unsinnige Vorschriften und natürlich auch gegen das Älterwerden.
Doch neben all den Lachtränen, die man als LeserIn vergießt, gibt es auch Tränen der Rührung, wenn die alten Freunde sich um sich kümmern und mit ihren Gebrechen ganz vorurteilsfrei umgehen, und auch der Trauer, wenn man liebgewonnene Menschen in die Demenz begleiten muss.

Ich habe meinen Opa über alles geliebt, er war neben meinen Geschwistern mein absoluter Lieblingsmensch und ich habe ihn und meine Großmutter jahrelang jede Woche besucht. Hendrik Groen würde ich allerdings sofort als Dritt-Großvater adoptieren, und seinen Rebellentrup gleich dazu. Hendrik hat mir zwei Sachen gezeigt: erstens muss man seinen Humor mit 70 nicht beim Pförtner abgeben. Zweitens habe ich, seit ich das Buch lese, im Alltag sehr viel mehr Geduld mit alten Menschen.
Lieber Hendrik, Danke!

„Heute hatte unser Heim einen richtigen Supertag: ein Herzanfall, eine gebrochene Hüfte, und ein Bewohner ist beinahe an einem Mürbeteigkeks erstickt.“

Und ich beinahe an meinem Kaffee, als ich das gelesen habe…



Herzlichen Dank an den Piper Verlag, der mir freundlicher Weise das Buch als Rezensionsexemplar zur Verfügung stellte.

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Ein Gedanke zu “[Rezension] Hendrik Groen: Eierlikörtage

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