[Rezension] Ryan Graudin – Wolf by Wolf

wp-1471509743605.jpgTitel: Wolf by Wolf
Autorin: Ryan Graudin
Verlag: Indigo (gehört zu Hachette)
Jahr: 2015
ISBN: 978-1-78062-203-3
Wertung: 3,5/5

Germania (ehem. Berlin), 1956: Yael streunt nachts durch Hitlers Hauptstadt, von ihrem illegalen Tätowierer zu ihrem Quartier. Sie ist eine Überlebende der Konzentrations- und Todeslager, die überall im Reich verteilt sind, und mehr noch: sie ist die größte Hoffnung des Widerstandes auf eine Revolution, Entmachtung der Nazis und Neustart der Welt. Yael soll am prestigeträchtigen Motorradrennen teilnehmen, das die Teilnehmer von Germania über mehrere Kontinente nach Tokio führt. Der Sieger der Tour wird auf einem Ball geehrt, an dem auch der Führer höchstpersönlich teilnimmt. Yael soll gewinnen und Hitler vor laufenden Kameras ermorden.
Doch weder ihre besonderen Fähigkeiten noch das Training durch den Widerstand haben sie auf die Situationen vorbereitet, die sie auf der Strecke meistern muss.

Tattoos, Motorradrennen und Hitler in einem Buch. „Das kann großartig werden oder eine absolute Katastrophe“, dachte ich. Gerade bei allem, was das Dritte Reich angeht bin ich sehr vorsichtig, was alternative Geschichtsverläufe angeht.
Ryan Graudin aber schafft ein plausibles, alternatives Universum, das sich in die Kontinuität der Geschichte fügt. Hitler hat gewonnen und zusammen mit Japan Europa, Asien und Afrika unterworfen. Germania wurde so pompös gebaut, wie er es geplant hatte, Amerika und England halten sich zurück. In dieser Welt gibt es natürlich auch noch die KZs und Todeslager, und in einem von ihnen verbringt Yael einige Jahre ihres jungen Lebens. In Rückblenden erzählt sie vom Leben dort, vor allem aber von der Angst und den Verlusten, die sie bis in die Gegenwart prägen und antreiben. Graudin schafft es, Schrecken und Trauer nicht kitschig, aber auf eine ganz besondere Art und Weise zu vermitteln, und an manchen Stellen hat es mir fast das Herz zerrissen.

The women of Barrack 7 stopped whispering for just a moment, and all Yael could her was the agony of everything. The death camp’s song rose from every corner of the night. Not wolves. Just people. Crying and crying and crying. She howled with them.

Insgesamt hat Graudin einen ganz besonderen Schreibstil, der viel mit Wiederholungen und Lauten arbeitet. Zudem wirft sie immer mal wieder deutsche Worte ein, was mich in Anbetracht der Tatsache, dass ich das Buch auf Englisch gelesen habe, immer mal wieder irritiert hat. Trotzdem, es passt sowohl zum Setting als auch zu den Charakteren.
Yael ist durch ihre Geschichte an sich schon sehr komplex, und man könnte meinen, dass sie mit 17 Jahren und dank ihrer Erfahrungen abgeklärt ist. Doch im Verlauf der Story merkt man, dass sie nicht nur zersplitter ist, ihre charakterliche Entwicklung ist schlichtweg noch nicht fertig, was sie zu einer unglaublich spannenden Figur macht.

„The World is wrong. I’m just doing my part to fix it.“

Ihr zur Seite gestellt sind zwei männliche Hauptcharaktere, die bisher solide aufgebaut, aber auch noch ausbaufähig sind. Man wusste das ganze Buch über nicht, ob man ihnen trauen kann, auch wenn klar war, dass beide Yael sehr zugetan sind, wenn auch auf unterschiedliche Weise.

Das Buch war anders, als ich erwartet hatte, aber immer noch gut. Es gab genügend unerwartete Wendungen und Aspekte, und ich konnte das Buch einfach nicht aus der Hand legen.
Am 6. Oktober 2016 erscheint der zweite Teil, Blood for Blood, und den werde ich auf jeden Fall lesen. Ich möchte wissen, wie es mit Yael weitergeht, aber auch, ob es nun eine Revolution gibt oder nicht.

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3 Gedanken zu “[Rezension] Ryan Graudin – Wolf by Wolf

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