Lilly Lindner – Die Autobiographie der Zeit

wp-1464943780927.jpgTitel: Die Autobiographie der Zeit
Autorin: Lilly Lindner
Illstrationen: Lisa Wöhling
Verlag: Droemer
Jahr: 2016
ISBN: 978-3-426-30540-9
Wertung: 3/5

[Lesung zu Die Autobiografie der Zeit: 14.09.2016 in Berlin]

Die Geschicke der Menschheit werden von vier Mächten begleitet: Kevin, dem Raum, Shay, dem Abgrund, David, der Beständigkeit, und der namenlosen Zeit.
Die Zeit berichtet, wie sie auf ihrem Heimatplaneten Winter auserwählt wurde, eine der unsterblichen Mächte zu werden, und wie es für sie und die anderen in der Menschenwelt weiterging. Sie erzählt über einen großen Zeitraum hinweg, und sie erzählt, wie einer nach dem anderen von ihnen, den Mächten, an der Aufgabe, der Unsterblichkeit und nicht zuletzt an den Menschen zerbrach. Vor allem aber geht es um sie selbst, die sich mit ihrer Aufgabe nicht anfreunden kann, sich von den anderen Mächten nicht verstanden und einsam fühlt, und sie ständig auf der Suche ist. Vielleicht nach Ruhe, vielleicht nach Verstehen. Und am Ende stellt sich heraus, dass die Mächte vielleicht unsterblich sind, die Personen, die sie darstellen, aber nicht.
„Ich starb unsichtbar und lautlos. Und dann. Dann kam eine neue Zeit.“

Das Buch ist in drei Abschnitte unterteilt – Der Anfang der Zeit, Der Ozean im Meer, und Das Ende der Zeit – die jeweils relativ kurze, manchmal nur ein, zwei Sätze umfassende Kapitel beinhalten.
Lilly Lindner wird immer wieder für ihr Sprachgefühl gelobt und gilt als Ausnahmetalent der deutschen Literatur. Doch genau diese Sprache funktionierte für mich dieses Mal nicht. Während ich in Was fehlt, wenn ich verschwunden bin hineinsank, fand ich zu Die Autobiografie der Zeit keinen Zugang. Die Sprache wirkte oft gewollt poetisch, zu konstruiert, was sie unglaublich anstrengend zu lesen machte. Die Interpunktion ist mühselig, der Verlauf der Geschichte zäh. Die Leichtigkeit Lindners Sprache, von der Kritiker immer schwärmen, war hier nicht vorhanden. Hier nutzte sie ihr Sprachgefühl, um eine ungeheure Sperrigkeit und Schwere zu erzeugen. Das sind vermutlich beabsichtigte Stilmittel der Autorin, ich vermute, um die Schwermütigkeit der Zeit und ihr unterbrochenes Selbst zu unterstreichen, und sie machen den Roman zu einem durchdachten Werk. Trotzdem fühlte ich mich immer außen vor und konnte mit der Zeit kaum mitfühlen.
Die Illustrationen von Lisa Wöhling in diesem Buch sind wunderschön und stellen mit ihrem leichten Aquarellstil einen Bruch zur sperrigen Sprache dar.

Herzlichen Dank an Droemer für das Rezensionsexemplar!

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2 Gedanken zu “Lilly Lindner – Die Autobiographie der Zeit

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