Eva Lohmann – 8 Wochen verrückt

wp-1463642302481.jpgTitel: 8 Wochen verrückt
Autorin: Eva Lohmann
Verlag: Piper
ISBN: 978-3-492-05439-3
Wertung: 2/5

Mila muss in die Klinik. Sie ging eines Tages einfach von ihrer Arbeit nach Hause, weil ihr alles sinnlos erschien, nichts machte ihr mehr Freude. Zu Hause setzte sie sich aufs Sofa und weinte vor sich hin, bis ihr Freund kam, und weinte weiter, bis ihre Mum kam, die sie zum Arzt brachte. Mit einer Akuteinweisung ist sie nun hier gelandet, in einer psychosomatischen Klinik, in der doch alle viel verrückter sind und viel mehr Hilfe brauchen als sie. Oder nicht?
Mila gewöhnt sich langsam an den Klinikalltag und ihre neuen Freunde, die alle ihre eigenen Diagnosen und Probleme haben, aber damit doch nicht so einzigartig sind. Am Ende ihres Aufenthaltes muss sich Mila in einem Familiengespräch auch ihren Eltern stellen, und ihnen erklären, was sie mit ihrer Diagnose der Depression zu tun haben.

Das Buch ist nur 195 Seiten stark, was angesichts der Thematik kritisch ist. Weder kann die Story richtig wachsen, noch haben die Charaktere Zeit und Platz, sich zu entfalten. Gerade die essgestörten Patientinnen bleiben allesamt blass und austauschbar, und insgesamt wird sich mit all den Diagnosen, die Lohmann munter in den Raum wirft, nicht auseinandergesetzt.
Die Hauptcharakterin Mila ist nahezu durchgängig unsympathisch. Zum einen verhält sie sich ihrem Alter kaum entsprechend, eher etwas zu mütterlich. Außerdem fühlt sie sich ihren MitpatientInnen immer überlegen, immer als „eigentlich gehöre ich nicht zu den Verrückten“ – auch wenn sie einen Handfesten Streit mit ihrem Freund hat, weil er über die anderen Patienten herzieht. Es sind halt IHRE Verrückten.
Auch von Milas Krankheit und ihrer Genesung bekommt der Leser wenig mit. Man verfolgt die Therapieschritte und Erfolge nicht mit, und am Ende der Therapie weiß man nicht, was genau sich bei Mila geändert hat. Einzelne Episoden werden zusammenhanglos in den Raum gestellt und nie wieder aufgegriffen (z.B. ihr „Problem auf der Bettkante“, ihr Autoritätsproblem – nirgends wird deutlich dass sie auch nur ansatzweise eins hat).
Bestimmte Vorgehensweisen der Klinik sind eher unrealistisch. Wenn die Nährwerte und das Gewicht einer essgestörten Patientin derartig in den Keller rutschen, dass sie ins nächste Krankenhaus zur Zwangsernährung muss, ist es unwahrscheinlich, dass sie ein paar Tage später wieder in die psychosomatische Klinik kommt.

Insgesamt kann ich dem Buch nur einen geben. Es behandelt die Thematik eines Akutaufenthaltes in einer psychosomatischen Klinik nur oberflächlich und größtenteils klischeehaft. Die Charaktere haben soviel Tiefgang wie ein Schlauchboot und die Story ist eine Aneinanderreihung nahezu zusammenhangloser Abschnitte. Keine Woche scheint sich auf die vergangene Woche zu beziehen, man verfolgt Milas Genesung also nur rudimentär. Es scheint, als wollte die Autorin über dieses Thema schreiben, aber weder Ahnung davon noch recherchiert hat.

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