Cay Rademacher – Der Schieber

wp-1461266206492.jpgTitel:Der Schieber
Autor: Cay Rademacher
Verlag: Dumont
Jahr: 2012
ISBN: 978-3832162542
Wertung: 4 von 5

Hamburger Sommer 1947. Nach der mörderischen Kälte des Hungerwinters liegt nun eine drückende Hitze über der Stadt. Leben und Alltag kehren nach Kriegsende nur langsam wieder ein, Lebensmittel gibt es nach wie vor auf Marken, nötigste Alltagsgegenstände bekommt man nur gegen ein kleines Vermögen auf dem Schwarzmarkt, und zu allem Überfluss soll die Werft Blohm&Voss weiter demontiert werden. Kriegsschuld. Keine gute Idee in einer Stadt, deren ganzer Stolz Hafen und Schiffe sind, und entsprechend ist die Grundstimmung in der Stadt.
Auf dieser Werft wird auf einem Blindgänger die Leiche eines Jungen gefunden. Die Ermittlungen führen Oberinspektor Stave zum Schwarzmarkt, zu Kohleklauern, zu Wolfskindern…überall hin, doch nichts scheint ihn und seinen Freund MacDonald von der britischen Besatzungsmacht weiterzubringen, und die Zeit drängt. Die Stimmung auf der Werft verschlechtert sich zusehends, die britische Verwaltung wird unruhiger, und MacDonald braucht den Ermittlungserfolg nicht nur für seinen beruflichen Werdegang.

Cay Rademacher zeichnet auch im zweiten Teil seiner Hamburg-Trilogie um Frank Stave ein detailreiches Bild der Hansestadt in der direkten Nachkriegszeit. Zusammen mit Stave streift man während der Ermittlungen durch Häuserruinen, druckst auf dem Schwarzmarkt herum oder resigniert ob der hohen Zahl von Kriegswaisen, die sich schon in jungen Jahren als Prostituierte oder Diebe verdingen. Man fühlt die Hitze des Jahrhundertsommers, zumal Autos und Telefone damals der reinste Luxus waren und Stave einen Großteil seiner Ermittlungen zu Fuß erledigen muss.
Der Roman ist sorgfältig recherchiert, die Story liebevoll aufgebaut und bis zum Schluss spannend. Die Lebensumstände der Hamburger zu der Zeit du Staves Privatleben tragen ebenso zur Geschichte bei wie die eigentliche Jagd nach dem Mörder. Die Charaktere sind einzigartig, mit Stave als wortkarges Nordlicht an der Spitze. Sein Kollege von der britischen Besatzungsmacht ist ein gelungener Gegenpart, jung, etwas draufgängerischer und redegewandt.

Der Schieber ist ein wahrer Lesegenuss, mit nur ein, zwei Längen, die insgesamt aber kaum ins Gewicht fallen. Zu empfehlen ist diese Reihe auf jeden Fall!

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