Melanie Sumner – Eine Thrapie für Aristoteles

wp-1457717866554.jpgTitel: Eine Therapie für Aristoteles
Autor: Melanie Sumner
Verlag: Dumont
Jahr: 2016
ISBN: 978-3-8321-9796-4

In Sumners Roman ist ordentlich was los, es tummeln sich lauter illustre Charaktere in einer vielleicht eher alltäglichen Story: Chaotische alleinerziehende Mutter (Diane, Englischdozentin), ein hochsensibler, zuweilen explosiver 8-jähriger Sohn (Max, föhnt sich gerne trocken), präpubertierende fast-13-jährige Tochter (Aris, verlobt, ambitionierte Neu-Autorin), und irgendwie muss man ohne großen Schaden durch’s Leben kommen. Dass das nicht immer einfach ist bei der Familie Thibodeau wird recht schnell deutlich. Aris will das Familieneinkommen mit einem erfolgreichen Debutroman aufstocken und nebenbei die Aufmerksamkeit potentieller Ersatzväter erregen. Schließlich ist sie diejenige im Haus, die alle in der Spur hält und ist vollwertige Partnerin ihrer Mutter in allen Lebenslagen: Erziehung des Bruders, Stilberatung für Dates, und auch die Hausarbeiten von Dianes Studenten liest sie mal Korrektur. Zu dieser quirligen Familie gesellen sich Joe, seines Zeichens Hausgeist und verstorbener Vater von Max und Aris, allerdings nur für seine Tochter wahrnehmbar, und Penn. Penn ist die PMB in Aris Leben, positive Männliche Bezugsperson, Nanny, bester Freund Dianes und Aris Lieblingsanwärter auf den Daddy-Posten. Aris verarbeitet die Ereignisse ihrer abenteuerlichen Familie in ihrem Roman, der in 30 Tagen fertig werden soll, was jedoch immer wieder sabotiert wird. Sei es, dass Diane mal wieder einem Putzwahn verfällt und Aris Inspirationsmütze entsorgt, Max wieder einen seiner Anfälle hat und dabei locker mal das Bad unter Wasser setzt, oder Penn einfach der Beziehungsschisser ist, der er nun mal ist.

Penn: „Vielleicht hat er [Gott] sich bei der ganzen Bibel verschrieben. Ich bleibe Atheist bis die überarbeitete Fassung herauskommt.“

Die Charaktere in diesem Buch sind einzigartig und machen die Geschichte zu etwas Besonderem. Neben Penn, der verschlossenen aber trotzdem liebevollen PMB, ist vor allem Aris gut gelungen. Die Story wird aus ihrer Sicht erzählt, was durchaus schwierig sein und vor allem in die Hose gehen kann, wenn es zu kindisch wird oder zu aufgesetzt wirkt. Sumner leistet hier hervorragende (Charakterentwicklungs-)Arbeit. Aris schildert ihre Welt und die Geschehnisse aus ihrer Sicht, kommentiert sie auf typische Teenagerart, und doch sieht der erwachsene Leser mehr. Man erkennt Aris Alter hinter den Erzählungen, das Altkluge und ihre noch fehlende Weitsicht, allerdings auf sehr amüsante Weise.

„Was machen die da so lange?“, wollte Max wissen… „Sie verlieben sich“, sagte ich. „Das dauert schon ein paar Minuten.“

Die Charaktere wachsen einem ans Herz, und viele wie die besserwisserische Oma oder den stets besorgten aber gutmütigen Opa kennt man teilweise auch aus dem eigenen Leben. Sie machen es einem leicht, in Aris Welt einzutauchen und mit ihr zu fühlen.
Sollte es jemals eine Fortsetzung des Romans geben, sie wird sofort auf meiner Bestellliste landen.

Herzlichen Dank an den Dumont-Verlag für das Leseexemplar.

Advertisements

2 Gedanken zu “Melanie Sumner – Eine Thrapie für Aristoteles

  1. Pingback: Der März in Büchern – Die Bücherkrähe im Rabennest

  2. Pingback: Der März in Büchern | Die Bücherkrähe

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s