Barbara Yelin – Irmina

1454075369871Titel: Irmina
Autor/Herausgeber: Barbara Yelin
Verlag: Bundeszentrale für politische Bildung, urspr. Reprodukt
Jahr: 2015, urspr. 2014

Inhalt
Irmina erzählt das Leben von Irmina von Behdinger in drei Lebensphasen.
In der ersten begleitet der/die LeserIn durch ihr holpriges Leben in London 1934. Irmina will unabhängig sein, lässt sich am Communications College ausbilden und fällt vor allem durch ihre Naivität auf. Was in ihrer Heimat Deutschland passiert interessiert sie nicht sehr, und sie mag es überhaupt nicht, wenn sie für die Geschehnisse zu Hause verantwortlich gemacht wird. Sie lernt Howard, einen Jurastudenten aus Barbados kennen und verliebt sich in ihn. Doch so sehr sich die beiden zugetan sind, es gibt auch immer wieder Streitpunkte, die nicht immer aus der Welt geräumt werden. Als Irmina die finanzielle Unterstützung von ihren Eltern versagt wird und sie zeitgleich auch ihr Zimmer zugunsten einer geflüchteten Jüdin aufgeben muss, bleibt ihr nichts anderes übrig, als Nach Deutschland zurückzukehren.

In Deutschland angekommen plant Irmina, so schnell es geht nach London zurückzukehren. Sie arbeitet im Kriegsministerium, wo man ihr eine Auslandsstelle in London in Aussicht stellt. Begeistert schreibt sie Howard davon. Gleichzeitig lernt sie den SS-Mann Meinrich kennen, den sie zunächst auf Distanz hält. Er hält nicht viel von Irminas Drang nach Unabhängigkeit und einem Leben im Ausland. Er ist durch und durch Nationalsozialist. Als sie die Stelle in London wegen der internationalen Entwicklungen zwischen Deutschland und England nicht antreten darf, und zudem auch Briefe von Howard als unzustellbar zurück kommen, gibt Irmina schließlich dem Werben von Meinrich nach und heiratet ihn. In der Ehe scheint Irmina alles andere als glücklich, das Ehepaar ist vergleichsweise arm und wartet auf den großen Auftrag für Meinrich, der Architekt ist und hinter Speer zurückstehen muss. Trotz allem darf Irmina nicht arbeiten, sondern soll sich auf das Gebären eines Kindes konzentrieren. In ihrem Alltag bekommt Irmina immer mehr die Unterdrückung und Verfolgung der Juden in unmittelbarer Nähe mit, und es wird klar, dass ihr Mann damit zu tun hat. Sie selbst passt sich immer mehr dem Nationalsozialismus an, stellt nichts mehr in Frage und wird auch mit der Geburt ihres Sohnes zu einer Vorzeigefrau im Sinne des Nationalsozialismus.
Als ihr Ehemann fällt, flüchtet sie mit ihrem Sohn aufs Land und bleibt dort bis Kriegsende.

Der dritte Abschnitt zeigt Irmina als alte Frau kurz vor der Rente. Sie ist Sekretärin an einer Schule und gilt als ernst, streng, aber zuverlässig und diszipliniert. Howard macht sie ausfindig und lädt sie nach Barbados ein. Bei Irmina flammen offensichtlich alte Gefühle auf, doch Howard ist glücklich verheiratet und hat eine Familie. Er ist Governeur von Barbados und hat viel für die Bevölkerung getan, was ihn sehr beliebt macht. Im Vergleich zu ihm sieht Irmina, dass sie ihre jugendlichen Träume und Ideale aufgegeben, dass sie resigniert hat und ihr Leben an ihr vorbeizog.

Meinung
Ehrlich gesagt konnte ich mich mit der Protagonistin nie richtig anfreunden. Irmina war mir zu kalt, bisweilen zu selbstgerecht und zu farblos.
Es gibt im Grunde keine Höhepunkte in dieser Graphic Novel, nur einzelne Stationen, die Irmina von ihrem Traum von einem unabhängigen, selbstbestimmten Leben entfernen. Irmina als Charakter wird oft als typisch deutsch beschrieben: zuverlässig, arbeitsam, ernst, zuweilen streng. Tatsächlich sieht man Irmina selten lächeln oder glücklich aussehen, besonders nicht in Deutschland. Nur in Gegenwart von Howard scheint etwas Lebensfreunde durch, was die Graphic Novel insgesamt sehr drückend macht. Das mag zum Thema passen, hält einen aber auch auf Distanz. So konnte ich z.B. nicht mit Irminas Schock fühlen, als ihre Jugendliebe Howard ihr erzählt, dass er verheiratet ist.
Farblich ist die Graphic Novel in gedeckten Farben gehalten. Obwohl die Bilder durchgängig farbig sind, dominieren vor allem Grautöne und Blau, was zu der drückenden, tristen Atmosphäre beiträgt.
Gut gefallen haben mir allerdings die zweiseitigen Panoramabilder, die einen guten Eindruck der jeweiligen Situation vermittelten. Auch der Zeichenstil sagte mir sehr zu, da er wie ein koloriertes Sketchbook wirkt.
Vor allem deswegen, aber auch wegen der Geschichte einer Frau in der nationalsozialistischen Zeit, die nur knapp über die Runden kommt und mehr aus Resignation denn aus Überzeugung immer linientreuer wird fällt diese Graphic Novel nicht komplett bei mir durch, bleibt aber nur Mittelmaß.

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Eine der etwas farbenfroheren Doppelseiten.

Tip: Wer die Graphic Novel gerne lesen möchte und auf das Originalcover verzichten kann, kann auf der Website der Bundeszentrale fpr politische Bildung diese GN gerade für 7€ als Paperback erstehen.

 

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2 Gedanken zu “Barbara Yelin – Irmina

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