George R. R. Martin – A Clash of Kings

20130612_203629_Anne_Local_Rustic1. Anmerkung: Spoiler!
2. Anmerkung: Ich lese die Bücher auf Englisch, ich benutze daher z.T. die englischen Begriffe, da ich nicht weiß, wie sie auf Deutsch heißen.

Es hat über ein Jahr gedauert, bis ich mich an den zweiten Teil der A Song of Ice and Fire Serie traute. Das lag weniger daran, dass ich die Story nicht mag, sondern daran, dass die Bücher alle um die 1000 Seiten stark sind und Martin ein anspruchsvolles Englisch schreibt. Mit anderen Worten: ich brauche ewig, um so ein Buch durchzulesen. In der Regel hasse ich es, länger als ein paar Tage mit dem gleichen Buch beschäftigt zu sein – Ausnahmen bestätigen die Regel – und da ich noch soviele andere Bücher auf dem Stapel und in verschiedenen Listen habe, schob ich A Clash of Kings ewig vor mir her. Dann habe ich mit meinem Freund aber die erste Staffel der TV Serie geguckt und wollte unbedingt die zweite sehen – aber nicht, ohne vorher die Bücher gelesen zu haben. Das muss sein, Buch vor Film ist Grundsatz, auch wenn es nicht immer klappt.

Jedenfalls habe ich mir Mitte/Ende Mai A Clash of Kings geschnappt und fiel wieder in die Welt von Westeros, jenem Kontinent, auf dem es neben Direwolves auch sowas wie Eiszombies gibt, die sich jüngst aus ihren kalten Gräbern zu erheben scheinen. Auf eben diesem Kontinent tobt ein Krieg sondergleichen zwischen verschiedenen Königen. Nach dem Tod bzw. der Ermordung Robert Baratheons erheben mehrere Männer den Anspruch auf den Thron.
Zunächst sein Sohn Joffrey, der rechtmäßiger Erbe wäre und für die Außenwelt auch ist, wäre er nicht das Inzestkind seiner Mutter Königen Cersei und ihres Zwillingsbruders Jaime.
Um dieses Geheimnis wissen einige Außenstehende, und so erhebt Stannis Baratheon, der ältere von Roberts zwei übrigen Brüdern, den Anspruch auf den Thron. Der Anspruch ist dadurch gerechtfertigt, dass Joffrey nicht der Sohn von Robert ist, und Stannis älter ist als sein Bruder Renly.
Dieser wiederum erhebt Anspruch auf den Thron mit dem Argument, dass Robert sich die Krone auch einfach genommen bzw. erkämpft hätte, und warum sollte das gleiche nicht auch für ihn gelten? Mal abgesehen davon, dass er sowieso viel netter und beliebter ist, als sein todernster, verbitterter Bruder Stannis.
Dann ist da noch Robb Stark, Neds Sohn, der für die Enthauptung seines Vaters und die Geiselnahme seiner Schwestern in den Krieg zieht. Eigentlich wollte er nur Vergeltung, aber schon am Ende von A Game of Thrones wird er von seinen Gefolgsleuten zum King in the North ausgerufen, und er nimmt diese Rolle an. Er kämpft dafür, dass der Norden wieder ein unabhängiges Königreich wird, wie es vor Jahrhunderten schon der Fall war und als seine Vorfahren schon Könige waren.
Zu guter Letzt – er ist auch einfach das Letzte – haben wir da Theon Greyjoy. Diese kleine, rückgratlose, über die Maßen von sich selbst überzeugte Kakerlake möchte auch mitspielen. Er ist eigentlich eine Art Pfand, das Ned Stark von Theons Vater gefordert hatte, damit dieser keine Rebellion mehr anzetteln würde. Theon überzeugt Robb davon, dass sie zum Kampf gegen die Lannisters Schiffe brauchen, von denen die Greyjoys jede Menge hätten. Dafür müsste sein Vater nur zum King of the Isles ernannt werden, und alles ist tutti. Dummerweise ist der Vater, Balon Greyjoy, ein ähnliches Aas wie sein Sohn, und heckt seinen eigenen Plan aus: Er will den Norden angreifen, solange der nicht verteidigt werden kann. Theon wiederrum, der sich wieder und wieder übergangen fühlt, nicht zuletzt von seiner Schwester Asha, die seinen Platz als Thronerbin eingenommen und das Vertrauen ihres Vaters hat, brüht sein eigenes Süppchen. Nachdem er zum Plünderer degradiert wurde, überzeugt er einige seiner Männer, Winterfell anzugreifen. Sie schleichen sich Nachts ein, nehmen Bran und Rickon als Geiseln und erpressen Bran, der aktuell der Stark in Winterfell ist, Winterfell zu übergeben, wenn er nicht zusehen will, wie seine Leute abgeschlachtet werden. Ich traute Theon schon im ersten Band nicht über den Weg, inzwischen ist er in meinen Augen ein ekelerregendes Subjekt. Er hat bei mir einen ähnlichen Status wie Joffrey, allerdings ist Joffrey einfach sadistisch und brutal, eine Höllenbrut und ich wünsche mir nach wie vor, dass er leidet und am besten einen qualvollen Tod stirbt. Theon allerdings ist ein hinterhältiges Aas, dem nichts heilig ist. Er war zwar Unterpfand in Winterfell, wurde aber fast ebenbürtig mit den Starkkindern behandelt, auch wenn er wohl das ein oder andere Mal zu spüren bekommen hat, dass er nicht freiwillig da ist. Eigentlich hatte man das Gefühl, dass er zumindest zu Robb freundschaftliche oder brüderliche Gefühle hegt, was ihn aber nicht davon abhält, ihm in den Rücken zu fallen, die Starks zu verraten und die Leute, die ihn mit groß gezogen haben, einen nach den anderen abzuschlachten. Er ist ein weinerlicher Bengel, der komme was da wolle Prinz, besser noch König sein will, und verfolgt dieses Ziel rücksichtslos. Er ist kurz Prince of Winterfell, verliert diese Krone aber ebenso schnell wie er sie bekommen hat. Das zum Thema Theon Greyjoy. Mögest du leiden.

Leiden soll auch Joffrey, der Sansa, seine Verlobte, nach wie vor misshandeln lässt. Das macht er natürlich nicht selbst, da seine Mutter ihm beigebracht hat, dass er seine Königin nicht zu schlagen hat. Leider hat sie versäumt ihm beizubringen, dass mein seine Königin auch nicht schlagen, misshandeln oder anderweitig demütigen lässt. So lässt er Sansa einmal vor versammelter Mannschaft das Kleid zerreißen, weil ihr Bruder Robb Sieg um Sieg einfährt. Geschützt wird sie z.T. von Tyrion Lannister, der seinen Vater als Hand of the King vertritt. Er scheint der einzige Lannister mit mehr Grips als ein Löwe zu sein, und hat zudem eine menschliche Ader. Interessant in dieser Konstellation ist auch die Beziehung von Sansa und the Hound, dem tief loyalem Bodyguard Joffreys. Trotz seines grobschlächtigen Aussehens und seiner brutalen Art im Kampf ist er Sansa anscheinend wohlgesonnen. Er macht sich zwar über ihre naive Art lustig, aber er weigert sich als einziger gegenüber Joffrey, sie zu misshandeln und unterstützt sie auch mal in ihrer Argumentation gegen Joffrey und bewahrt sie so vor einem erneuten sadistischen Ausbruch ihres Verlobten. Dieser überlebt auch den zweiten Teil der Saga unverletzt.

In der Saga gibt es ja mehrere Erzählstränge, es gibt noch die von Jon Snow bei der Nightwatch, Arya auf der Flucht nach Winterfell, und Daenerys bei den Dothraki. Daenerys fand ich im ersten Teil eine unglaublich spannende Figur, mir machte es Spaß, sie bei ihrer Entwicklung zu beobachten. In A Clash of Kings aber scheinen die Episoden nur ein Intermezzo zu sein. Ich fand sie ehrlich gesagt langweilig, aber ich tue sie einfach als Übergang zu einer hoffentlich wieder spannenderen Story in A Storm auf Swords ab. Aryas Geschichte ist zwar etwas spannender, aber auch nur, weil sie so nah an ihren Verwandten zu sein scheint, dass man es fast greifen kann. Ich hoffe jedes Mal, dass sie sich endlich jemandem zu erkennen geben und nach Hause/zu ihrem Bruder Robb kann, aber die Erfahrungen in Kingslanding haben sie misstrauisch gemacht und sie traut nicht mal den Bannermen ihres Bruders. Stattdessen zettelt sie die Befreiung der sich in Geiselhaft befindenden Nordmänner und flieht kurz darauf Richtung Riverrun, wo ihr Großvater lebt.
Jon Snow befindet sich mit seinen Brüdern der Night’s Watch jenseits der Mauer, weil sich dort ein weiterer König auf die Invasion der sieben Königreiche vorbereitet. Zudem muss herausgefunden werden, woher auf einmal die Eiszombies, The Others, kommen. Am Ende des Buches erhält Jon den Befehl, zu den Wildlingen überzulaufen, damit er am Leben bleibt und später dem Lord Commander berichten kann, was er gesehen hat.

Ich habe das Buch verschlungen. Ich habe tagelang die Uni schleifen lassen, weil ich das Buch nicht aus der Hand legen konnte. Ich verzweifelte ob der Entwicklungen immer mehr, mehr noch als im ersten Buch, und hatte das Gefühl, dass es einfach keine Gerechtigkeit für die „Guten“ gibt. Die Widersacher der Starks fahren Sieg um Sieg ein, Winterfell fällt erst in die Hände von Theon, dann in die des nächsten Schlächters, die jüngsten Starkkinder müssen nun auch fliehen und blicken einer ungewissen Zukunft entgegen, die Lannisters bleiben größtenteils verschont bis auf den einzigen Sympathieträger, Tyrion, und die schleimigen Speichellecker wie Littlefinger reißen sich Ehren und Würden unter den Nagel. Trotzdem ein unglaublich spannendes Buch, das ich nur empfehlen kann.

Ich warte jetzt auf Gerechtigkeit oder zumindest einen Silberstreifen am Horizont – auch wenn ich schon gehört habe, dass A Storm of Swords noch grausamer wird und man sich als Stark-Fan wappnen muss.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s