Patrick Rothfuss

The Wise Man's Fear

Nachdem ich The Name of the Wind beendet hatte, hatte ich das, was man als Book Hangover/Buchkater kennt: Ich konnte kein neues Buch beginnen, weil ich mit meinen Gedanken noch so im grade beendetem Buch hing. Ich wollte so dringend wissen, wie es weitergeht, dass ich quasi in die nächste Buchhandlung eingefallen bin, die Abteilung für englische Bücher stürmte und mir The Wise Man’s Fear, den zweiten Teil der Kingkiller Chronicles, unter den Nagel riss.

Ich fing natürlich noch am gleichen Tag an zu lesen und zunächst war auch alles gut. Der Stil war so eloquent wie im ersten Teil, die Figuren blieben im Fluss und ich freute mich auf das, was da kommen mochte. Ich gierte nach mehr Informationen über die Chandrian und wie es mit Kvothe und diesen Wesen weitergehen mochte. Doch während in NotW die Story noch einen roten Faden hatte und die „Seitenabenteuer“ noch irgendwie mit der Hauptstory zusammenhingen, fehlte mir in TWMF schlicht der Zusammenhang zwischen den einzelnen Abenteuern. Der Schreibstil war nach wie vor astrein, aber es wurde…langweilig. Der erste Teil des Buches ist quasi NotW in Kurzform – die ewige Geldknappheit und dieselben Einwände Kvothes, seine Freunde zu bitten, seine Beziehung zu Denna, die ewigen Sticheleien zwischen Kvothe und anderen Studenten… – und auch, als er die Universität vorübergehend verlassen muss, wird es nicht spannender. Vielleicht lag es an der Figur Kvothe, der man im ersten Teil noch zusehen konnte, wie sie wuchs und an Tiefe gewann, jetzt aber nur platt, arrogant und hohl wirkte. Vielleicht lag es an dem roten Faden, den man suchen konnte, soviel man wollte, und ihn dennoch nicht fand. Vermutlich lag es an eben jenem fehlenden Faden, dass die „Seitenabenteuer“ die Zusammenhänge missen ließen und einfach wie eine Aneinanderreihung loser, belangloser Episoden schienen. Manche davon erschienen unnötig lang oder überflüssig. Spätestens ab dem Zeitpunkt, wo Kvothe auf Felurian, einer sexbesessenem Dämonin, trifft, wird es zäh. Auf 72 Seiten erzählt Kvothe von der Zeit im Dämonenreich Fae, und im Großen und Ganzen ergießt er sich darüber, wie er als jungfräulicher, unerfahrener Jüngling die legendäre Nymphonanin quasi die Wän…sorry, die Bäume und die Wiesen rauf und runter vögelt, wie sie ihm einen Schattenumhang näht (noch langweiliger als die angedeuteten Sexszenen) und am so tief beeindruckt, dass sie ihn gehen lässt – was zuvor nur den wenigsten Männern gelungen ist, und die sind alle dem Wahnsinn anheim gefallen. Mal abgesehen davon, dass man das ganze auch etwas hätte kürzen können, erreichten Kvothes Arroganz und Überhehblichkeit nach diesem „Abenteuer“ eine ganz neue Tiefe, die sich vor allem in seinen Bemerkungen über Frauen und die dazugehörigen Bettgeschichten äußerte.

Hatte man als Leser nun diese Kapitel endlich überstanden, erwartete man nun endlich etwas mehr Spannung. Aber nee, Kvothe geht mit seinem Kumpel in dessen Heimat, um eine Kampfkunst zu lernen (die er als außenstehender Barbar eigentlich nicht lernen darf, aber Kvothe ist eben Kvothe, und alle sind von seinem Intellekt und seiner Dickköpfigkeit so beeindruckt, dass er sie doch lernen darf). Das war dann der Punkt, an dem ich aufgab. Nach nochmal 100 Seiten langweiliger Aneinanderreihungen von Kvothes Schwierigkeiten in der Welt, die zu nichts zu führen scheinen außer die Seiten zu füllen, damit der zweite Teil eine ähnliche Seitenstärke erreichte wie der erste, gab ich auf Seite 866 (von knapp 1100) schließlich auf. Ich merkte erst, wie gelangweilt ich mich durch die Seiten quälte, als ich mich permanent nach einem neuen Buch sehnte. Etwas, das mir eigentlich nicht passiert. Im Nachhinein merkt man schon, dass Rothfuss an Name of the Wind länger gesessen und immer wieder daran gefeilt hat (sagt er selbst in den Danksagungen), alles immer wieder verfeinert und überarbeitet hat. The Wise Man’s Fear kam zwar erst vier Jahre später, aber irgendwie habe ich das Gefühl, dass Rothfuss da anders gearbeitet hat.

Ich finde das sehr schade, denn die Story war vielversprechend. Ich werde mir den dritten Teil wohl nicht kaufen. Vielleicht leihe ich ihn mir aus der Bücherhalle aus, aber auch nur, wenn ich für die letzten 300 Seiten des zweiten Teils die Muße finde, sie zu lesen.

 

 

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