Patrick Rothfuss: The Name of the Wind

IMG_3164Dieses Buch hatte ich, wie soviele andere Schätze in meinem Bücherregel auch, schon mehr als einmal in der Hand, bevor es seinen Weg in meine Tasche fand. Tatsächlich brauchte es die Katastrophe des Buchvergessens, das mich in die Arme dieser wundervollen Geschichte trieb. Ich war auf dem Weg nach Berlin, als ich mein damals aktuelles Buch fertig las – und feststellte, dass ich das andere Buch, das ich mitnehmen wollte, zu Hause liegen gelassen hatte. Die Aussichten auf einen buchlosen Tag in Berlin waren mehr als trüb, und ich ratterte im Kopf alle Buchläden runter, die ich in Berlin kannte, und die ich noch erfolgreich stürmen konnte, ohne zu spät zu meinem Termin zu kommen. To cut a long story short: ich musste ich die Hölle eine Warenkaufhauses, das aber immerhin eine Oase von englischsprachigen Büchern vorweisen konnte.

Und so fiel mir The Name of the Wind in die Hände. Über 660 Seiten stark, groß, dick, Fantasy. Genau das, wonach mir der Sinn stand. Und ich wurde nicht enttäuscht, obwohl ich mich dunkel erinnerte, dass meine eine beste Freundin zwei oder drei Mal starten musste, und ich weiß bis heute nicht, ob sie es zu Ende gelesen hat.

Ich wurde in eine wundervolle Welt entführt. Keine Zuckerwattewelt, keine Welt, in der das Leben Dank Magie leichter und angenehmer ist, und in der alle Menschen natürlich an alle existierenden magischen Wesen glauben. Diese Welt ist genauso wenig  Ponyhof wie unsere. Sie ist nicht lieb und kuschelig, sie ist brutal und kalt, warm und voll von Freundschaft, Feindschaft, Rivalitäten, Schicksalsschlägen und Hürden, an denen man verzweifeln kann.

Allerdings weiß ich nicht recht, wie ich anfangen soll. Ich habe schon drei oder vier Versionen der Rezension verworfen, weil sie dem ganzen Buch einfach nicht gerecht wird. Es geht um Kvothe, und so stellt er sich vor:

„I have stolen princesses back from sleeping barrow kings. I burned down the town of Trebon. I have spent the night with Felurian and left with both my sanity and my life. I was expelled from the University at a younger age than most people are allowed in. I tread paths by moonlight that others fear to speak of during day. I have talked to Gods, loved women, and written songs that make ministrels weep. My name is Kvothe. You may have heard of me.“

An dem Punkt, wo die Geschichte einsetzt, ist Kvothe ein bekannter…ja, was? Eine lebende Legende, von der jeder denkt, er sei tot. Ein Geschichtenschreiber spürt ihn auf, und bringt Kvothe dazu, seine Geschichte zu erzählen…

Kvothe ist der Sohn von Spielleuten, hochintelligent, begabt – und nach einem Angriff der Chandrian Vollwaise. Bis dahin hielt er die Chandrian für Protagonisten von Gruselmärchen, Kinderreimen, alten Sagen, aber nicht für real. Er flieht in eine Hafenstadt, in der er sich mehrere Jahre als Bettelkind, er ist kaum 11 Jahre alt, durchschlägt, bevor es ihn an die Universität zieht. Als einer der jüngsten Studenten aller Zeiten wird er aufgenommen und erlebt, dass Intelligenz, Mut und eine schnelle Zunge nicht immer nur zu Wohlwollen und Freunden führen. Er macht sich nicht direkt Feinde (auch wenn zwei Figuren durchaus so zu bezeichnen sind), aber nicht jeder liegt ihm und seinem Charme zu Füßen. Und jedes Semester muss er die Semestergebühr an die Uni entrichten, egal wie. Er arbeitet dafür an der Universität, spielt in Spelunken auf seiner Laute und leiht sich sogar von dubiosen Pfandleihern Geld. Nebenher versucht er, mehr über die Chandrian zu erfahren, von denen er irgendwann sogar glaubt, ein Streich seiner Psyche zu sein, um mit dem Tod seiner Eltern besser umgehen zu können. Solange, bis die Chandrian nicht weit von der Universität erneut zuschlagen.

Ich liebe dieses Buch, es ist das erste Buch aus der Sparte Fantasy seit…Monaten, das wirklich gut ist. The Night Circus liegt schon ein Vierteljahr zurück, aber das ist auch eine andere Art von Fantasy. Die letzten einigermaßen guten Fantasy-Bücher waren die „Die Gilde der schwarzen Magier“-Trilogie, und die reichen bei aller Liebe nicht an The Name of the Wind heran.

Es gibt neben A Song of Ice and Fire (dessen zweiter Teil demnächst angegriffen wird) endlich wieder eine Welt, in der ich versinken will. Die Charaktere haben Tiefgang, sind entwickelt bzw. man kann die Entwicklung nachvollziehen, ich habe keine Denkfehler in der Logik gefunden, und es ist insgesamt alles sehr vielversprechend. Kvothe ist zwar überwiegend, aber nicht immer sympathisch, und auch wenn die anderen Charaktere bisher mehr oder weniger eindeutig der guten, neutralen oder bösen Seite zuzuordnen sind, tut das der Spannung keinen Abbruch. Es gibt so viele Wendungen, Cliffhanger und Andeutungen, auf deren Auflösung man wartet, dass man gar nicht mehr aufhören will zu lesen. Und das, was Kvothe oben sagt, wird nicht mal zur Hälfte im ersten Teil abgedeckt.

Nachdem ich The Name of the  Wind durch hatte, wollte ich den zweiten Teil einer anderen Buchserie beginnen – und erfuhr zum ersten Mal bewusst, was ein Book Hangover ist. Ich hatte von diesem Begriff kurz vorher auf Smallbookthings gelesen. Er bezeichnet die Unfähigkeit, ein anderes Buch zu beginnen, weil man noch in der Welt des letzten verhaftet ist. Ich konnte einfach nicht lesen, weil ich mich immer wieder fragte, wie es Kvothe weiter erging, ob er die Chandrian findet, was dann passiert, und warum er sich so zurückgezogen und weggesperrt hat. Das Ende vom Lied war, dass ich nach der Arbeit den nächsten Buchladen ansteuerte und The Wise Man’s Fear, den zweiten Teil der King Killer Chronicle, kaufte. Und genau das lese ich grade.

Von der Tiefe der Story her fühle ich mich etwas an Game of Thrones erinnert (Tiefe, nciht Story!), auch wenn G. R. R. Martin seine Story etwas komplexer und, wenn man so will, verwirrender aufbaut. Trotzdem empfehle ich The Name of the Wind ebenso bedenkenlos und ausdrücklich wie Game of Thrones. Beides sind für mich Schwergewichte des derzeitigen Fantasy und meiner Meinung nach ein absolutes Muss.

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