Paul Hoffman: Die Linke Hand Gottes

IMG_3165Cale ist die Hauptfigur in Hofmanns Die Linke Hand Gottes. Er wird im Kloster der Erlösermönche großgezogen. Es ist ein trostloser Ort, an dem Kälte, Hunger und Angst regieren. Die Erlösermönche sind gnadenlos in der Erziehung der Jungen, die sie zu Kriegern heranziehen, und dass regelmäßig eins der Kinder an Hunger, Kälte oder Verletzungen stirbt, ist nicht ungewöhnlich. Cale will schon länger weg, und nachdem er einen der höheren Mönche ermordet hat, flieht er zusammen mit seinen zwei besten Freunden. Nach einigen Hürden kommt er nach Memphis, einer florierenden, dekadenten Großstadt, und wird dort der Bodyguard der Tochter des Patriziers. Allerdings macht er sich durch seine rechthaberische Art, aber auch seine Brutalität, Gefühlskälte und Skrupellosigkeit mehr Feinde als Freunde. Außerdem sind die Erlösermönche hinter ihm her, denn sein alter Mentor Bosco denkt, Cale sei der Engel des Todes, die linke Hand Gottes, ohne den die Welt nicht zerstört und dann neu geordnet werden kann.

Das Buch liest sich im Großen und Ganzen flüssig runter, manche sprachliche Wendungen klingen etwas schräg, was aber auch an der Übersetzung liegen kann. Ich konnte es kaum aus der Hand legen, aber nachdem ich es fertiggelesen hatte, konnte ich nicht sagen, was genau ich so fesselnd fand. Es fehlt der rote Faden, verschiedene Episoden  und Abenteuer werden aneinandergereiht, von denen man manchmal nicht mal weiß, wozu sie der Geschichte dienen. Zudem erscheinen mir die Charaktere mit fast zwei Monaten Abstand (ich habe es bereits Mitte Januar durch) immer flacher. Die Beziehung zwischen Cale und Arbella Schwanenhals kommt zwar nicht überraschend, aber warum genau sie sich in ihn verliebt, bleibt nicht schlüssig. Am Ende verrät sie Cale zwar, aber werden fadenscheinige Gründe genannt, warum sie ihn sowieso loswerden wollte.

Was mich bisher am meisten an diesem Buch enttäuscht hat, ist dass es einfach keine Hinweise darauf gibt, dass Cale tatsächlich der Engel des Todes ist. So blöd das auch klingen mag, aber sowohl im Klappentext als auch im Internet wird einem suggeriert, dass er tatsächlich ein Engel ist, das Buch voller Magie und die Geschichte allgemein ins Fantasy-Genre gehört. Dahin gehört es aber einfach nicht. Es ist eine mittelalterliche Geschichte, die an die Kirchengeschichte der Katholischen Kirche und der Reformation angelehnt ist. Die eindeutigen Parallelen sind zwar nett, aber das war’s auch.

Nix Engel, nix Fantasy, nix übergutes Buch. Ich hoffe, der zweite Teil ist auch so ein Pageturner, aber mit mehr Story und tieferen Charakteren.

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