Habibi, ein Schatz meines Bücherregals

IMG_2604Habibi von Craig Thompson ist eine knüppelharte Story, in bezaubernde Bilder Gehüllt, ein Märchen, das mit direkten, oft ungeschönten und dreckigen Bildern besticht.

Dodola, die Protagonistin, wird anfangs als junges Mädchen an ihren künftigen Ehemann verkauft, der ihr Lesen, Schreiben und die arabische Kalligraphie beibringt. Bei einem Überfall wird er ermordet und Dodola in die Sklaverei verkauft. Dort trifft sie auf Zam, der damals noch ein kleiner Junge ist, und kann sich mit ihm befreien. Mitten in der Wüste finden sie ein Schiff, in dem sie die nächsten Jahre leben, bis Dodola in einen Harem entführt wird. Durch ihre Bildung und Intelligenz, aber auch durch ihre Schönheit übersteht sie Tag für Tag, immer in der Sehnsucht nach Zam. Dieser wiederum sucht verzweifelt und getrieben von Schuldgefühlen nach Dodola, und landet an einem seltsamen Ort nach dem nächsten.

Die Beziehung zwischen Dodola reicht von Geschwisterlichen Gefühlen über Freundschaft bis hin zu Liebe. Nach ihrer Trennung durch die Wüstenräuber werden ihre beiden Wege gezeigt, in opulenten Bildern, angefüllt mit Philosophie und Mythologie aller drei monotheistischen Religionen, mit bezaubernder Sprache, und unglaublich ausdrucksstarken Frames. Obwohl es schwarz-weiß und auf Papier gedruckt ist, hatte ich im Kopf farbenfrohe Bilder oder auch triste, ich habe die Wüste gehört und den Harem gerochen, die Angst und die Wiedersehensfreude gespürt.
Man sollte sich allerdings kein falsches Bild machen, Habibi ist nicht bequem. So zauberhaft die Bilder auch sind, so brutal ist die Story. Vergewaltigung, Versklavung, Trennung, Unterschiede zwischen Menschengruppen, und das alles in einem Setting, das die klaffenden Unterschiede zwischen Dritter und Erster Welt aufzeigt. Es ist eben nicht 1001 Nacht mit Scheherazade, es ist 1001 Nacht mit einer gehörigen Portion beißender Realität.

Ich bin eigentlich eine Schnellleserin, es ist für mich normal, Bücher in einem oder wenigen Tagen zu beenden. Es war meine erste Graphic Novel, und ich wusste sowieso nicht, was mich erwartet und wie mein Lesetempo bei diesem Genre sein wird. Bei Habibi habe ich versucht, mir viel Zeit zu lassen, um die wundervolle Kunst der einzelnen Bilder wertschätzen zu können. Ich habe, soweit ich mich erinnere, vier Tage an dem Buch gesessen, was ich als unglaublich lang empfinde, und trotzdem habe ich das Gefühl, nicht ansatzweise den ganzen Zauber des Buches in mich aufgesogen zu haben. Ich blättere ab und an darin, und vermutlich werde ich mich nächstes Jahr irgendwann mit kühler Brause auf meinen Balkon oder in den Park setzen, und wieder in diese Geschichte eintauchen.

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3 Gedanken zu “Habibi, ein Schatz meines Bücherregals

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